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Ein Leben im Rausch

von Johann Michael Möller | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Zwischen den Bühnen von Berlin und Wien entfaltet sich das schillernde Dasein der Eleonora von Mendelssohn – durchzogen von Kunst, Exil, Liebe und den Bruchlinien eines Jahrhunderts. Ein Interview mit Autor Hubert Nowak

n nur wenigen Lebensschicksalen spiegelt sich deutsche und österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eine so faszinierende Weise wie in dem der Schauspieldiva Eleonora von Mendelssohn. In Berlin schaut man auf diese ungewöhnliche Biografie in Kenntnis der berühmten Bankiersfamilie. Wie unterscheidet sich der Blick aus Wien?

Da kommt sicher mehr Max Reinhardt in den Fokus, die zweite Hauptfigur, und als ihre große Liebe auch das verbindende Element. Reinhardt hatte in Berlin ein wahres Theaterimperium, war berühmt, aber in Wien hat Eleonora unter Reinhardt debütiert und mehrfach hier gespielt, auch in Salzburg. Aus dem theaterverrückten Wien ist der Blick vielleicht nicht so sehr auf das Geld der Mendelssohns für Reinhardt gerichtet, dafür mehr auf Eleonoras künstlerische Entwicklung. Als sie bekannt wurde, war sie dank Eheschließung Österreicherin, gewohnt hat sie damals in ihrem Schloss Kammer am Attersee.

Was war Ihr schriftstellerischer Zugang zu dieser in ihrer Zeit gefeierten Künstlerin, die im Zusammenhang mit vielen berühmten Namen genannt wird, aber doch ein wenig im Schatten ganz großer Diven wie Marlene Dietrich stand?

Ihr Leben war symptomatisch für viele Künstler ihrer Zeit. Die meisten haben die Gefahr der Nazis zu lange unterschätzt. An ihrem Leben konnte ich Politik, kulturelles Leben und Religionsverständnis beschreiben, die Dramatik von zwei Weltkriegen und Höhenflügen mit ungeheurem Lebenshunger. Darin hat sie sich von ihrer Freundin Marlene Dietrich ja gar nicht unterschieden.

Was ist für Sie das herausstechende Merkmal Eleonoras, als Frau und als Künstlerin?

Als Künstlerin hat sie eine faszinierende Entwicklung durchgemacht, von ihrem fast naiven Brennen für das Theater und für Reinhardt von Jugend an bis zur Reife in großen Rollen in ganz Europa, etwa als Maria Stuart, und dann auch am Broadway. Privat war sie liebeshungrig und doch immer unglücklich, mit vier gescheiterten Ehen und vielen Liebschaften, fast immer zu wesentlich älteren Männern wie Arturo Toscanini oder eben Max Reinhardt, von dem sie sogar schwanger war, was er aber wegen ihrer geheimen Abtreibung sein ganzes Leben nie erfahren hat.

Hubert Nowak: Eleonora

Roman, Braumüller Verlag, 512 Seiten, 28 Euro

Foto: PR

Warum haben Sie ihr Leben in einem Roman beschrieben und nicht in einem biografischen Sachbuch?

Weil man das Schillern dieses Lebens, die Emotionen, die Schicksalsschläge und nicht zuletzt die Entwurzelung als Emigrantin in einem Roman viel besser darstellen kann. Trotzdem orientiert sich das Buch zu mehr als 80 Prozent an den historischen Fakten.

Ihre Darstellung dieser Frau nimmt den Leser sehr schnell gefangen. Können Sie etwas über das Publikumsecho auf Ihr Buch sagen?

Das Feedback, das ich bekommen habe, war ausschließlich positiv. Vielleicht melden sich Kritiker nicht. Aber das Echo in den Medien und von Lesern bisher war von großem Interesse daran getragen, dass man von dieser geheimen Geliebten Max Reinhardts bisher kaum etwas wusste. Das fasziniert offenbar.

Liest man das Buch in Berlin anders als in Wien?

Das glaube ich nicht. Man kennt ja den Namen Mendelssohn auch in Österreich, und Reinhardt hat in Berlin lange sehr prominent gewirkt wie danach in Österreich, insbesondere in Salzburg.

Zu der bedeutenden Familie Mendelssohn zählen viele Namen, die nicht eigens eine Begründung brauchen, warum man sich heute noch mit ihnen beschäftigen soll. Warum soll sich der Leser aber für eine in letzter Konsequenz gescheiterte Lebefrau interessieren? Was verkörpert sie, das über ein tragisches, gleichwohl atemberaubendes Frauenschicksal hinausgeht? Was macht sie so besonders?

Sie hat sozusagen mehr als nur ein Leben gelebt. In der Zeit von ihrem Geburtsjahr 1900 bis zum angeblichen Selbstmord 1951 in New York war alles enthalten, Euphorie und Chaos, Glamour und Krieg, Lebenshunger und Drogen. Eleonora hat all die schicksalhaften Ereignisse eines halben Jahrhunderts durchgemacht und trotzdem oft zu glänzen verstanden.

Das Gespräch führte Johann Michael Möller.

Johann Michael Möller

RC Berlin-Brandenburger Tor, ist Publizist und Herausgeber des Rotary Magazins. Unseren Autor erreichen Sie unter

Foto: privat

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