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Nach Attentaten in Pakistan

Polio-Impfungen unterbrochen

Nach Attentaten in Pakistan - Polio-Impfungen unterbrochen
Die Impfaktionen in Pakistan wurden nach den jüngsten Anschlägen zunächst ausgesetzt

Wiederholte Anschläge auf Polio-Impfhelfer in Pakistan, bei denen in den vergangenen sechs Monaten neun Menschen starben, haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst, zunächst keine weiteren Impfungen in dem Land vorzunehmen.

Matthias Schütt07.01.2013

Hinter den Attentaten stehen nach Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit" Heckenschützen der Taliban. In einem Hintergrundbericht vom 27. Dezember rekapituliert Korrespondent Ulrich Ladurner die in den vergangenen Jahren mehrfach von den Taliban lancierten Behauptungen, dass die Impfhelfer in Wahrheit das HI-Virus verbreiten oder dass die Impfungen das Ziel haben, muslimische Frauen unfruchtbar zu machen. Das klingt nach Hirngespinsten, sei aber Kriegstaktik: „Die Taliban befinden sich in einem Krieg, der mit allen Mitteln ausgefochten wird, und zwar von allen Seiten. Anschläge, Folter, Selbstmordattentate, Drohnenangriffe, Spionage, Betrug.“ In diesem Zitat deutet der Journalist bereits an, dass den US-Geheimdienst CIA eine Mitschuld an der Eskalation treffe. So habe die CIA eine Impfaktion, die mit der Polio- Kampagne nichts zu tun hat, unterstützt, über die der Aufenthaltsort von Osama bin Laden ermittelt werden konnte. Diese Aktivi-täten haben bereits im Februar 2012 zu einem Offenen Brief von InterAction, dem laut Zeit größten Dachverband amerikanischer Nichtregierungsorganisationen, an die CIA geführt, in dem es heißt: „Die Tatsache, dass die CIA humanitäre Arbeit als Tarnung benutzt, untergräbt die Glaubwürdigkeit und die Integrität aller humanitären Organisationen in Pakistan.“ Insbesondere die Drohnenattentate auf führende Taliban-Funktionäre gelten als Auslöser der aktuellen Mordanschläge auf Impfhelfer. Laut Zeit verlangen die Taliban die Einstellung der Drohnenangriffe – „nur dann würden sie die Impfteams wieder arbeiten lassen.“

Erschienen in der Januar-Ausgabe (2013)  des "End Polio Now"-Newsletters.

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.