Wegschauen, warten oder drücken?

Distrikt 1810: Erftstadt – Der Rotary Club Erftstadt trainierte beim örtlichen Volkslauf Zuschauer als potenzielle Lebensretter
Ein Mensch bricht plötzlich zusammen. Keine Reaktion. Keine normale Atmung. Was würden Sie tun? Wegschauen? Warten? Oder drücken?
Genau diese Entscheidung kann beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand über Leben und Tod entscheiden. Deshalb brachte der Rotary Club Erftstadt zum 15. GVG-Citylauf Ende September nicht nur Läufer mit. Am Rotary-Infostand standen auch wieder Reanimationspuppen bereit, und es konnte geübt werden.
„Viele Menschen können sich gar nicht vorstellen, wie kräftig eine Herzdruckmassage tatsächlich sein muss“, sagte Clubpräsident Dirk Schubert. „An unseren Übungspuppen kann man es ausprobieren. Das nimmt Berührungsängste und gibt Sicherheit.“
120.000 Herzstillstände – jedes Jahr
Die Dimension ist gewaltig: In Deutschland kommt es jährlich zu mehr als 120.000 außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen. Häufig geschieht das nicht irgendwo weit entfernt, sondern im eigenen Zuhause oder in der unmittelbaren Umgebung. Und dann läuft die Uhr. Nach wenigen Minuten ohne ausreichende Sauerstoff-versorgung können schwere Schäden entstehen. Der Rettungsdienst ist zwar schnell alarmiert – aber er kann nicht in Sekunden vor Ort sein.
„Genau deshalb muss die Hilfe sofort beginnen“, erklärt Clubfreundin Beate Mayer, Initiatorin der Reanimationsaktion. „Viele denken zuerst an den Defibrillator. Aber der steht eben nicht automatisch neben dem Betroffenen. Die Herzdruckmassage kann jeder beginnen. Und stabile Seitenlage? Ein Klassiker, der in einer solchen Situation niemandem hilft!“
Prüfen, rufen, drücken
Die Botschaft der Rotary-Aktion ist deshalb denkbar einfach:
Prüfen: Reagiert die Person? Atmet sie normal?
Rufen: Notruf 112 wählen und um Telefonunterstützung bitten.
Drücken: Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. 100- bis 120-mal pro Minute, etwa fünf bis sechs Zentimeter tief im Takt von Atemlos oder Stayin’ Alive. Nicht unterbrechen, bis professionelle Hilfe kommt!
Rotary will mit der Aktion vor allem eines: Mut machen. „Im Ernstfall gibt es keine Zeit für langes Überlegen“, sagt Dirk Schubert, der amtierende Präsident des Rotary Clubs Erftstadt. Und er ergänzt überzeugt: „Wer weiß, was zu tun ist, kann handeln. Und wer handelt, kann einem Menschen eine Überlebenschance geben.“
In Kürze: Musik ohne Grenzen
Seit 2019 unterstützen Aachener Rotary Clubs das Western Balkans Youth Orchestra (WBYO). Mit dessen Gründung verfolgte der Pianist, Musikpädagoge und Dirigent Desar Sulejmani den Aufbau einer völkerverbindenden und zugleich künstlerischen Plattform. In jährlichen Sommerakademien bringt er junge Musiker aus Südosteuropa zusammen, um über Landesgrenzen hinweg und trotz religiöser, politischer und kultureller Unterschiede Konzerte einzuüben und in die Welt zu tragen. Ein Auftritt der 75 Musiker in Aachen präsentierte kürzlich das europäische Friedens- und Jugendbildungsprojekt und begeisterte die Zuhörer.





