Rotary AktuellPorträt

Dem Ruf gefolgt

von Diana Schoberg | 
 |  Lesezeit: 6 Minuten

Mit dem dynamischen Geist seiner nigerianischen Heimat übernimmt RI-Präsident Olayinka H. Babalola die Führung von Rotary

Olayinka H. Babalola geht nach vorn zur ersten Reihe. Es ist so weit: Yinka – wie er genannt wird – gibt in der rotarischen Welt sein Debüt. Der RI-Präsident 2026/27 ist der zweite RI-Präsident aus Nigeria und gleichzeitig der zweite des afrikanischen Kontinents.

Es ist der erste Morgen der Rotary International Assembly. Auf dieser Lernveranstaltung werden die neuen Governor jedes Jahr im Winter in Orlando/Florida, auf ihr künftiges Amt vorbereitet.

Zusammen mit RI-Präsident 2025/26 Francesco Arezzo und Babalolas Amtsnachfolger Larry Lunsford aus den USA betritt er die Bühne, und alle drei schwingen die Flaggen ihrer Länder. Mit erhobenem Haupt tritt Babalola einen Schritt nach vorn. Seine glitzernde Kappe zeigt die Farben seines Landes.

„Man hört viel Schlimmes über Nigeria, aber heute erzählen wir eine gute Geschichte“, sagt er später mit vor Rührung belegter Stimme. „Die Flagge dieses Landes wird vor Menschen guten Willens gehisst – vor guten Menschen aus mehr als 100 Ländern und für einen guten Zweck.“ Ab dem 1. Juli wird Babalola sie anführen.

Verantwortung als ältestes Kind

Sein Weg an die Spitze begann schon früh. Als ältestes von sechs Kindern wurde er in Ibadan, einer der größten Städte Nigerias, geboren. Seine Mutter war Lehrerin und sein Vater Buchhalter. „In meiner Heimat trägt das älteste Kind eine gewisse Verantwortung“, sagt er.

Er studierte an der damaligen Federal University of Technology in Bauchi im Norden Nigerias. Der PR-Direktor der Universität, Mitglied im RC Bauchi, fragte Babalola im zweiten Studienjahr, ob er einen Rotaract Club mitgründen würde. Babalola wurde Gründungspräsident des Clubs.

Man hört viel Schlimmes über Nigeria, aber heute erzählen wir eine gute Geschichte

Olayinka H. Babalola

Nach Abschluss seines Ingenieursstudiums absolvierte er seinen einjährigen Dienst im National Youth Service Corps. Babalola wurde nach Port Harcourt im Bundesstaat Rivers geschickt und trat dort dem Rotaract Club in Trans Amadi bei.

Nach seinem Pflichtdienstjahr fand Babalola eine Anstellung bei der nigerianischen Niederlassung des Ölkonzerns Shell. Obwohl erst Mitte 20, wurde ihm sein Rotaract Club langsam zu klein. Er verdiente mehr Geld als andere in seinem Alter und glaubte, dass der nächste logische Schritt der Beitritt zu Rotary sei, um sich von erfolgreichen älteren Mitgliedern inspirieren zu lassen. „Ich suchte einen Ort für meine Ambitionen“, sagt er.

Er besuchte ein Treffen des RC Trans Amadi und erklärte seine Absicht, dem Club beizutreten. Die Clubmitglieder reagierten mit Unverständnis. Ein Mitglied rief empört: „Was stimmt mit diesem jungen Mann nicht? Glaubst du, so wird man Mitglied bei Rotary?“ Ein anderer Rotarier erklärte sich jedoch bereit, ihn zu sponsern und wurde später ein Mentor. „Hätte dieser Mann sich nicht für mich eingesetzt, stünde ich vielleicht jetzt nicht hier“, sinniert Babalola. „Vielleicht hätte ich Rotary für immer den Rücken gekehrt: Schluss, Punkt, aus.“

Über Rotary lernte Babalola auch seine Frau Precy kennen, die als erste Frau dem Rotaract Club ihrer Universität in Port Harcourt vorstand. Als ihre Kinder klein waren, trat sie aus Rotary aus und 2018 wieder ein. Heute ist sie Rechtsanwältin und Mitglied im Rotary Club Port Harcourt Passport.

