„Unsere Werte authentisch leben“

Distrikt 1940: Mölln – Auf der Distriktkonferenz in Mölln wurde Rotarys Rolle als Stimme der Zivilgesellschaft im politischen Diskurs verhandelt. Mittendrin: Ministerpräsident Daniel Günther
Der scheidende Governor Dennis Kissel (RC Herzogtum Lauenburg-Mölln) hatte es ja schon immer gewusst: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ist ein guter Typ, obwohl er bei den Lions ist. Bodenständig, authentisch, nahbar, ein Bollwerk gegen die AfD. Jetzt wissen es auch die rund 150 Rotarier, die zur Distriktkonferenz nach Mölln gekommen waren. Nach Günthers flammendem Plädoyer für mehr Mut und Zuversicht diskutierte er auf der Bühne des Hotels Quellenhof gemeinsam mit Kissel und Rotary-International-Direktorin Christine Büring (RC Altenburg) Fragen zur gesellschaftspolitischen Relevanz von Rotary.
Auf die Frage, welche Rolle eine wertegebundene Organisation wie Rotary heute als Stimme der Zivilgesellschaft übernehmen könne, antwortete Kissel: „Wir müssen unsere Werte authentisch leben. Alle extremistischen Ansichten sind inakzeptabel. Wer rote Linien überschreitet, insbesondere beim Thema Menschenrechte, ist raus!“ Büring stimmte ihm nur begrenzt zu. Zwar seien Rotarys Werte unverhandelbar, doch es gehöre gerade auch zu Rotarys Aufgaben, den Dialograum mit Andersdenkenden offen zu halten.
Aufstehen, Haltung zeigen!
Die Frage des Moderators, ob Rotary für die Politik überhaupt ein ernst zu nehmender Gesprächspartner sei, beant-wortete der Ministerpräsident mit einem klaren Ja. Wertegebundene Organisationen wie die Lions oder Rotary, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen und sich gegen Spaltung aller Art starkmachen, seien für die Politik „extrem wichtig“. Einig war man sich darin, dass Rotary sich stärker in politische Fragen einmischen sollte. Gerade bei den großen gesellschaftlichen Debatten zu den Themen Migration, soziale Spaltung, Digitalisierung und Krieg dürfe sich Rotary nicht wegducken.
Es war eine Distriktkonferenz ohne eitle Selbstbespiegelung, sogar ohne Blumenstrauß für Gattin Heike, die dem Governor das ganze Jahr den Rücken freigehalten hat – und ihrem Dennis für die spannende Governorzeit dankte. Als Dennis Kissel schließlich das Steuerrad an seinen Nachfolger Torsten Becker (RC Berlin-Tiergarten) übergab, revanchierte sich dieser mit dem gerahm-ten Bild einer glänzenden Mülltonne, „weil du ein glänzendes Jahr hingelegt hast“. Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein, nahm es mit Humor und schloss: „Es war mir eine hohe Ehre und ein großes Vergnügen. Das war’s.“
In Kürze: Von Herzen
Für den emotionalen Höhepunkt der Distriktkonferenz sorgte Simon Kissel, behinderter Sohn des Governors. Im Gespräch mit seiner Mutter und RI-Direktorin Christine Büring erwähnte Simon, dass er mit KI experimentiere und auch Musik mache. Büring fragte, ob er einen Rotary-Song erstellen könne, was er verneinte – er wisse nicht genug darüber. Büring sagte: „Dann mach doch einen über deinen Vater, der steht für Rotary, für einen guten Menschen.“ Simons Ergebnis: eine Liebeserklärung. Als das Lied gespielt wurde und Simon ins Mikro rief: „Das ist nur für dich, Papi!“, liefen nicht nur bei Familie Kissel die Tränen.






