Entenrennen-Elegie

Eine Geschichte von Carsten Mayer (RC Büdingen)
Jedes Jahr im Juni veranstaltet der Rotary Club Büdingen ein Entenrennen. Die Erlöse kommen wohltätigen Zwecken zugute. Dieses Jahr erhob das Ordnungsamt Bedenken gegen das mit der Polizei erarbeitete Sicherheitskonzept. Alle Hoffnungen ruhten jetzt auf einem klärenden Gespräch mit den Vertretern des Ordnungsamts.
Das Ordnungsamt kam gleich zur Sache. „Es reicht nicht, nur den Autoverkehr zu regeln. Sie brauchen ein umfassendes Sicherheitskonzept. Wir haben Ihnen als Orientierungshilfe den Leitfaden des Innenministeriums zugesandt.“ – „Der für Großveranstal-tungen gilt“, wandten die Rotarier ein. „Der auch auf kleinere Veranstaltungen bei entsprechender Gefährdungslage angewandt werden kann“, entgegnete das Ordnungsamt. Es legte einen überquellenden Ordner auf den Tisch. „Das ist das Sicherheitskonzept des Karnevalsvereins für den Faschingsumzug. Da steht alles zu jeder relevanten Gefahr drin. Lobenswert!“ – „Was wären denn die relevanten Gefahren beim Entenrennen?“, fragten die Rotarier. „Sie müssen einen Fluchtwegplan zum Schutz der Zuschauer aufstellen“, sagte das Ordnungsamt bestimmend. „Wozu?“, fragten die Rotarier, „das Rennen findet unter freiem Himmel statt.“ – „Es könnte ja sein, dass beim Chinesen der Herd explodiert“, sagte das Ordnungsamt mit bedeutungsschwerer Stimme. Einige Rotarier dachten an ihren letzten Besuch in besagtem Restaurant am Bachufer und fragten sich, ob sie angesichts dieser ungeahnten Gefahren dort jemals wieder ihre Leibspeise, Pekingente, würden genießen können. Was sollte nun aus dem Entenrennen werden?
Vor dem Eingang der Stadtverwaltung wurden Tische und Bänke für die Betriebsfeier aufgebaut. An bester Stelle stand ein riesiger Stehtisch. Als einziger Tisch war er geschmückt, und ein Klappschild stand darauf: „Reserviert für Ordnungsamt“. Niedergeschlagen betrachteten die Rotarier dieses Symbol der Macht, und einer von ihnen fasste mit einem bekannten Zitat das Ergebnis zusammen: „Die Ente bleibt draußen.“
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