Druckabfall

Eine Geschichte von David Hevicke (RC Hümmling zu Sögel)
Freund Scriptorius war noch jung im Club und fühlte sich demnach geehrt, als er vom President elect gefragt wurde, ob er denn das Amt des Sekretärs übernehmen wolle. Auf Nachfrage, wie man denn genau auf ihn gekommen sei, wurde ihm in blumigen Worten seine Per-se-Fachkompetenz als EDV-Nerd ausgebreitet, die er ja immer beim Anschluss des Beamers im Clublokal unter Beweis stelle. Er sei also genau der Richtige für die digitalen rotarischen Systeme. Trotz eines mulmigen Gefühls sagte Scriptorius zu, er betrachtete sich schließlich als Ehrenmann, der solche Bitten nicht abschlägt.
Schon kurz nach der Ämterbekanntgabe wurde er von seinen Vorgängern vor Freund Klein gewarnt, dem hoch respektierten „rotarischen Lektorat“ des Clubs. Dieser hätte die Angewohnheit, gerne auch mal elektronische Protokolle bei Nichtgefallen hinsichtlich Grammatik und Rechtschreibung korrigiert zurückgehen zu lassen – und zwar in Papierform! Freund Klein war nämlich früher ein Großer in der zelluloseverarbeitenden Industrie gewesen und hatte sich seine Liebe zu Papier auch im Ruhestand bewahrt. Und so kam es auch kurz nach Amtsantritt, dass die ersten kritischen Anmerkungen – ab und zu aber auch mal ein Lob – seitens Freund Kleins den Jungsekretär erreichten.
Richtig ins Schwitzen kam der aber, als Freund Klein die Zustellung eines gänzlich inhaltslosen Protokolls monierte: Er habe nur sieben völlig leere Seiten erhalten. Da sich kein anderer Freund mit ähnlichen Problemen gemeldet hatte, konsultierte Scriptorius letztendlich dubiose Fachexperten in Fernost zu möglichen inhaltlichen Datenverlusten bei PDF-Mailversand. Weitere drei Zustellungen per Mail an Freund Klein führten zum selben Ergebnis. Als er schon fast mit einem Ausdruck auf dem Weg zu Freund Klein war, meldete sich dieser etwas kleinlaut – per Mail. Er drucke sich immer die Protokolle direkt aus der Mail aus, und seine Frau habe ihn eben darauf aufmerksam gemacht, dass die Tintenpatrone leer sei.
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