Rotary AktuellPorträt
von Verena Hahn-Oberthaler |
| Lesezeit: 3 Minuten

Die eigene Art, die Zeit zu messen

Auf dem umkämpften Uhrenmarkt, der von Schweizer und deutschen Traditionsmarken dominiert wird, mischt Michael Albert Meyer seit einem Jahrzehnt mit. Er hat sich einen Traum erfüllt und mit M.A. Meyer & Söhne Zeitgeneration seine eigene Uhrenmarke auf den Markt gebracht

Ich bin mit meinem Unternehmen gestartet, als der an renommierten Anbietern gesättigte Markt für Luxusuhren in Europa auf dem Höhepunkt war. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs erlebt der Markt eine deutliche Abschwächung, vor allem Österreich als Drehscheibe in den Osten bekommt dies zu spüren“, so Michael Albert Meyer über die Entwicklung seiner Branche in den vergangenen Jahren. Sein Atelier verlassen pro Jahr rund 50 Uhren, allesamt Unikate und mit höchstem Können und Anspruch gefertigt. Jede Uhr besteht aus rund 120 Teilen und ist zwischen 4500 und 10.000 Euro angesiedelt. „Da bin ich preislich in einer Nische, die derzeit ganz gut funktioniert. Am besten verkaufen sich aber seit Langem echte Luxusuhren auch jenseits von 50.000 Euro. Der Markt für niedrigpreisige Uhren dagegen ist seit Längerem rückläufig“, so Meyer.

Leidenschaft für Uhren in den Genen

Michael Meyers Interesse an Uhren hat ihm sein Großvater nähergebracht, der selbst Uhrensammler war. Die Großmutter war die Unternehmerin in der Familie. Da lag es nahe, dass er die Ausbildung zum Uhrmacher in der Uhrmacherschule in Karlstein absolvierte, wo der Grundstein für die Liebe zum Handwerk gelegt wurde. Nach acht Jahren beim Luxusuhrenhersteller IWC in Schaffhausen, wo Meyer im Prototypenbau tätig war und als Spezialist für ewige Kalendarien galt, ging er nach Salzburg, um weitere elf Jahre als Uhrenspezialist bei einem alteingesessenen Juwelier zu arbeiten. In dieser Zeit kommt er mit weiteren Marken wie Patek Philippe in Berührung, vermisst aber mehr und mehr das Handwerk und auch seine Heimat, das Waldviertel. 2015 entschließt sich die Familie, wieder nach Weitra zu ziehen und dort eine eigene Uhrenmanufaktur aufzubauen. Grundtext

Jede Uhr besteht aus rund 120 Teilen und ist zwischen 4500 und 10.000 Euro angesiedelt

 

In Karlstein schließt sich ein Kreis

Als fixes Standbein erweist sich die Rolle als Lehrender an der Uhrmacherschule Karlstein, wo er etwa 20 Jahre nach seinem eigenen Abschluss zurückkehrt und sich ein persönlicher Kreis zu schließen beginnt. Parallel plant Meyer bereits seine Selbstständigkeit und arbeitet unermüdlich an seiner eigenen Uhrenmarke. „Eine Hürde in der ersten Zeit war sicher, Lieferanten zu finden, die mich mit den nötigen Teilen und Komponenten beliefern. Hier haben mir meine Kontakte in die Branche und auch mein Ruf geholfen, den ich mir bei IWC und auch im Kontakt mit Patek Philippe über die Jahre erworben habe. Auch finanziell war es ein Wagnis, und ich hätte mir damals nicht zu träumen gewagt, dass ich heute als Independent-Marke auf Augenhöhe mit den großen Schweizer Uhrenmarken bin“, so Meyer stolz.

Auch abseits seiner Profession als Hersteller von hochwertigen Zeitmessern ist Meyer das Thema Zeit wichtig. Schon immer begreift der leidenschaftliche Familienmensch Zeit als ein Geschenk und eine wertvolle Ressource, die es gut zu nutzen gilt. Ob für Aktivitäten mit der Familie, Sport und Natur oder eben für die Arbeit im Atelier an seinen hochwertigen Uhren. Und einen Teil seiner Zeit widmet er auch Rotary. Seit 2018 ist Meyer im Rotary Club Weitra verankert, dessen Präsident er bereits drei Jahre nach seinem Eintritt war. Leuchtturmprojekt des Clubs ist bestimmt das alljährlich im August stattfindende Entenrennen, das mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher zählt und weite Kreise im Waldviertel zieht.

ZUR PERSON: Michael Albert Meyer (RC Weitra)

Nach dem Abschluss der Uhrmacherschule in Karlstein geht Michael Albert Meyer in die Schweiz zur Luxusuhrenmanufaktur IWC Schaffhausen. Nach mehr als einem Jahrzehnt bei einem Salzburger Juwelier zieht es ihn zurück ins Waldviertel, wo er seit 2018 seine eigenen Uhren baut. Mit seiner Frau Regina hat er drei Kinder.

zeitgeneration.at
Verena Hahn-Oberthaler

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