Im Namen des Volkes

Im Jahr 2026 steht die liberale Demokratie vor ihrem alten Paradox: Darf sie jene tolerieren, die ihre eigene Abschaffung betreiben?
Aus der Erfahrung der Weimarer Republik hat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland die „wehrhafte Demokratie“ geboren – ein Freiheitsversprechen mit eingebauter Selbstverteidigung. Doch wer Parteien wie die Alternative für Deutschland verbieten will, riskiert, das demokratische Spielfeld selbst zu verengen, um es zu retten. Zwischen politischer Hygiene und autoritärem Reflex verläuft eine dünne Linie, auf der Moral und Macht unruhig balancieren. Die eigentliche Frage lautet daher nicht nur, wie man die Demokratie schützt, sondern wie viel Risiko sie aushalten muss, um demokratisch zu bleiben. Mit dem Spannungsfeld zwischen Liberalismus und Demokratie beschäftigt sich die Titelgeschichte dieser Ausgabe, zu deren Auftakt der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel fragt: Wie demokratisch ist die wehrhafte Demokratie? Seinen Beitrag lesen Sie ab Seite 34.
Überall in Europa sind die Kritiker des Liberalismus auf dem Vormarsch. Sie stellen die Annahme infrage, dass Liberalismus und Demokratie Hand in Hand gehen müssen. So sagte etwa Ungarns Regierungschef Viktor Orbán vor acht Jahren: „Es gibt eine Alternative zur liberalen Demokratie. Sie heißt Christdemokratie.“ Der britische Mitteleuropahistoriker Martyn Rady schreibt: „Wir können angesichts des Aufstiegs der Populisten Grimassen schneiden und beklagen, dass sie viele der Institutionen zerstört haben, auf denen der liberale Staat beruht. Aber sie wären nicht dort, wo sie sind – an der Regierung in Ungarn und der Slowakei und wahrscheinlich bald wieder an der Macht in Polen und Slowenien –, wenn sie nicht auf einer tiefen Ressentimentsquelle aufbauen könnten.“ Seinen Gastbeitrag lesen Sie ab Seite 38.
Die Angst vor dem Volk ist die Angst vor der AfD, in Österreich vor der FPÖ. Gertrude Lübbe-Wolff, ehemalige Richterin am Bundesverfassungsgericht, und der österreichische Verfassungsjurist Peter Bußjäger haben sich mit der Demophobie in Deutschland und Österreich beschäftigt und sind der Frage nachgegangen, ob beiden Ländern mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild guttäte. Ihre spannenden Beiträge lesen Sie auf den Seiten 41 und 44.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, wie laufen eigentlich Ihre Clubmeetings ab? Jede Woche Schema F mit rotarischem Suppe-löffeln im schwarzeichegetäfelten Hinterzimmer, dann ein Vortrag und ab nach Hause? Oder bringen Sie gelegentlich etwas Schwung und Abwechslung ins Clubleben? Wie das gelingen kann, zeigen meine Kollegen Insa Fölster und Florian Quanz exemplarisch an sieben deutschen und österreichischen Rotary Clubs, die mit inspirierenden und überraschenden Meetingformaten ihren Cluballtag durchlüften. Wer gemeinsam in der Kneipe quizzt, auf der Spree paddelt und im Mondschein mit Fackeln zur Wanderung aufbricht, lesen Sie in unserem „Fokus“ ab Seite 14.
Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht
Björn Lange
Chefredakteur




















