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President Elect Training Seminar

Wissen, Workshops und Wein

President Elect Training Seminar - Wissen, Workshops und Wein
Incoming-Governor Klaus-Günther Strack (RC Aalen-Heidenheim) und Governor Nominee Hans-Hinrich Kruse (RC Künzelsau-Öhringen) begrüßen den Referenten Roderich Kiesewetter (Mitglied des Bundestags) zum PETS. © Claudia Lichtwer

Mit der Übernahme der Präsidentschaft in einem Rotary Club steht man vor neuen Herausforderungen. Um die zukünftigen 55 Präsidentinnen und Präsidenten der Rotary Clubs optimal auf ihr Amtsjahr vorzubereiten, hat das Team aus dem Distriktbeirat rund um Incoming Governor Klaus-Günther Strack einen lehrreichen und inspirierenden Tag durchgeführt.

Julius Schölkopf15.03.2022

Live aus dem Studio der Hochschule in Aalen begrüßte Klaus-Günther Strack (RC Aalen-Heidenheim) die Incoming Präsidenten. Der Mathematiker begann damit, dass für alle Präsidenten die Zahl 525.600 eine zentrale Rolle spiele – so viele Minuten habe jeder im kommenden rotarischen Jahr, um Rotary nachhaltig zum Besseren zu verändern. Er appellierte, dass sich jeder getreu dem Motto der ersten Präsidentin von Rotary International, Jennifer Jones, „Imagine Rotary“ in den Clubs engagieren solle, um so „Freundschaft nach innen und Hilfe nach außen“ – die kürzeste Definition von Rotary – mit Leben zu füllen. 

Klaus-Günther Strack betonte, dass „Rotary gesellschaftlich aktiver werden muss – ganz in Kontinuität zu seinen Vorgängern. Denn er ist der Überzeugung, dass Rotary die Herausforderungen in unserer Gesellschaft um uns herum nicht ignorieren dürfe. In diesem Rahmen kommt Europa ein besonderer Stellenwert zu. Dabei geht es nicht nur um die Stärkung des Multilateral Rotarian Forums mit den Distrikten 1710 in Frankreich und 2042 in Norditalien, das unter anderem für junge Menschen RYLA-Seminare, Schüleraustausche und gemeinsame Umweltprojekte ermöglichen soll, sondern auch die Stärkung der Verbindung mit rotarischen Freunden in Osteuropa. Er freut sich darauf, diese Themen gemeinsam mit den Clubs anzugehen, denn diese sind das Rückgrat Rotarys.

Krieg in Europa

Die aktuellen Geschehnisse in Europa haben auch das diesjährige President Elect Training Seminar (PETS) im Distrikt überschattet. In einem spannenden Gastvortrag hat Roderich Kiesewetter, Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, die aktuelle Sicherheitslage erläutert und neue Perspektiven auf die internationalen Beziehungen gegeben. Erstmals hat Putin mit einem Angriffskrieg zwischen Nationalstaaten und einer Truppenmobilisierung, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat, die regelbasierte internationale Ordnung angegriffen. Anschaulich wurde den anwesenden rotarischen Freunden erläutert, dass sich Europa nach Scheitern der Diplomatie in der Sicherheitspolitik neu aufstellen müsse, die Wahrnehmung der Europäischen Union diskutieren sollte und mehr Geschlossenheit innerhalb der NATO und der EU benötigt werde. Eine neue Russlandpolitik müsse geopolitische Tatsachen akzeptieren, denn Russland fürchte sich vor den Demokratiebewegungen. Abschließend betonte er, dass die Krisenvorsorge Deutschlands ausgebaut, Wertschöpfungsketten gesichert und die Energieversorgung ausgebaut werden müssten. Für die Umbrüche in der Gesellschaft können Umschichtungen im Haushalt nicht ausreichend sein. Er führt aus, dass wir verstärkt Prioritäten setzen und effizienter haushalten müssen, aber auch eine vernünftige Sicherheitsstrategie benötigen. Er lobt, wie Europa schnell und geschlossen Sanktionen beschlossen hat und wie groß die Einheit in der Gesellschaft gegenüber den Vertriebenen sei.

