Wir brauchen das italienische Temperament

Redakteur Florian Quanz möchte ein Stück des rotarischen Bella Italia nach Deutschland und Österreich bringen. Ein Kommentar:
Wir müssen mehr Italien wagen. Viel mehr. Und wir müssen heute damit anfangen. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Die Italiener haben einen Weg vorgezeichnet, wie sich Rotary weiterentwickeln und weiterwachsen kann, ohne seine DNA zu verändern. Von Italien lernen, heißt siegen lernen. Das mag beim Fußball derzeit anders sein, mit Blick auf Rotary trifft es zu. 717 neue Mitglieder hat die rotarische Gemeinschaft in Italien im vergangenen Jahr hinzugewonnen. Deutschland liegt im Vergleich bei einem Plus von 128 Mitgliedern. Noch Fragen?
Kurz zurück zum Fußball. Es gibt wohl kaum eine Nationalhymne, die mit so viel Inbrunst gesungen wird, wie die italienische. Wenn es „Fratelli Italia“, also übersetzt Brüder Italiens schallt, ist man wach. Mehr sogar. Besonders wahrzunehmen bei Spielen der Nationalmannschaft. In dieser Hymne steckt so viel Leidenschaft und deshalb passt sie auch so wunderbar zu dieser Nation und seinen Menschen. Es ist diese Leidenschaft, die man dort auch bei Rotary spürt. Selten habe ich so viel Begeisterung für unsere Organisation gesehen. Echte Begeisterung, die nicht nur bedeutet, dass man stolz erzählt, dass man Rotarier ist und die Nadel beziehungsweise den Pin trägt, sondern auch aktiv ist. Nach einer Woche, die ich gemeinsam mit Gerti Gruber (RC Gastein) und Gunther Gröss (RC Klagenfurt-Lindwurm) in Italien verbracht habe, um dort Rotary zu erleben, bin ich dem Erfolgsrezept der Freunde nähergekommen. Befriedigt mich das? Nicht ganz, denn es lässt sich nicht eins zu eins kopieren.
Was Rotary in Italien auszeichnet, ist eine Leidenschaft für Rotary gepaart starkem Engagement sowie einer gut funktionierenden Strategie, wie sich Rotary weiter entwickeln soll. Noch mehr als in Österreich und Deutschland haben sie verstanden, dass die Zeiten, in denen man fern der Öffentlichkeit Gutes getan hat, vorbei sind. Sie suchen bewusst die Kooperation mit starken Partnern vor Ort, engagieren sich „vor der Haustür“, wie es Antonio Bellisario Braia vom Distrikt 2120 so schön auf den Punkt brachte. Das Temperament kann man sich nicht aneignen, den Italienern liegt es im Blut. Man kann aber genauso wie die italienischen Freunde künftig den Fokus auf Hands-on-Projekte legen und die Sichtbarkeit von Rotary stärken. Eine Sichtbarkeit, die in Italien auch dazu führt, dass sich mehr Menschen für Rotary und letztlich auch für eine Mitgliedschaft interessieren. Triftet Rotary ab in Richtung eines normalen Vereines, in dem jeder Mitglied werden kann, der es möchte? Nein. Dafür steht Rotary in Italien nicht. Sie suchen noch immer Menschen mit besonderen Kompetenzen, Menschen, die vernetzt sind und bereit sind, sich mit anderen zu engagieren und Werte zu teilen. Das besondere Gefühl der Gemeinschaft, die Gutes tut, in Italien ist dies in wunderbarer Art und Weise spürbar. Und seien wir ehrlich, im Team etwas zu leisten, macht viel mehr Spaß, als etwas allein auf die Beine stellen zu müssen. Das ist wie beim Singen. Ein Chor ist lauter und erzeugt mehr Aufmerksamkeit. Die Nationalhymne im Stadion singen auch alle zusammen – Vater, Mutter, Kinder.
Das führt zum letzten entscheidenden Punkt. In Italien hat man ein tiefes Verständnis von der rotarischen Familie entwickelt. Das reicht von Interact über Rotaract bis hin zu Rotary. Da sitzt man gleichberechtigt am Tisch, was nicht bedeutet, dass man das gleiche verlangt. Viel mehr haben die Italiener gelernt, die jeweiligen Stärken in ein Gesamtgefüge zu integrieren. Dazu bedarf es einer Strategie und zuallererst der Bereitschaft, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Gerade die Rotarier sind hier gefragt. Ich fand es im positiven Sinne erstaunlich, dass fast alle rotarischen Gesprächspartner Rotaracter mit an den Tisch geholt hatten. Von sich aus. Auf der Distriktkonferenz in Vicenza standen Interact und Rotaract auf der Bühne und durften ihre Botschaften platzieren. Beinahe hätte ich dort vor Freude eine Hymne angestimmt. Das habe ich mir aufgehoben, um es in Hamburg zu tun. Ich möchte das italienische Temperament übertragen. Helfen Sie mir dabei?



















