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Distrikt

Die Mittel zum Zweck

Distrikt - Die Mittel zum Zweck
Die P’dorf Gourmet Classic: 90 alte Autos fuhren für den guten Zweck. © Hubert Nowak (2)

Der Zweck von Rotary ist klar. Um die Schwachen unterstützen und der Gesellschaft dienen zu können, braucht es aber auch Kreativität.

Hubert Nowak01.11.2019

Um Gutes zu tun und zu helfen, bedarf es nicht nur eines offenen Blickes für Probleme anderer. Man braucht dafür auch Geld. Viele Millionen hat Rotary in seiner Geschichte schon aufgewendet, nicht nur international, etwa für Polio End Now, viel mehr noch regional. Aber woher kommt das Geld?

In alten und sehr großen Clubs wurde lange Zeit - und wird auch jetzt noch - beim Meeting ein Hut (oder eine Box) herumgereicht. Der Vorstand initiiert ein Sozialprojekt und die Mitglieder sind gebeten, ihre Brieftasche zu zücken. Mehr ist da nicht. Das Geld wird überwiesen und das Gewissen ist wieder für einige Zeit beruhigt. Diese Form der - durchaus wirksamen - Hilfsbereitschaft hat Rotary über weite Strecken das Image einer Gesellschaft der Reichen, der Wohlhabenden, der „G’stopften“ eingebracht, freilich etwas gönnerhaft und distanziert. Aber es gibt immer mehr Clubs, die es anders machen, die ihr Geld durch Veranstaltungen aufbringen. Und die dabei entdecken, dass das Spaß macht und die Gemeinschaft und Freundschaft fördert.

Andere Serviceorganisationen zeigten das längst vor. Lions wurde nicht zuletzt durch die Punschstände bekannt und in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Round Table, die Mitglieder sind da maximal 40 Jahre alt und oft noch im beruflichen Aufbau, baut durch Money-Raising-Projekte Freundschaften auf, die intensiver sind als in allen anderen Serviceorganisationen. Auch Rotary hat diese Aspekte längst für sich entdeckt.

Golfturniere, Entenrennen

Viele Clubs veranstalten Golf-Charity-Turniere. Beispiele dafür sind der RC Korneuburg, der RC Perchtoldsdorf, oder der RC Bad Radkersburg, der heuer immerhin 122 Teilnehmer an den Abschlag bringen konnte. Aber die Menge an Golfturnieren führt zu einer Übersättigung. Ohne Sponsoren geht längst nichts mehr, und bei denen sitzt das Geld auch nicht mehr so locker wie früher. So weichen Clubs auf andere Veranstaltungen aus. Kunstauktionen können einträglich sein, wie der RC Wien-Albertina schon oft bewies. Der RC Leibnitz konnte mit einer Wein-Raritäten-Auktion am Weingut Hannes Sabathi für zwölf Wein-Raritäten der STK-Winzer stolze 53.230 Euro für die gute Sache erlösen. Konzerte und Kabarettabende bringen zwar oft nicht so viel Gewinn, dafür aber Präsenz in der Öffentlichkeit. Der RC Wien-Nestroy veranstaltete einen rauschenden Sommerball, der RC Weitra ein Entenrennen, Frühschoppen mit Blaskapelle und viel Kinderlachen inklusive. Und der RC Perchtoldsdorf veranstaltete im Spätsommer zum fünften Mal eine Oldtimer-Rallye, diesmal als Gourmet-Classic mit vielen kulinarischen Schmankerln als Draufgabe. Der (personelle) Aufwand für eine solche Veranstaltung ist enorm, aber der Lohn ist nicht nur ein dank Sponsoren durchaus erklecklicher Ertrag, sondern ein Riesengewinn für die dadurch angekurbelte interne Freundschaft. Und die ist ja allemal auch ein Ziel von Rotary.

2019, p'dorf gourmet classic, autorallye, oldtimer
Mit den P'dorf Gourmet Classic-Ausfahrten erlösen die Rotarier eine Menge Geld.
Hubert Nowak
Dr. Hubert Nowak ist Buchautor und Medienberater. Er war 40 Jahre lang als Journalist und Manager in verschiedenen Funktionen im ORF tätig, darunter als Moderator und stellvertretender Chefredakteur der „Zeit im Bild“, als Landesdirektor des ORF Salzburg, als Projektleiter für die ORF TVthek und als Redaktionsleiter des ORF für 3sat. Er ist Gründungsmitglied des RC Perchtoldsdorf. Zuletzt veröffentlichte er „Ein österreichisches Jahrhundert: 1918-2018“ (Molden Verlag, 2017). hubertnowak.at