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"Wir sind die Archäologen der Weinaromen"

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Beim Onlineseminar des Rotary Magazins ging es diesmal um uralte Rebsorten, Weingeschichte – und natürlich um den guten Geschmack.

Vor ein paar Tagen fand ein weiteres Weinseminar des Rotary Magazins statt, dieses Mal mit Ulrich Martin, Winzer und Inhaber der Rebschule Martin, zum Thema historische Rebsorten. Während seines spannenden Vortrags führte Martin in sein Spezialgebiet ein, die Rekultivierung autochthoner Rebsorten: "Wir sind die Archäologen der Weinaromen." Derzeit baut Martin etwa zehn weiße und zehn rote historische Rebsorten in seinen Weinbergen an.

An seiner Seite arbeitet der Ampelograf ("Rebsortenkundler") Andreas Jung. In einem Forschungsprojekt hatte dieser 300 als ausgestorben eingestufte Rebsorten entdeckt, historisch aufgearbeitet und Ulrich Martin zur Vermehrung übergeben. Dank beider Zusammenarbeit sind nun Weine von fast ausgestorbenen Ursorten entstanden, die in ihrer jahrtausendalten Geschichte erstmals wieder sortenrein ausgebaut werden. Was Seminarteilnehmern der Online-Weinprobe zugute kam: "Sie sind mit mir die ersten, die unseren Gelben Kleinberger sortenrein am Gaumen haben", freute sich der Referent und prostete seinem überraschten Publikum auf den heimischen Monitoren zu.

Bei der Gelegenheit räumte er auch gleich mit der gängigen Vorstellung auf, die Römer hätten den Wein nach Mitteleuropa gebracht. Tatsächlich wurden Weinreben hierzulande schon Tausende Jahre vorher angebaut, allerdings nur für den eigenen Gebrauch. Aber: Die Römer brachten Amphoren für größere Transporte mit und forcierten den Städtebau, was den Weinbauern ermöglichte, über Subsistenzwirtschaft hinaus tätig zu werden. "Nach neuesten Erkenntnissen kamen die ersten Reben vor 10.000 Jahren aus China in den Kaukasus, bevor sie vor 8000 Jahren von dort über ausgetrocknete Flusstäler den Weg zu uns in den Westen fanden."

Ulrich Martin stellte insgesamt sechs historische Weine vor, beantwortete zahlreiche Fragen aus dem Publikum und betonte: "Aufgrund des Klimawandels müssen wir sehr auf unsere Rebsorten aufpassen und ihre Biodiversität fördern. Historische Weine leisten dazu einen wichtigen Beitrag."

Mehr Informationen: Rebschule Martin

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