„Fragst du mich was, kommt was raus“

Beim Rotary Club Bangkok-DACH hat Anne Jacobs auf ihrer Weltreise Christoph Hampel getroffen: Er ist gebürtiger Kasseler und man nennt ihn überall „das Orakel“. Seit rund 25 Jahren lebt er in Bangkok, spricht fließend Thai und Japanisch und "hat mehr Firmen aufgebaut, als ich Stempel im Pass hatte”, stellte die Reisende fest.
Man nennt ihn „das Orakel“ – und das nicht ohne Grund. Christoph Hampel, gebürtiger Nordhesse aus Kassel, lebt seit über 25 Jahren mit Frau und Kindern in Bangkok. Er hat in Russland und Indonesien gearbeitet, spricht Japanisch und Thai, und hat weltweit Firmen aufgebaut. Im Rotary Club Bangkok DACH ist er Sekretär und designierter Präsident. Ein Gespräch über Stämme statt Familien, Made in Germany und die Erkenntnis, dass man nur vorwärts leben kann.
Christoph, wie bist du zu Rotary gekommen?
Ein Freund hat mich mitgebracht, ich bin erst seit 2024 bin ich dabei. Mit nur Sternchen aufdrücken und erzählen, wie gut wir sind, habe ich nichts am Hut. Rotary war ursprünglich ganz einfach: Ein paar Freunde aus unterschiedlichen Firmen wollten die Freundschaft besser pflegen, sich regelmäßig treffen, geschäftlich und gesellschaftlich helfen und gemeinsam etwas Gutes tun. Genau das machen wir.
Was ist Bangkok DACH für ein Club?
Gegründet im Mai 2017, heute 44 Mitglieder. Wir sind deutschsprachig geprägt, sprechen im Club aber Englisch – und nehmen Deutsche, Österreicher, Schweizer genauso auf wie Thais oder Briten. Und wir sind jung: Der Altersschnitt liegt um die 40zwischen 40 und 50.
Auf welches Projekt seid ihr stolz?
Wir unterstützen die I.Care Foundation im Nordosten Thailands. Mit 6.000 Baht – rund 160 Euro – finanzierst du einem Kind ein ganzes Schuljahr. Und weil manche Kinder bis zu zehn Stunden zur Schule laufen, bauen wir ein Schlafhaus. Sonst kommt schlicht keiner zur Schule.
Und der Nachwuchs?
Wir sponsern den Rotaract Club of Bangkok Noble Global Connect am Asian Institute of Technology – quasi das „MIT Asiens“. Da sind junge Leute aus Myanmar, Indien, Nepal, Sri Lanka, Bhutan, Pakistan, den Philippinen, Thailand und Deutschland. Die haben inzwischen mehr Mitglieder als wir. Gemeinsam machen wir den „Create Lasting Impact Hackathon“: zwei Tage, soziale Projekte, Alt und Jung an einem Tisch.
Was kann Rotary tun, um Deutschland und Thailand enger zu verbinden?
Das liegt immer an beiden Seiten. Ich bin genauso offen wie die Deutschen. Aber einer muss den ersten Schritt machen. Egal wie – anfangen muss irgendwer haltalso: starten wir was.
Wo steht Rotary 2030?
Gleiche Antwort: vorwärts. Leben kannst du nur vorwärts. Mach es selbst. Du bist nicht der, der konsumiert, sondern der, der erzeugt. Du bist der Schöpfer, nicht nur der Zuschauer und Konsument.
Deutschland – was fällt dir spontan ein?
Deutscher Wald. Thüringer Bratwurst. Augustiner Klosterbrauerei Andechs.
Welches Deutschlandbild haben die Menschen in Thailand?
Respekt fürs Ingenieurwesen. Gründliche, ordentliche, gute Menschen. Und Bier, irgendwie immer Bier. Es gibt aber auch die andere Seite: Wenn du in Indien oder Südostasien unterwegs bist, hörst du von Einheimischen ab und zu noch „Oh, Deutschland – Hitler, cool“. Daran hat sich nichts geändert. Auch das ist kaum erklärbar.
Was hört man in Thailand über Deutschland in den Nachrichten?
Nichts – außer es ist Drama. Ich lese deutsche Medien und gleiche sie mit internationalen Quellen ab. Erst im Querschnitt entsteht ein Bild.
Gibt es Made in Germany noch?
Das hat mir 2009 auf dem World Furniture Congress in Shanghai ein in Amerika lebender Chinese erklärt: „Wir nehmen europäisches Design, produzieren es in China und verkaufen es in Amerika. Davon hat doch jeder was.“ Made in Germany hat noch Wert in der Raumfahrt, bei Umwelttechnologien, Chemie/Medizin, und im feinen Maschinenbau. Dann hört es aber schon bald auf.
Was ist verloren gegangen?
Unsere deutschen Grundwerte werden oft nicht mehr gelebt. Unser Rückgrat und unsere Aufrichtigkeit. Schon vor 20 Jahren, als ich rausgegangen bin, konnten viele nicht mehr sagen: „Ja, das war mein Fehler.“ Stattdessen wird alles zu Tode diskutiert. Das funktioniert in anderen Kulturen nicht – die haben für das Gesülze keine Geduld.
Hat Deutschland die E-Mobilität verschlafen?
Nein. Das war bewusst so. China hat das alles in Industrie und Wertschöpfungskette bezahlt, der deutsche Staat nur eine nachfrageorientierte Kaufprämie. Das ist der Unterschied.
Die größte wirtschaftliche Herausforderung?
Deregulierung. Als Deutscher gründe ich in den USA innerhalb einer Woche eine Firma, oft inklusive Bankkonto. Allein das ist irre.…und das ist nur der Anfang.
Und im Vergleich?
Amerika ist konsumgetrieben und kapitalistisch. China ist industriell und moderner als alles, was wir in Deutschland kennen. Japan ist stabil, wächst aber nicht – horizontal . Und Thailand hat ein massives Demographieproblem.
Hat der Aufstieg der AfD Deutschlands Ansehen im Ausland verändert?
Nein. Aber die Politik, die den Aufstieg der AfD möglich gemacht hat – die hat es verändert. Einen richtigen Kanzler, also eine Führungspersönlichkeit, die Deutschlandden Weg in eine neue und gute Zukunft aufzeigt, wie wir ihn früher mal hatten, gab es lange nicht mehr.

