Umgang mit der Wirklichkeit im Club

PDG Wolfgang Kramer (RC Pforzheim-Schlossberg) bereitete die neuen Präsidentinnen und Präsidenten darauf vor, wie die Wirklichkeit den Alltag und die Traditionen des Clubs beeinflussen kann. Die Coronapandemie ist ein unsichtbarer Gegner, der Angst mache und zu vielen Fortschritten in den Rotary-Clubs, aber auch zu bemerkenswerten Einsätzen der Freunde geführt habe. Gemeinsam mit den rotarischen Werten und der Fähigkeit, mit Stresssituationen umzugehen, sollen die Präsidenten die Clubs stärken, aber auch der Furcht des Kriegs begegnen. Er empfiehlt, dass der persönlichen Begegnung und der Besprechung aktueller Themen mehr Raum in den Clubs eingeräumt werden solle. Denn als Präsident müsse man zuhören können und die Sprache des Herzens in den Vordergrund stellen. Gerade für Präsidenten sei dies unerlässlich, denn man werde daran gemessen, was man tut oder nicht tut.

Zusammenarbeit mit Rotaract

Die Rotaract Distriktsprecherinnen, Sophie-Thérèse Auth und Dunja Ambrosius-Eichner, zeigten den Incomings im Anschluss, wie man Rotaract erleben kann und warum sich die Zusammenarbeit mit Rotaract lohnt. Der Einsatzwillen der Rotaract Mitglieder wurde anhand der internationalen Zusammenarbeit für Flüchtlinge aus der Ukraine und des Leuchtturmprojektes KidsCamp vorgestellt. Eine besondere Neuerung, die alle Rotary Clubs betrifft, war die Information über die Änderung der rotarischen Regelung, dass ab Juli Rotaract Mitglieder jedes Meeting eines Rotary Clubs besuchen dürfen. Ziel der Änderung ist es, dass sich die Clubs besser kennen lernen, auch bei Umzügen eine Kontaktaufnahme möglich wird und der Übergang zu Rotary erleichtert werden soll.  Incoming-Governor Klaus-Günther Strack griff diese Botschaft auf und motivierte die Präsidenten, dass sie das Besuchsrecht als Gelegenheit nutzen sollen, Rotaract-Mitglieder einzuladen und auch selbst einen Rotaract Club besuchen. Er ist überzeugt, dass Rotary von Rotaract profitieren kann, denn die Mitglieder von Rotaract haben schon sehr viel für die rotarischen Familie getan und kennen die rotarischen Strukturen hervorragend.

Ein breites Spektrum an Workshops

Am Nachmittag konnten die Präsidenten in verschiedenen Workshops in kleinen Gruppen Themen des Vormittags vertiefen, zum Beispiel zur Zusammenarbeit mit dem Rotary International Büro in Zürich oder eine Einführung in die rechtlichen Grundlagen für die Clubpräsidentschaft. Im Austausch mit den Assistant-Governorn und Präsidenten der Nachbarclubs gab es weitere Inspirationen und Absprachen. Das Highlight am Abend war eine digitale Weinprobe mit spannenden Vorträgen von Past RI-Präsident Holger Knaack und PDG Jörg Wolff (RC Heidenheim-Giengen). Holger Knaack gratulierte den Incomings und bedankte sich, dass sie dieses Amt übernommen haben. Er appellierte an die Clubs, der Gefahr eines zu hohen Durchschnittsalters zu begegnen, um für junge Menschen interessant zu bleiben. Es gebe kein falsches Alter Rotarier zu werden, dennoch sollte ein Fokus auf der Aufnahme junger berufstätiger Rotaracter liegen. Zudem lohne es sich, bei Neuaufnahmen verschiedenste Hintergründe zu berücksichtigen, um dem Thema Diversity, Equity und Inclusion einen hohen Stellwert im Club zu geben und so die Clubs zu stärken. Als wichtigstes gelte jedoch nach wie vor: „Rotary muss Spaß machen!“

Julius Schölkopf
Julius Schölkopf (Rotaract Club Ludwigsburg) studierte Volkswirtschaftslehre in Mannheim, Zürich und Heidelberg und promoviert derzeit in empirischer Wirtschaftsforschung. 2016 wurde er über ein RYLA-Seminar Mitglied bei Rotaract. Er hatte unter anderem mehrere Jahre das Amt des Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit in seinem Club inne, arbeitete im Organisationsteam des KidsCamps in Heilbronn mit und vertrat den Distrikt 1830 als Assistant-Distriktsprecher im Clubjahr 2018/19. Seit vier Jahren engagiert er sich bei Rotaract Deutschland unter anderem im Ressort Öffentlichkeitsarbeit und im Bereich Organisationsentwicklung. Seit Juli 2021 ist er als Distriktberichterstatter für den Distrikt 1830 sowie als Sprecher für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit des Rotaract Deutschland e.V. aktiv.