Distrikt 1890

„Die Ukraine soll in den Herzen aller klingen“

von Can Özren | 
 |  Lesezeit: 2 Minuten

Sechs geflüchtete ukrainische Musikerinnen erzeugten bei mehr als 250 Zuhörern in der Eckernförder St. Nicolai-Kirche hohe Emotionen.

Olena Tsurkan, Hanna Mokanu, Viktoriia Kravets, Kateryna Suprun, Jevheniia Zeziukova und Olga Driva bescherten den Zuhörern auf Einladung des RC Eckernförde einen Konzertabend von hoher musikalischer Qualität mit viel ukrainischer Seele. Ihr fein abgestimmtes Programm mit zwei Bach- und Vieuxtemps-Soli und drei Duetten für Violine und Cello von Ludwig van Beethoven, Reinhold Gliere und Victoria Poleva im ersten Teil ließen die Gäste andächtig und innerlich bewegt mitgehen. Höhepunkt war das Stück "Gulf Stream" der ukrainischen Komponistin Victoria Poleva, einer bekannten, in großer Harmonie der Instrumentalisten gespielten Komposition. Ein bewegender Ohrenschmaus, den die Zuhörer mit tosendem Applaus belohnten.

Werke von Barvinsky

Nach der Pause ging es ukrainisch weiter mit Werken von Vasyl Barvinsky (1888-1963) und der erst kürzlich verstorbenen Hanna Gavrilats (1958-2022). "String Quartett", "Pray" und "To Maria" hießen die zu Herzen gehenden Kompositionen. Schon früher erwiesen sich die Machthaber in Sowjetrussland – diesmal Stalin – als brutale Tyrannen, die willkürlich Menschen einsperrten, zu denen auch Barvinsky gehörte. Zehn Jahre war er hinter Gittern, seine Werke hatte das Regime vernichtet. Aber nach seiner Entlassung aus der Haft komponierte er neu.

Symbol der Hoffnung

Zum Schluss gab es stehende Ovationen für die sechs Musikerinnen, die erst nach ihrer Flucht in Berlin zueinander gefunden haben. Vier von ihnen sind verheiratet und haben Kinder, ihre Männer kämpfen an der Front. Der Organisator, Freund Hellmut Cramer, überreichte ihnen zum Dank für ihr Konzert die ukrainischen Nationalblumen — Sonnenblumen gelten dort als ein Symbol der Hoffnung — und verband damit seinen Wunsch, dass die Sonnenblumen in der Ukraine möglichst bald wieder ohne Krieg wachsen mögen. Es sei schön gewesen, einmal andere Töne aus der Ukraine zu hören, als die permanenten Einschläge russischer Raketen und Bomben, betonte Cramer. Violinistin Hanna Mokanu ergänzte: "Mit der Sprache der Musik möchten wir der ganzen Welt mitteilen, dass es wichtig ist, an die Ukraine zu denken und nicht zu vergessen, wie wichtig uns Ihre Unterstützung ist. Die Ukraine soll in den Herzen aller Menschen erklingen."

Die Rotarier hatten das Konzert zum offiziellen Meeting erklärt. Sie übergaben am Ende die erzielte Spendensumme in Höhe von Euro ohne Abzüge den Musikerinnen, denn der Club hatte die mit dem Konzert verbundenen Kosten übernommen.

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