Grüße von irgendwo

Eine Geschichte von Gerd Möllmann (RC Lahr)
Vor Jahren war es in unserem Club noch üblich, von größeren Reisen einen Kartengruß an die Freunde (Freundinnen gab es damals bei uns noch nicht) zu schreiben. Idealerweise wurde von einem während der Reise besuchten auswärtigen Club auch noch ein Wimpel mitgebracht und nach der Rückkehr feierlich überreicht. Das ist schon lange Vergangenheit, und Freund Hans, von dem im folgenden Bericht die Rede ist, weilt nicht mehr unter uns.
Hans, ein gut versorgter Ruheständler, war viel auf Reisen. Und er war auch sehr schreibfreudig. Kaum unterwegs, flatterten im Clublokal seine Kartengrüße ein. Sie wurden im Rahmen der Regularien verlesen und dann während des Meetings in Umlauf gegeben. Als wieder einmal mehrere Ansichtskarten ange-kündigt werden sollten, wurde der Präsident stutzig. Die rekonstruierte Reiseroute unseres Freundes zeigte einen Bewegungsradius, den man sich mit her-kömmlichen Verkehrsmitteln kaum erklären konnte: Wien, Marokko, Amsterdam. Das sollte bei einer der nächsten Meeting-Präsenzen mit Freund Hans ge-klärt werden. Bevor es dazu kam, trafen aber weitere Kartengrüße ein – sie machten das Bild noch verwirrender: Athen, Norderney, Burgund …
Gespannt wurde auf die Rückkehr von Hans und dessen Bericht über seinen Reiseverlauf gewartet. Als es so weit war, erzählte Hans voller Begeisterung von seiner letzten Reise: Er war zwei Wochen in Abano gewesen und berichtete von der wohltuenden Wirkung der Fango-Packungen, Thermalbäder und Massagen. Wir staunten nicht schlecht und fragten nach, auf welchen (Um-)Wegen er denn nach Abano gereist sei. „Nein, nein“, klärte er in fast fließendem Italienisch auf: „diretissima!“ Woher denn, so die nächste Rückfrage, seine letzten Kartengrüße stammten? „Ach so“, reagierte er etwas verlegen, „ich hatte von den meisten meiner früheren Reisen noch Postkarten übrig, die mussten ja mal verschrieben werden. Die habe ich jetzt von Abano aus verschickt. Ich wollte doch nicht versäumen, euch zu grüßen!“
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