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Wiesbaden/Mainz

25. Oststipendium

Wiesbaden/Mainz - 25. Oststipendium
„Kümmerer“ Peter Enderle mit der derzeitigen Masterstudentin Maria Panchenko aus St. Petersburg beim Formularkrieg. © Maria Panchenko

Die Rotary Clubs Wiesbaden und Wiesbaden-Rheingau vergeben seit 20 Jahren Stipendien an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Christian Kaiser14.02.2019

„Mein Studienaufenthalt in Mainz war mein erster Auslandsaufenthalt überhaupt. Hier kam mir alles anders vor als in meiner Heimat Aserbaidschan: Schnell habe ich das studentische Leben geschätzt und wahrgenommen, dass das Studium der Medizin mehr ist als 'fürs Examen büffeln' - und alle Lebensbereiche berührt.

Dank des Rotary-Stipendiums konnte ich während meiner Famulatur unter Leitung von Professor Karl-Heinrich Link (RC Wiesbaden, DG in D1820) erste praktische Fertigkeiten in der Chirurgie erwerben. Eine große Hilfe war auch Herr Enderle, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand.“

Soweit Sakhavat Jafarov, der im Spätsommer 2007 als Stipendiat auf Einladung Wiesbadener Rotarier zum Studium nach Deutschland kam.

Seit rund 20 Jahren vergeben der Rotary Club Wiesbaden und der Rotary Club Wiesbaden-Rheingau Stipendien für ausländische Studierende an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Peter Enderle (RC Wiesbaden) rief diese Initiative ins Leben und wurde von Hans Lautz (RC Wiesbaden-Rheingau) in den letzten Jahren unterstützt.

Aus Anlass der Vergabe des 25. Stipendiums gab nun der Initiator und „Kümmerer“ Peter Enderle ein Presseinterview:

Wie entstand die Idee zum Stipendium?

Ende der 90er Jahre wandte sich Eduard Wollitz, selbst Mitglied im RC Wiesbaden-Rheingau und Professor an der Musikhochschule Mainz, an uns. Er hatte in Armenien eine junge Frau getroffen, die dort Germanistik studierte und gern zu einem Gastaufenthalt an die JGU kommen wollte. Sie hatte bei einem Erdbeben beide Beine verloren, das erschwerte sie Sache. Wir schauten, dass wir das Geld für ein Stipendium zusammenbekamen, und am Ende machte sie sogar ihren Bachelor in Mainz.

Daraus entstand der Gedanke, regelmäßig ein Stipendium zu vergeben.

Es war die Zeit nach der Wende, der Eiserne Vorhang war gefallen. Studierende aus dem Westen hatten schon lange Gelegenheit, andere Länder zu besuchen. Doch junge Menschen aus dem Osten waren bisher isoliert. Wir wollten den Austausch zwischen Ost und West mit einer Art Ost-Stipendium fördern. So kamen in den letzten 20 Jahren 25 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Russland und der Ukraine, aus Aserbaidschan und Bosnien, aus insgesamt zwölf verschiedenen Ländern nach Mainz. Sie blieben meist für ein Jahr, um vor allem Germanistik, aber auch Fächer wie Jura, Medizin oder Translationswissenschaft zu studieren.

Wie entstand die enge Zusammenarbeit mit der JGU?

Nach einiger Zeit kam der damalige Leiter der Abteilung Internationales auf uns zu. Er regte an, unser Geld über die JGU an die Stipendiatinnen und Stipendiaten auszuzahlen. Das gäbe ihm die Möglichkeit, über einen Matching Fund des Deutschen Akademischen Austauschdienstes noch mal dieselbe Summe zu bekommen. Wir hatten bisher je ein Jahresstipendium in Höhe von 8000 Euro gestiftet, nun bekamen wir noch eines hinzu. Das war großartig.

Was zeichnet Ihr Stipendium aus?

Wir legen Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Studierenden. Dafür habe ich im Lauf der Jahre ein Netzwerk geschaffen. Wir schauen genau auf die jungen Leute, denn mitunter haben wir echte Rohdiamanten darunter. Ihnen ermöglichen wir mitunter einen längeren Aufenthalt und einen Master-Abschluss an der JGU. Außerdem sorgen wir dafür, dass sie nicht nur unser Universitätsleben sondern auch die deutsche Arbeitswelt erleben, indem wir Praktika vermitteln. Wir geben nicht einfach Geld, wir betreuen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten intensiv. Wir laden sie zu Konzerten und ins Theater, zu Vorträgen und Ausflügen ein. Oft entwickelt sich ein sehr persönliches Verhältnis.

Wir Rotarier sehen es als unsere Aufgabe, die internationale Verständigung zu stärken. Wer könnte ein besserer Botschafter sein als jemand, der ein Jahr bei uns studiert und unser Land kennen gelernt hat!

Soweit Peter Enderle im Presseinterview.

Der 2007 entdeckte „Rohdiamant“ Sakhavat Jafarov blickt inzwischen auf eine „lupenreine“ berufliche Karriere zurück: Nach Abschluss seines Studiums in Aserbaidschan kam er bereits 2009 für ein Forschungsprojekt zurück nach Deutschland. Es folgte die Facharztausbildung für Viszeralchirurgie am Uniklinikum Düsseldorf; gleichzeitig fertigte er unter wissenschaftlicher Betreuung von Prof. Karl-Heinrich Link seine Promotionsarbeit an – beides mit Abschluss 2017.