Patient Kuscheltier

Aschaffenburg:
Der jüngste Club des Distrikts 1950, der RC Global Bridges & Engagement for youth, hat gemeinsam mit dem Rotary Club Aschaffenburg-Schönbusch ein ungewöhnliches Hands-on-Projekt gestartet: eine Teddyklinik für Kindergartenkinder. Geminsam wurden im „Haus für Kinder Maria Geburt“ mehrere Räume in eine kleine Klinik verwandelt – mit Anmeldung, Teddy-Arzt, Zahnstation, Apotheke, Ernährungsberatung, simuliertem CT und sogar einem Rettungswagen vor der Tür. Rund 200 Kinder zwischen drei und sechs Jahren kamen mit ihren Kuscheltieren, Puppen oder Teddybären als „Patienten“.

Die Idee hatte Marlene Storch. Die Assistenzärztin für Unfallchirurgie/Orthopädie arbeitet am Klinikum Frankfurt-Höchst und kannte Teddykliniken bereits aus ihrer Studienzeit. „In großen Universitätsstädten gibt es solche Projekte schon länger. Für viele Kindergärten sind die Wege dorthin aber zu weit“, erzählt sie. „Da habe ich gedacht: Warum machen wir das nicht einfach selbst in Aschaffenburg?“
Die Kinder brachten ihre Kuscheltiere mit kleinen und großen Beschwerden in die Klinik. Manche Teddys hatten Bauchschmerzen, andere einen gebrochenen Fuß oder waren „vom Stuhl gefallen“. Zunächst erhielten die Kinder einen Gesundheitspass. Danach ging es ins Wartezimmer. Anschließend wurden die kleinen Patienten von den „Teddy-Ärzten“ abgeholt und untersucht. Die Kinder begleiteten ihre Stofftiere wie echte Angehörige durch die Stationen.

Lernen ohne Angst
Neben Untersuchung und Behandlung lernten die Kinder auch etwas über gesunde Ernährung und Zahnpflege. Eine Ernährungsberaterin klärte gemeinsam mit den Kindern, welche Lebensmittel gesund sind und welche besser nur gelegentlich gegessen werden sollten. Rohkost wurde ebenfalls verteilt. In der Zahnstation erfuhren die Kinder, warum regelmäßiges Zähneputzen wichtig ist.
Besonders beliebt war die Röntgen- beziehungsweise MRT-Station. Dort konnten die Kinder ihre Kuscheltiere durch ein nachgebautes Gerät schieben und auf einem Bildschirm sehen, wie Knochenbrüche bei Teddybären aussehen. Zum Abschluss erhielten die Kuscheltiere in der Apotheke eine Tapferkeitsurkunde und kleine Geschenke.

Finanziert wurde das Projekt durch rund 23 Sponsoren aus Aschaffenburg und darüber hinaus. Angeschafft wurden unter anderem weiße Arztkittel, Materialien und die eigens gestalteten Gesundheitspässe.
Projekt mit Zukunft
Die Resonanz überraschte selbst die Organisatoren. „Wir hatten im ersten Jahr vielleicht mit 50 Kindern gerechnet“, sagt Marlene Storch. „Am Ende wollten vier Mal so viele teilnehmen und helfen, dass wir gemerkt haben: Das Projekt trifft wirklich einen Nerv.“

Auch der Kindergarten signalisierte bereits Interesse an einer dauerhaften Zusammenarbeit. Weitere Einrichtungen aus der Region haben ebenfalls angefragt. Deshalb denken die beteiligten Clubs inzwischen über größere Räume oder zusätzliche Termine nach.
Für Rotary war die Teddyklinik mehr als nur ein Aktionstag. Die Clubs wollten jungen Familien begegnen und gleichzeitig Kindern spielerisch die Angst vor Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten nehmen. Genau das scheint gelungen zu sein – mit viel Engagement, Fantasie und einer großen Portion Herzblut.



























