Wasser zu Wein

Eine Geschichte von Bernadette Spitzer (RC Wien-Franz Schubert)
Das Stift Klosterneuburg bei Wien zählt zu den bedeutendsten Österreichs. Gegründet von Markgraf Leopold III. dem Heiligen, übergab er es 1133 den Augustiner-Chorherren. Das dazugehörige Weingut ist das älteste des Landes und zählt 110 Hektar Anbaufläche. Der Wein geht im Stift daher nie aus.
Auf dem Stiftsareal stehen mehrere Gebäude, darunter die ehemalige Fassbinderei, der Binderstadl. Er ist berühmt für ein Tausendeimerfass aus dem Jahr 1704, über das jeden 1. November, dem Gedenktag des heiligen Leopold, unzählige Menschen rutschen. Während des Jahres wird der Raum gerne für Veranstaltungen gemietet.
Im März 2026 feierte der Rotary Club Kloster-neuburg im Binderstadl seine 60-jährige Charter. Der Leiter des Stifts, Propst Anton Höslinger, ist Ehrenmitglied des Clubs und war deshalb als Gast eingeladen. Mit der Organisation und dem Catering hatte er nichts zu tun. Dennoch ereilte ihn nach einer Weile ein Hilferuf: „Uns ist der Wein ausgegangen! Kannst du uns helfen?“ Eine Feier, bei der der Wein ausgeht – das weckte bei dem Geistlichen natürlich biblische Assoziationen an die Hochzeit zu Kana. Dort geht den Gastgebern der Wein aus. Maria bittet ihren Sohn Jesus um Hilfe, und der verwandelt Wasser zu Wein. Prompt antwortete Propst Anton: „Stellt halt einmal ein paar Krüge Wasser her, und dann schauen wir, was passiert.“ Nachdem er aber in verdutzte Gesichter blickte, ließ er aus dem Stift Wein holen und rettete somit die Veranstaltung.
Irgendwie stimmt es aber schon, dass ein Ehrenrotarier fast so wie Jesus aus Wasser Wein gemacht hat.
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