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Rotary muss europäischer werden

von Klaus Brodbeck | 
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Wenn Rotary in Deutschland relevant bleiben will, darf der Internationale Dienst kein Spezialthema weniger Engagierter bleiben. Er muss wieder in die Mitte der Clubs rücken

Europa erlebt seine gefährlichste Bewährungsprobe seit 1945. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, neue Konflikte im Nahen Osten, die Unsicherheit über die Rolle der USA und der Druck autoritärer Systeme zeigen: Frieden, Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten. Wer glaubt, Europa könne sich dauerhaft auf andere verlassen, verkennt die Lage. Aber Europa wird nicht allein in Brüssel, Berlin oder Paris zusammengehalten. Europa lebt auch dort, wo Menschen einander begegnen, Vertrauen aufbauen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau hier liegt eine Aufgabe für Rotary. Wir nennen uns Rotary International. Das zweite Wort ist kein Schmuckstück im Namen, sondern ein Auftrag. Unsere Clubs leisten vor Ort Großartiges. Aber wenn Rotary sich allein im Lokalen erschöpft, wird aus einer internationalen Bewegung ein Heimatverein mit freundschaftlicher Atmosphäre und gutem Catering.

Wichtig ist ein Mentalitätswechsel

Das ist zugespitzt. Aber wir sollten uns ehrlich fragen: Wie international ist unser Clubleben wirklich? Wie viele Clubs pflegen aktive Partnerschaften in Europa? Wie oft sprechen wir über Mittel- und Osteuropa, über Polen, Ungarn, Rumänien, die baltischen Staaten, den Balkan oder die Ukraine? Wie bewusst suchen wir den Kontakt zu Ländern, in denen historische Erfahrungen und Erwartungen an Deutschland bis heute eine Rolle spielen? Dabei müssen wir nicht bei null anfangen. Die Länderausschüsse leisten seit Jahren wertvolle Arbeit. Sie schaffen Kontakte, öffnen Türen, halten Beziehungen lebendig und ermöglichen Projekte, die einzelne Clubs allein kaum stemmen könnten.

Wir heißen Rotary International. Das zweite Wort ist kein Schmuckstück im Namen, sondern ein Auftrag

 

Diese Strukturen sollten wir stärker nutzen. Sie sind kein Nebenraum von Rotary, sondern ein Instrument für Verständigung, Frieden und europäische Zusammenarbeit. Deshalb braucht es einen Men-talitätswechsel. Internationale Arbeit darf nicht erst beginnen, wenn ein Global Grant vorbereitet wird oder ein Club zufällig persönliche Kontakte ins Ausland hat. Sie sollte Teil der Jahresplanung jedes Clubs sein: eine Begegnung, ein gemeinsames Projekt, ein Jugendformat, ein Kontakt zu einem Club in Mittel- oder Osteuropa.

Begegnungen schaffen Frieden

Besonders wichtig ist die junge Generation. Wer junge Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammenbringt, schafft mehr als schöne Erinnerungen. Er schafft Vertrauen, Sprachfähigkeit und Freundschaften, die später politisch, beruflich und gesellschaftlich tragen können. Friedensarbeit beginnt nicht erst am Verhandlungstisch, sondern oft mit einer ersten Begegnung.

Vernetzung in Europa festigen

Mein Standpunkt ist klar: Rotary in Deutschland muss internationaler, europäischer und östlicher denken. Nicht als Abkehr vom lokalen Engagement, sondern als dessen Ergänzung. Der Club, der vor Ort hilft, kann zugleich Brücken nach Europa bauen. Beides gehört zusammen. Wenn Europas Nähte halten sollen, braucht es Menschen, die sie bewusst stärken. Rotary hat dafür die Netzwerke, die Erfahrung und die Glaubwürdigkeit. Wir müssen sie nur entschlossener nutzen.

Zur Person: Klaus Brodbeck

RC Ortenau-Liberty / Past-Governor von D1930 2024/25 und 2025/26