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KI-Revolution und Geldanlage

von Anne Jacobs | 
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Robotermiete statt Sparbuch: Seouler Finanzexperte skizziert Geldanlage im KI-Zeitalter

Koreas Chip-Riesen verdienen Billionen – doch die Anleger zögern. Warum ein Vermögensberater trotzdem auf Halbleiter, Energiespeicher und 5-Prozent-Anleihen setzt, erfuhr Anne Jacobs vom RC Berlin eGlobal.

In 30 Minuten von der Zinswende über Samsung bis zu Elon Musks Vision einer Welt ohne Geld: Beim Meeting des Seoul Rotary Clubs im Seoul Royal Hotel hat Wan-jun Kim, Direktor des Jamsil Financial Center und Master Private Banker bei Samsung Securities, Mitte Oktober 2026 unter dem Titel „Investment Insights for the Age of AI Revolution“ seine Anlagestrategie für die KI-Revolution vorgestellt. Seine Kernbotschaft: Die Sorge um das Ende des Chip-Booms ist verfrüht. Wer investiert, sollte aber höchstens 30 bis 40 Prozent des Vermögens in Aktien halten – und die bevorzugt über ETFs.

Kernaussagen

US-Konjunktur trägt die Hochzinsphase. Laut Kim steigen die Zinsen nicht wegen einer Krise, sondern wegen eines Booms. Die Hyperscaler wie Amazon und Google leihen sich Geld zu 6 bis 8 Prozent, um Rechenzentren zu bauen. Der seit März andauernde Iran-Krieg hat den Ölpreis zeitweise über 100 Dollar getrieben. Endet der Konflikt nach den US-Zwischenwahlen am 3. November, erwartet der Referent sinkende Inflation, fallende Zinsen und ein starkes Börsenjahr 2027.

Koreas Chip-Riesen: Rekordgewinne, zögernde Anleger. Samsung Electronics und SK Hynix verdienen nach seinen Worten inzwischen Billionen Won pro Quartal. Trotzdem fürchte der Markt, die HBM-Margen von über 80 Prozent seien nicht zu halten. Kim hält dagegen: Ab 2028 kommen humanoide Roboter, Festkörperbatterien und KI auf dem Smartphone in die Massenproduktion – und mit ihnen ein neuer Bedarf an Speicherchips. „Wir hatten Chancen bei 100.000, 200.000, 300.000 Won und haben sie verpasst“, sagte er mit Blick auf zögernde Kleinanleger.

Die Engpässe sind die Chance. Rechenzentren brauchen Strom, Kühlung und schnelle Glasfaserverbindungen. Während Kühl- und Glasfasertechnik aufholen, bleibt die Stromversorgung der Flaschenhals. Profitieren könnten laut Referent koreanische Anbieter von Halbleiter-Zulieferteilen, Energietechnik, Turbinen und Energiespeichern.

Anleihen als entspannte Alternative: Bei Renditen von rund 5 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen verwies Kim auf koreanische und US-Anleihen mit 5 bis 8 Prozent sowie kapitalgeschützte strukturierte Produkte. „Wenn wir die Gier ein wenig zurückschrauben, gibt es sehr viele Möglichkeiten, ganz entspannt zu investieren.“

Vision: Roboter, die Miete zahlen

Für den Blick nach vorn griff Kim auf Elon Musks Vorhersage zurück: das wohlhabendste Zeitalter seit Jahrtausenden, in dem Roboter rund um die Uhr produzieren und Energie das heutige Geld ablöst. Seine persönliche Konsequenz daraus ist ein Gedankenspiel: zehn humanoide Roboter zu je rund 50 Millionen Won kaufen, sie an Fabriken, Hotels und Haushalte vermieten und mit Solarstrom vom eigenen Acker an der Energiewirtschaft teilhaben. Sein 21-jähriger Sohn, ein ehemaliger Profi-Gamer, setzt dagegen auf Wettkämpfe zwischen Mensch und Maschine und macht derzeit den Drohnenführerschein.

In der Fragerunde ging es darum, ob Privatanleger eher auf KI-Infrastruktur oder auf KI-Anwender setzen sollten. Kim empfahl als ruhigere Variante anleiheähnliche Produkte, die große Rechenzentrumsprojekte wie in Solaseado (Provinz Jeollanam-do) finanzieren. Er erwartet dort Renditen von über 10 Prozent, allerdings ohne Gewähr. Und Anlage-Algorithmen? Die seien bei starken Kursschwankungen dank konsequenter Stop-Loss-Regeln besser als Menschen, in klaren Aufwärtsphasen aber schlechter.


Über den Referenten

Wan-jun Kim ist Direktor des Jamsil Financial Center von Samsung Securities in Seoul und seit 2019 Master PB (Private Banker). Er berät vermögende Privatkunden und Family Offices. Kim studierte Wirtschaftswissenschaften an der Sungkyunkwan University und absolvierte ein HR-Programm an der Universität von San Diego. 2018 zählte ihn die Wirtschaftszeitung Maeil Business (Maekyung) zu den Top 14 Vermögensberatern Koreas. Er startete im Dezember 1998, mitten in der Asienkrise, ins Berufsleben.

 

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