https://rotary.de/panorama/das-lastenfahrrad-a-19620.html
Neues vom RC Bröckedde - Folge 187

Das Lastenfahrrad

Neues vom RC Bröckedde - Folge 187 - Das Lastenfahrrad
© Marcus Schäfer/pengfingerstudio.tumblr.com

Bröckedde liegt im Herzen Deutschlands – dort, wo Rhein und Donau in den schönen Bröckeddesee münden. Hier trifft sich im Bröckedder Hof der RC Bröckedde zum Meeting – jeden Mittwoch um 13 Uhr im Salon Hindenburg.

Alexander Hoffmann01.03.2022

In meiner aktiven Zeit kamen die meisten Freunde noch  mit Chauffeur  zum  Meeting“, erinnerte sich eines Tages Ehrenpräsident Papke wehmütig  in kleiner Runde. Doch diese glanzvolle Zeit des rotarischen Vorfahrens war Geschichte. Auch im RC Bröckedde wehte neuerdings ein anderer Wind. Im Zeichen der Klimakrise wurde im Club immer kritischer beäugt, wer mit welchem Verkehrsmittel zum Meeting fuhr.

Freund Warrenstein  hatte schweren  Herzens Abschied von seinem Porsche 911 genommen. Früher hatte er den Boliden gerne als sehr praktisch gerühmt: „In den Neunhundertelfer passen eine schöne Frau und zwei  Kreditkarten. Reicht  völlig.“ Nun mussten die schönen Frauen und die Kreditkarten in einem elektrischen  Fiat 500 unterkommen. Graf Wolkenklau-Oderbruch, der früher mit dem Hummer-Jeep (30 Liter auf  100  Kilometer)  herandonnerte, erschien nun per Pferd aus dem gräflichen Gestüt.

Die Durchschnittsrotarier behalfen sich mit dem Bus, denn die Bröckedder U-Bahn befand sich noch im Planungsstadium. Andere nutzten Fahrräder, vom schlichten Hollandrad bis zum Edeltreter mit 33 Gängen.

Freundin Mondauge kam mit einem E-Bike, allerdings einer Sonderedition, gestylt von einem Pariser Designer,  denn  ein wenig Distinktion musste schon sein.  

Sie staunte nicht schlecht, als eines Tages der betagte Ehrenpräsident ebenfalls auf einem E-Bike an ihr vorbeirauschte, allerdings mit Stützrädern. Besonders motiviert wurden  die  Freundinnen  und  Freunde durch einen von Präsident Pröpke ausgelobten Wettbewerb. Wer den kleinsten CO₂-Fußabdruck auf dem Weg zum Meeting  hinterließ, sollte mit einem doppelten Paul Harris Fellow und einer Würdigung in der örtlichen Presse ausgezeichnet werden.

Begründete Hoffnung auf den Preis machte sich eine vierköpfige Gruppe von Jungrotariern. Sie kamen gemeinsam in einem Lastenfahrrad vom Typ „Long John“.

Der Kräftigste lenkte und trat in die Pedale,  die drei anderen kauerten in der Lastenbox. Der „Long John“ galt als heißer Favorit auf den 1. Preis.

Den aber holte sich Freund Dotterstein. Seinen Mercedes-AMG  (700  PS,  Formel-1-Bremsen)  hatte  er  seinem Fitnesstrainer verkauft und sich eine Wohnung  im Stockwerk über dem Bröckedder Hof genommen. Und so  öffnete  Dotterstein  jeden  Mittwoch um 12.59 Uhr seine Tür, schritt eine Treppe herunter und war ebenso entspannt wie pünktlich um 13 Uhr zum  Meeting  im Salon Hindenburg. Das Ganze verlief ziemlich CO₂-frei, abgesehen  von  den 40 Millilitern  CO₂,  die pro Liter  Dottersteinscher Atemluft in die Atmosphäre gelangten.

Alexander Hoffmann
Alexander Hoffmann (RC Frankfurt/Main-Römer) ist korrespondierendes Mitglied des RC Bröckedde. Nach langen Jahren als politischer Redakteur bei namhaften Tageszeitungen (zuletzt "Süddeutsche Zeitung") ist Hoffmann heute als Unternehmensberater tätig. Daneben zahlreiche Sachbuchveröffentlichungen zu den Themen Zeitgeschichte und Medizin sowie satirische Beiträge für den Rundfunk. Dem satirischen Düsseldorf-Roman "Der Wolkenschieber" folgten 2019 der Krimi "Hopfen, Malz & Blut" und 2020 der Krimi "Phantom im Wiehengebirge". 2021 erschienen der Krimi "Bommfördes Erbe" und der Roman "Brillanter Abgang". 2022 folgte der Wirtschaftskrimi "Mainopoly". 2023 erschienen der Krimi "Tödliche Eisernte" und die Katzennovelle "Der Chef bin ich".
Copyright: privat www.hoffmannschreibt.de