Geld: Looman!Forum

Friede dem Depot, Krieg den Kosten!

von Volker Looman | 
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Geld: Looman! Volker Looman macht keine halben Sachen. Der langjährige FAZ-Autor spricht Missstände klar an und rechnet vor, wie es besser geht – in der einzigen Finanzkolumne für Best Ager. Nur hier im Rotary Magazin

Liebe rotarische Freunde! Im vorletzten Heft habe ich Ihnen gezeigt, wie das Vermögen bilanziert wird. Und im jüngsten Heft habe ich Vorschläge gemacht, wie das Vermögen umgebaut werden kann, falls Lücken in der Versorgung bestehen. Ich habe vorgeschlagen, den Immobilienbestand zu reduzieren, Schulden zu tilgen und ein Depot mit Anleihen und Aktien aufzubauen. Es geht um 750.000 Euro, die in Anleihen angelegt werden sollen, und 1.500.000 Euro, die in Aktien investiert werden sollen. Nun wird’s ernst, liebe Leser: Wie würden Sie dieses Vorhaben umsetzen? Sollten auch Sie ratlos sein, dann will ich Ihnen drei Wege zeigen, wie es gelingen könnte, und ich möchte Sie vor zwei „Abwegen“ bewahren, weil diese Lösungen pure Verschwendung sind.

Der erste Weg ist die klassische Vermögensverwaltung. Sie gehen zu Ihrer blauen, gelben oder roten Hausbank und beauftragen die Damen und Herren, insgesamt 2.250.000 Euro zu 40 Prozent in Anleihen und 60 Prozent in Aktien anzulegen. Genauso können Sie diesen Auftrag einem freien Vermögensverwalter erteilen. In meinen Augen ist es Jacke wie Hose, wohin Sie gehen, weil die Herrschaften nicht mehr wissen als Sie. Mir ist bewusst, dass die Aussage starker Tobak ist, doch an der Wahrheit, dass kein Mensch die Zukunft kennt, führt nun mal kein Weg vorbei. Die Verwalter werden das Geld vermutlich in 15 Anleihen und 30 Aktien stecken und zusammen mit Ihnen hoffen, dass die Sache irgendwie gut gehen wird.

So ungewiss die Zukunft ist, so sicher sind die Kosten der Dienstleistung. Die klassische Verwaltung des Vermögens kostet pro Jahr ein Prozent des Depotwertes. Hinzu kommt die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 Prozent, sodass Sie jedes Jahr mit 1,19 Prozent zur Kasse gebeten werden. 2.250.000 Euro mal 1,19 Prozent sind 26.775 Euro, und wenn Sie zehn Jahre bei der Stange bleiben, dann werden 267.750 Euro zusammenkommen. Vermutlich wird die Summe noch höher sein, weil der Wert des Depots steigen wird, doch wir sollten uns nicht in Petitessen verlieren. Die gute Viertelmillion ist der erste Richtwert.

Das ist natürlich mit der Gefahr verbunden, mit der einen oder anderen Anlage richtig auf die Nase zu fallen, doch wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen

 

Kommen wir zum zweiten Weg. Sie drücken die 2.250.000 Euro einem Makler oder Vermittler in die Hand, der Ihnen von einem Freund empfohlen worden ist. Dagegen ist nichts zu sagen, wenn man davon absieht, was der „Fachmann“ mit dem Geld machen wird. Der Kaufmann wird das Geld in Investmentfonds stecken. Bei dem Transfer der 750.000 Euro in Anleihen fällt ein Agio von 2,5 Prozent an, und bei der Überweisung der 1.500.000 Euro in Aktien liegt das Aufgeld bei fünf Prozent. Das sind schon mal 93.750 Euro, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Das Geld wird dem Vermögen entnommen, sodass nur 731.250 Euro in Anleihen und 1.425.000 Euro in Aktien angelegt werden. Darauf fallen jährliche Verwaltungsgebühren von einem beziehungsweise zwei Prozent an. Im Laufe eines Jahrzehnts summieren sich die Spesen auf 358.125 Euro. Und wenn Sie die Aufschläge hinzuzählen, werden Sie bei effektiv 451.875 Euro landen. Das ist doch ein nettes Sümmchen – oder nicht?

