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Internationales Engagement

Rotary Club Halle/Westfalen hilft kleinen Patienten

Internationales Engagement - Rotary Club Halle/Westfalen hilft kleinen Patienten
Der RC Halle/Westfalen spendete drei Beatmungsgeräte für die Kinderklinik des Bugando Medical Centres in Mwanza/Tansania. Der Club sorgte auch für eine entsprechende Ausbildung des ärztlichen und pflegerischen Personals. © Rotary Club Halle/Westfalen

Zwischen Halle/Westfalen und dem Universitätskrankenhaus Bugando Medical Centre in Mwanza/Tansania liegen stolze 10.000 Kilometer. Und doch verbindet die Menschen an beiden Orten das gemeinsame Ziel, Kinderleben zu retten.

Nicola Leffelsend01.10.2020

Seit 2018 engagiert sich der Rotary Club Halle/Westfalen in dem ostafrikanischen Land, angeregt durch Schilderungen des Kindermediziners Carsten Krüger. Der Professor für globale Kindergesundheit, der seit Juni 2019 auch an der Hochschule für Gesundheit in Bochum lehrt, kennt die angespannte medizinische Situation in Tansania seit über 20 Jahren.

Jährlich versterben dort vor allem Neugeborene, Säuglinge und junge Kinder an Erkrankungen der Atemwege. Grund genug, dem Medical Center nicht nur drei Beatmungsgeräte zu finanzieren, sondern auch für die nötigen Schulungen des ärztlichen und pflegerischen Personals zu sorgen. Rund 20.000 Euro hat der Club dafür investiert und zuvor einen District Grant beantragt. "Viele der schwerkranken Kinder sterben an Atemversagen, da Medikamente und Beatmungsgeräte fehlen", so Friedrich Nolting vom Rotary Club Halle/Westfalen. "Das zu verhindern, war unsere maßgebliche Motivation für das Projekt."

Beatmungsgeräte für das Universitätskrankenhaus

2018 leitete der Rotary Club Halle/Westfalen das internationale Projekt mit einem District Grant ein. Die Idee dazu stammte von Professor Carsten Krüger. Von 1997 bis 2000 war der Kindermediziner im Haydom Lutheran Hospital in Tansania beschäftigt. Bis heute übernimmt er in seiner Freizeit verschiedene Aktivitäten zur Verbesserung der Kindergesundheit in Tansania und Malawi – dazu zählen auch Lehrvorträge an Universitäten vor Ort. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungen Krügers zeigen, dass viele Kinder an Erkrankungen der Atemwege versterben.

Auf der Neugeborenen-Intensivstation des Bugando Medical Centres in Mwanza werden jährlich etwa 800 Neugeborene behandelt. Rund 200 Kinder sind es auf der Kinderintensivstation. Für ihre Behandlung wurden nun drei Beatmungsgeräte mit dem notwendigen Zubehör installiert. "Der Einsatz dieser sogenannten CPAP-Beatmungsgeräte im Rahmen der intensivmedizinischen Versorgung kann viele dieser jungen Patienten retten", erklärt Wolfgang Stieghorst, Foundation-Beauftragter des 1973 gegründeten Clubs.

Ausbildung des ärztlichen und pflegerischen Personals

Um die Bedienung der Geräte und die Versorgung der Patienten mit der neuen Beatmungsform optimal zu gewährleisten, waren zuvor intensive Schulungen des ärztlichen und pflegerischen Personals erforderlich. Zwei Vor-Ort-Ausbildungstermine habe es im Juli und September 2019 gegeben, erklärt Friedrich Nolting und ergänzt, dass die Organisation durch deutsche Kinderärztinnen und Kinderkrankenschwestern durchgeführt wurden. Ausbilder wiederum seien Ärzte und Krankenschwestern des Queen Elisabeth Central Hospitals aus Blantyre im Nachbarstaat Malawi gewesen. Sie alle arbeiteten bereits seit Jahren erfolgreich mit diesen Beatmungsgeräten, seien mit den lokalen Gegebenheiten vertraut und gewährleisteten, dass die Geräte bereits kurz nach der Installation erfolgreich eingesetzt werden konnten. Erst im Februar 2020 erfolgte eine dritte Schulung – dieses Mal im Queen Elisabeth Central Hospital in Malawi.

Lebensrettung für Neugeborene, Säuglinge und junge Kinder

In Tansania hält das Bugando Medical Centre 850 Betten bereit und betreut insgesamt etwa zwölf Millionen Einwohner. Fast 50 Prozent davon sind Kinder unter 15 Jahren. Die Kinderklinik selbst verfügt über rund 100 Betten und versorgt stationär etwa 4000 Patienten im Jahr. Im ambulanten Bereich kommen weitere 20.000 hinzu. Darüber hinaus erblicken jährlich rund 8000 Neugeborene das Licht der Welt, von denen viele eine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Dabei bietet die Kinderheilkunde Betreuung in den Bereichen Neugeborenen-Intensivmedizin, Kinderkardiologie, Krebsbehandlung, Mangelernährung und Infektiologie. Dennoch versterben bislang etwa 13 bis 14 Prozent der stationär behandelten Kinder im Krankenhaus - bei den Neugeborenen liegt der Wert sogar bei 15 bis 16 Prozent. Ein Vergleich zu Deutschland zeigt, dass in Tansania noch viel zu tun ist, denn hierzulande sind es weniger als 0,5 Prozent. "Durch die neuen Beatmungsgeräte soll auch die Sterberate der stationär behandelten Kinder im Bugando Medical Centre zukünftig deutlich gesenkt werden", betont Wolfgang Stieghorst.  

Service Above Self und Spenden als oberste Verpflichtung des Clubs seit seiner Gründung

Für die Beatmungsgeräte einschließlich des Zubehörs spendeten Rotarierinnen und Rotarier des Clubs rund 13.000 Euro. Hinzu kamen Schulungskosten von etwa 8500 Euro. 6000 Euro der Gesamtkosten übernahm der Distrikt 1900.

Seit 2011 führt der Rotary Club Halle/Westfalen seine Adventskalender-Aktionen durch, die jährlich Einnahmen von rund 15.000 Euro generieren. Ergänzt um die jährlichen Spenden der Mitglieder eröffnete dieser Betrag neue Möglichkeiten für internationale Projekte: So gingen von 2011 bis 2019 etwa 25.000 Euro an PolioPlus. 2018 startete parallel das Bugando-Medical-Centre-Projekt in Tansania.

Rotary Club Halle/Westfalen