Voller Tatendrang

Es ist Mittag. Rund ein Dutzend Governor elect sitzen an einem von Floridas Sonne überfluteten Konferenztisch. Sie tauschen Visitenkarten aus und warten auf Babalola. Ihre Distrikte liegen in den letzten Gebieten, in denen weiter gegen Polio gekämpft wird. Das ist sein Motivationsmeeting, mit dem er diese Governor elect um sich scharen und ihnen zeigen will, wie ernst es ihm mit der Ausrottung der Kinderlähmung ist.

Er beginnt mit leiser Stimme, sodass man sich vorbeugen muss, um ihn zu verstehen. Nachdem er die volle Aufmerksamkeit aller hat, wird er lauter und lebhafter:

„Stellen Sie sich vor, auf der Rotary Convention wird verkündet, dass es keine Polio-Fälle mehr gibt und dass dieser Erfolg dieser Gruppe von Governorn hier am Tisch zu verdanken ist!“

Anschließend herrscht eine ausgelassene Stimmung im Raum. „Wir freuen uns riesig auf seine Präsidentschaft“, sagt Shahzad Sabir, Governor elect von Distrikt 3271 in Pakistan. „Er weiß um die Probleme vor Ort. Er weiß, was Engagement bedeutet. Er weiß, was wir brauchen.“

Nach seiner Governor-Tätigkeit stieg Babalola schnell in den Reihen von Rotary auf. „Ich sah ihn schon damals als aufstrebendes Talent“, sagt Bryn Styles, der Babalola während dessen Zeit als Governor kennenlernte, als er selbst RI-Direktor elect war. Jetzt ist er der persönliche Assistent Babalolas.

2017 bereitete sich Babalola auf seine eigene Amtszeit als RI-Direktor vor, die zufällig in dasselbe Jahr fiel, in dem Sam F. Owori aus Uganda die RI-Präsidentschaft übernehmen sollte. Owori starb noch vor Amtsantritt an den Komplikationen einer Operation. Babalola und Owori hatten bereits Pläne für ihre gemeinsame Zeit im Zentralvorstand geschmiedet. Nun lag es an Babalola, diese umzusetzen. „Das war keine leichte Zeit für mich“, sagt er, „aber eine wichtige Wachstumsphase.“

Einer dieser Pläne betraf das Mitgliederwachstum in Afrika. Zum Zeitpunkt von Oworis Ableben zählte Afrika 29.000 Rotarier. Heute sind es 48.000. „Yinka und die Mitgliedschaft sind untrennbar miteinander verbunden“, sagt Past-Governorin Virginia Major aus Port Harcourt, deren Mentor Babalola war. „Du liebe Güte, er macht einen nahezu wahnsinnig mit der Mitgliedschaft. Er nennt dir Zahlen: Da müssen wir hin. Das müssen wir erreichen, und das schaffen wir auch. „Ich nenne ihn den Vater der Mitgliedschaft in Afrika.“

Nachhaltige Wirkung

Nach dem Fahnenappell eilt Babalola hinter die Bühne und wartet, während sein Assistent Styles ihn vorstellt. Babalola tauscht seine grün-weiße Kappe gegen eine andere aus demselben Stoff wie die Krawatten und Schals des Präsidenten, die den Governorn elect nach der Vormittagssitzung übergeben werden. Jemand findet zufällig ein Einstecktuch aus genau diesem Stoff. Babalola steckt es sich gerade in die Brusttasche, als Styles seinen Namen verkündet. Dann schreitet er auf die Bühne.

Auf seine Erzählung, wie er zu Rotary kam, reagiert das Publikum mit lautem Beifall. Er spricht über die Wirkung des von der Rotary Foundation finanzierten Großprogramms „Together for Healthy Families in Nigeria“ für eine bessere Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern. Und er verkündet feierlich und mit weit ausgebreiteten Armen die diesjährige Präsidenten-Botschaft „Create Lasting Impact“ und badet im Jubel der Menge, die aufspringt und Fotos knipst.

Babalola mag zwar erst der zweite Präsident aus Nigeria und der zweite aus Afrika sein, doch wird er getreu den Werten von Rotary auf seinen Reisen den Frieden und das Verständnis für das Volk eines Landes jenseits der Schlagzeilen fördern. Er selbst wird bei Rotary und der ganzen Welt eine nachhaltige Wirkung erzielen.

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