Anne Jacobs auf rotarischer Weltreise

Neun Länder, unzählige Begegnungen und immer wieder Rotary: Anne Jacobs reist durch Asien und Ozeanien und entdeckt, wie Rotarierinnen und Rotarier weltweit leben, denken und sich engagieren. In ihrem Blog nimmt sie uns mit auf ihre Reise
Anne Jacobs
(RC Berlin eGlobal) ist Expertin für Public Relations und Public Affairs. Seit 20 Jahren arbeitet sie an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Medien. Ehrenamtlich engagiert sie sich im DJV Berlin und bei Rotary.

Was bewegt Rotary Clubs in anderen Ländern? Vor welchen Herausforderungen stehen sie und wie blicken ihre Mitglieder auf Deutschland?
Auf ihrer Weltreise besucht Anne Jacobs Rotary Clubs in neun Ländern, von der Türkei über Thailand, Südkorea und Japan bis nach Australien, Neuseeland, Taiwan, China und Indien. Dabei geht es ihr nicht um klassische Sehenswürdigkeiten, sondern um die Menschen, die Rotary vor Ort gestalten, ihre Geschichten und ihr gesellschaftliches Engagement.
In ihrem Reisetagebuch berichtet sie regelmäßig von persönlichen Begegnungen, Gesprächen und überraschenden Perspektiven. Welche Gemeinsamkeiten verbinden Rotarierinnen und Rotarier weltweit? Was unterscheidet die Clubkultur in Istanbul, Seoul oder Sydney? Und was können wir voneinander lernen?
Begleiten Sie Anne Jacobs auf ihrer Reise durch die rotarische Welt.

Bangkok
Man fragt das Orakel, und das Orakel antwortet. Ausführlich.
Station Bangkok meiner Weltreise: Beim Rotary Club Bangkok-DACH habe ich Christoph Hampel getroffen. Er ist gebürtiger Kasseler und man nennt ihn überall „das Orakel“. Seit rund 25 Jahren lebt er in Bangkok, spricht fließend Thai und Japanisch und hat mehr Firmen aufgebaut, als ich Stempel im Pass hatte.
Eigentlich wollte ich nur meinen Interviewleitfaden abarbeiten. Am Ende hatte ich:
- eine Einführung in Unternehmensführung zwischen Jim Collins, Ikigai und dem Lego Movie
- die Erkenntnis, dass eine Firma keine Familie ist, sondern ein Stamm, der gemeinsam jagt und Beeren sammelt
- den vollständigen offiziellen Namen von Bangkok, laut Guinness-Buch der längste Städtename der Welt (ich übe noch)
- einen Crashkurs in Flugzeug- und Schiffs-Tracking in Echtzeit
- ein paar Thesen zu Deutschland, die wir beim nächsten Bier gern weiterdiskutieren
- Seine spontanen Assoziationen zu Deutschland: „Wald. Thüringer Bratwurst. Kloster Andechs.“ Kartoffelsalat bitte nur mit Essig und Öl.
Hinter dem Humor steckt viel Herz. Sein Club finanziert mit der I.Care Foundation Schulbildung im Nordosten Thailands: 6.000 Baht, also rund 160 Euro, für ein ganzes Schuljahr. Außerdem entsteht ein Schlafhaus für Kinder, die sonst bis zu zehn Stunden Schulweg hätten.
Mehr Informationen: www.icarethailand.com
Das ganze Interview über Made in Germany, das Deutschlandbild in Thailand und die Frage, warum man nur vorwärts leben kann, gibt es demnächst HIER.
Istanbul
Offene Türen am Bosporus
Istanbul ist eine Stadt, durch die seit Jahrhunderten alle hindurchziehen: Händler, Reisende, Geschäftsleute. Ich bin völlig beeindruckt von Istanbul: Tolle Stadt, tolles Essen, tolle Menschen. Wahnsinnige Vielfalt und Flexibilität bei allem und eine perfekte Logistik rund um die Uhr.
Ich treffe mich mit Giuseppe Farina vom Rotary Club Istanbul. „Wir sind ein offener Club“, sagt er. „Istanbul ist ein Ort, an den alle kommen, im Urlaub oder geschäftlich.“ Bei jedem Meeting sitzen Gäste mit am Tisch, und die Treffen werden ins Englische übersetzt. Damit ist der Club eine seltene Anlaufstelle für internationale Besucher, was mich sehr beeindruckt.

Giuseppe verkörpert diese Offenheit selbst. Der Italiener kam vor 26 Jahren für Telecom Italia an den Bosporus und ist geblieben. Seit rund 22 Jahren ist er Rotarier, leitet das Komitee für internationale Beziehungen und wird 2028 Präsident seines Clubs. Seine Wahlheimat beschreibt er mit zwei Worten: „Überraschung und Flexibilität.“ Das Land überrasche ihn jeden Tag, sagt er, und es erhebe sich aus jeder Krise wie der Phönix aus der Asche.
Wohin will Rotary?

Der Club ist umtriebig und hat rund zwanzig laufende Vorhaben, die meisten im eigenen Land, mit einem klaren Schwerpunkt auf Bildung. Die Zukunftsfrage stellt man sich hier oft, sagt Giuseppe. „In einer Welt von KI und sozialen Medien ist es schwer zu wachsen oder auch nur zu halten, was man hat.“ Seine Antwort: Rotary muss flexibler werden, besser verstehen, was junge Menschen und die mittlere Generation brauchen, und sich noch entschiedener auf den Dienst konzentrieren. „Einem Erdbebenopfer zu helfen, ist weder links noch rechts.“
Ein Interviews mit Guiseppe Farina lesen SieHIER.
Für ihn ist das mehr als ein Slogan. Die Gesellschaft sei fragmentiert, die Menschen könnten immer weniger miteinander reden. Eine Gemeinschaft, die nicht über Politik streitet, sondern gemeinsam hilft, sei deshalb wertvoll. Neue Mitglieder gewinne man nur mit einer Führung, die den Club auf dieses Ziel ausrichtet. Dann fällt ein Satz, der mich seither begleitet: „Wir gehen nicht zu Rotary, um uns selbst zu bestätigen. Wir gehen hin, weil der Mensch Gemeinschaft braucht. Die Griechen hatten die Agora. Frei sind wir nur, wenn wir unsere Ideen austauschen können.“

Und Deutschland?
Deutschland ist hier kein fernes Land, sondern ein Partner. Mit dem Partnerclub in Stuttgart verbindet die Istanbuler eine enge Freundschaft. Jedes Jahr reisen beide Clubs gemeinsam, mal in die Türkei, mal nach Deutschland oder Österreich. Nach dem Erdbeben, erzählt Giuseppe, hätten die Stuttgarter Freunde enorm geholfen.
Der Blick reicht auch nach Berlin. Der Club möchte seinen weltweiten Friedenswettbewerb für junge Menschen mit Berliner Clubs teilen, und er kann sich vorstellen, die große türkische Community in Berlin einzubinden.
Von Istanbul geht es weiter nach Bangkok.





















