https://rotary.de/clubs/distriktberichte/lernwerkstaetten-zur-orientierung-a-13061.html
Wiesbaden

Lernwerkstätten zur Orientierung

Wiesbaden - Lernwerkstätten zur Orientierung
Schülerin Hayat Abdo aus der Lernwerkstatt Holz überzeugte die Jury mit einem sogenannten Rakabot – einem Serviertisch für Kaffee © Christian Kupper

Das von Wiesbadener Rotariern initiierte Projekt wird inzwischen von der Stadt getragen – vier Clubs fördern noch zusätzlich

Christian Kaiser01.11.2018

„Handwerk sucht dringend Azubis“ und „Auftragsstau wegen Fachkräftemangel“ – so oder ähnlich lauten häufig die aktuellen Schlagzeilen. Peter Enderle und Kreishandwerksmeister Wilhelm Spitz, beide RC Wiesbaden, erkannten frühzeitig die sich hier abzeichnenden Engpässe. Hinzu kam ihre Erfahrung aus rotarischen Veranstaltungen zum Berufsdienst – nämlich, dass viele Jugendliche gegen Ende ihrer Schulzeit orientierungslos sind und nicht wissen, was sie danach tun sollen. Beide entwickelten daraufhin das Projekt der Lernwerkstätten (LWS) an mehreren Schulen der Stadt Wiesbaden. Der Grundgedanke war und ist, Schüler/innen bereits im Schulbetrieb mit handwerklichen Tätigkeiten vertraut zu machen, sie für eine Berufsausbildung zu interessieren und durch den wöchentlichen Besuch in der LWS ihre Ausbildungsfähigkeit zu verbessern.

Im Jahr 2000 gelang es ihnen, alle vier Wiesbadener Clubs als Förderer mit ins Boot zu holen und danach mit vereinten Kräften die Stadt Wiesbaden für das Projekt zu gewinnen.

Der Projektidee folgend wurden an einer zentralen Schule Werkstätten für Holz, Metall, Friseur, Bau, Maler, Kochen, Pflege und anderem mehr eingerichtet. Die Betreuung in den LWS übernehmen Lehrer und Handwerker. Pro Jahr nehmen 60 bis 80 Schüler/innen für zwei Jahre (8. und 9. Klasse) teil. Die Hauptfinanzierung erfolgt durch die Stadt Wiesbaden. Die Wiesbadener Rotarier beteiligen sich mit 2600 Euro pro Jahr.

Drei Preisträgerinnen
Als im Jahre 2012 Wilhelm Spitz verstarb, hatte er zuvor verfügt, dass alle Spenden aus Anlass seines Todes für das Projekt der LWS verwendet werden. Daraus entstand der jährlich vergebene Wilhelm-Spitz-Preis.

Hiermit werden Einzelpersonen oder Gruppen ausgezeichnet, die sich mit handwerklichen Projektarbeiten an einem Wettbewerb beteiligen. Nach dem Urteil einer Jury werden die Arbeiten prämiert, die hinsichtlich Planung, Durchführung und Gesamtergebnis überzeugen. Bis zu 200 Euro pro Person werden für die drei besten Gruppen ausgeschüttet und in einer öffentlichen Veranstaltung, meist der Schulabschlussfeier, übergeben.  

Die Teilnehmer am Wettbewerb erfahren so, dass sich Leistung und zusätzliches Engagement lohnt und wertgeschätzt wird. Gleichzeitig trägt der Wilhelm-Spitz-Preis dazu bei, Schülerinnen und Schüler zu motivieren, eigene Ideen zu entwickeln und durch Arbeit am eigenen Projekt selbst Initiative zu ergreifen.

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.