Nimm 1 – bring 2

Standpunkt: Theoretisch sollte der Übergang von Rotaract zu Rotary kein Problem sein. In der Praxis jedoch ergeben sich – nicht nur, aber auch – aufgrund der Nachwuchssorgen bei Rotaract neue Herausforderungen
Als Governor wurde ich während meiner Clubbesuche von Rotary-Mitgliedern gern gefragt: „Wie finden wir neue und vor allem junge Mitglieder?“ Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand: bei Rotaract. Aber bis heute gibt es Clubs, die sich entweder dem Thema Rotaract komplett entziehen („Brauchen wir nicht, sollen sich andere drum kümmern“) oder nur 30-jährige CEOs vorlassen. Finde den Fehler! Aber ja, bei der Mehrheit der Clubs hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Rotaract-Mitglieder fast immer hochengagiert und motiviert sind und sich in der Welt von Rotary International häufig besser auskennen als manch altgediente Mitglieder.
Auch dank der Möglichkeit einer parallelen Mitgliedschaft bei Rotary und bei Rotaract sind die Übergangshemmschwellen gesunken, beide Seiten haben genügend Gelegenheiten, sich kennenzulernen. Eine rotarische Laufbahn ohne „Bruch“ ist damit viel besser erreichbar. Allerdings, ob parallele Mitgliedschaft oder nicht: Es wäre wünschenswert, wenn Rotary Clubs nicht versuchten, Rotaract-Mitglieder zu früh „abzuwerben“ beziehungsweise für ihren Club zu vereinnahmen. Warum? Den Rotaract Clubs darf nicht die Basis wegbrechen, denn ihre engagierten Mitglieder sind naturgemäß genau diejenigen, die die Ämter im Club, im Distrikt oder auf Deutschlandebene bekleiden.
Rotaract Clubs darf nicht die Mitgliederbasis wegbrechen
Rotaract Clubs stehen vor den gleichen Herausforderungen wie Rotary Clubs. Um nicht zu überaltern oder zur Karteileiche des Rotaract-Clubregisters zu werden, müssen sie sich rechtzeitig um Nachwuchs kümmern. Aufgrund der Fülle von Angeboten, die die heutige Gesellschaft jungen Leuten bietet, wird es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden und für die Mitarbeit in einem Rotaract Club zu begeistern.
Machbar. Oder nicht?
Die Idee zur Initiative „Nimm 1 – bring 2“ ist, dass Rotary Clubs für jedes neue Mitglied, das von Rotaract zu ihnen wechselt, zwei neue Mitglieder für den „verlassenen“ Rotaract Club werben sollen. Da die Rotary Clubs oft sehr gut in den Gemeinden vernetzt sind und die Rotary-Mitglieder über gute Verbindungen in Beruf und Freizeit verfügen, sollte das doch machbar sein. Die Aufgabe, die Mitgliederbasis von Rotaract Clubs zu stärken und zu erhalten, ist dabei nicht nur die Pflicht des Patenclubs, sondern aller Rotary Clubs in der Stadt beziehungsweise Region. Idealerweise schafft man es auch mit gemeinsamen Veranstaltungen und Projekten, neue Rotaract-Interessenten kennenzulernen und zu begeistern. Ein schönes Vorhaben für das frisch angebrochene Rotary-Jahr 2026/27.
Pflicht zur Aufnahme verhindern
Immer wieder wird diskutiert, ob wechselwilligen Rotaract-Mitgliedern ein Recht auf Mitgliedschaft in einem Rotary Club eingeräumt werden soll. Ich habe dies mit Blick auf die Autonomie der Clubs bei der Aufnahme von Neumitgliedern immer abgelehnt. Es hat sich aber leider in letzter Zeit gezeigt, dass selbst hochengagierten und motivierten Rotaract-Mitgliedern der Übertritt mit fadenscheinigen Begründungen verweigert wurde. Das ist katastrophal. Für Rotaract-Mitglieder sollte es bei der Aufnahme ein vereinfachtes Aufnahmeverfahren geben, bei dem das bereits bei Rotaract gezeigte Engagement eine tragende Rolle spielt. Nur so können wir verhindern, dass uns das Heft von Rotary International aus der Hand genommen und die Pflicht zur Aufnahme im Code of Policies vorgeschrieben wird.
Zur Person:
RC E-Club Bavaria International / ist Rotaract- und Interact-Beauftragter des DGR und Past-Governor 2022/23 D1841
