Es geht aber noch einen Zacken schärfer, liebe Leser. Es gibt Banken und Verwalter, die sich auf die fondsbasierte Vermögensverwaltung (FVV) spezialisiert haben. Hier erteilen Sie der Bank oder dem Verwalter den Auftrag, die 2.250.000 Euro nach bestem Wissen und Gewissen anzulegen. Die Empfänger verwalten aber nicht, sondern lassen verwalten. Sie schieben das Kapital in Investmentfonds weiter. Folglich haben Sie zwei Verwalter am Hacken, und ich kann Ihnen nicht sagen, wer arbeitet und wer zuschaut. Ich muss Ihnen jedoch sagen, dass Sie zwei Verwalter bezahlen. Das ist die Bank oder der Verwalter, und das sind die Verwalter der Investmentfonds. Die ersten kosten 1,19 Prozent pro Jahr, und die zweiten machen es für ein beziehungsweise zwei Prozent pro Jahr. Und das sind unter dem Strich, also im Laufe von zehn Jahren, stolze 642.750 Euro.

Ziehen wir das erste Fazit

Sie wollen 2.250.000 Euro anlegen, um in Ruhe „steinalt“ werden zu können. Leider machen Sie sich Sorgen um Ihr schönes Geld, und Sie haben Angst, die Summe selbst anzulegen. Ich habe größtes Verständnis für diese Nöte, und ich schüttle nicht den Kopf, dass Sie die Last in andere Hände geben wollen. Ich kann mich nur wiederholen: Die vermeintlichen Experten haben keine Ahnung, was in Zukunft passieren wird, und aus diesem Grund kann ich Sie nur warnen, den zweiten oder dritten Weg zu beschreiten. Stattdessen wünsche ich Ihnen viel Mut und noch mehr Zuversicht, dass sich die Welt auch in 50 Jahren weiterdrehen wird, wenn Sie schon längst nicht mehr an Bord sein werden.

Was halten Sie von der Idee, die Anlage der 2.250.000 Euro selbst in die Hand zu nehmen? Bestimmt wissen Sie, was Indexfonds sind. Das sind Investmentfonds ohne Verwaltung, weil die Zusammensetzung einem breiten Index wie dem amerikanischen Dow Jones oder dem deutschen Dax folgt. Die Indexfonds haben in den vergangenen Jahren einen wahren Siegeszug angetreten, weil die Gebühren so niedrig sind. Folglich ist es kein Wunder, dass Sie diese Produkte bei der Hausbank nur bekommen, wenn Sie mit dem Abzug des Geldes drohen.

Zur Person: Volker Looman

Jahrgang 1955, ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Berlin. Er hat 35 Jahre für die FAZ gearbeitet. Nun schildert er im Rotary Magazin jeden Monat, wie der (Un-)Ruhestand vermögender Pensionäre und Rentner in finanzieller Hinsicht einfach, rentabel und sicher gestaltet werden kann.

volkerlooman.de

Der vierte Weg beginnt mit dem Gang zu einer Direktbank, wo Sie ein Depot eröffnen. Anschließend überweisen Sie das Geld, im vorliegenden Fall die 2.250.000 Euro, auf dieses Depot. Und zum Schluss kaufen Sie sich drei Indexfonds mit Anleihen und sechs Indexfonds mit Aktien. Die neun Käufe kosten 629 Euro und zehn Cent. Die Verwaltung der Indexfonds kostet im Schnitt etwa 0,25 Prozent pro Jahr. Das sind im Laufe von zehn Jahren insgesamt 56.250 Euro, sodass diese Form der Verwaltung „nur“ 56.879 Euro kostet.

Noch günstiger wird es, wenn Sie „richtiger“ Investor werden. Sie kaufen sich 15 Staatsanleihen à 50.000 Euro und 30 Aktientitel à 50.000 Euro. Das ist natürlich mit der Gefahr verbunden, mit der einen oder anderen Anlage richtig auf die Nase zu fallen, doch wer nichts wagt, kann auch nichts gewinnen. Der Kauf der 45 Papiere ist auf alle Fälle ein wahres Schnäppchen. Er kostet 70 Euro pro Titel, sodass Sie mit 3150 Euro dabei sind. Ich bin gespannt, für welchen Weg Sie sich entscheiden werden. Mein persönlicher Favorit sind die Indexfonds.

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