Titelthema

Zu blöd für KI?

von Frank Meik | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Wie die digitale Zukunft aussieht, hängt von uns selbst ab. Wenn wir sie gestalten wollen, müssen wir lernen, souverän mit künstlicher Intelligenz umzugehen

Was die Zukunft angeht, erwarten die einen, dass künstliche Intelligenz (KI) fast alle Bereiche, die der Mensch heute noch regelt, übernehmen wird. Sie sprechen von einer friedlichen Koexistenz. Die anderen jedoch gehen davon aus, dass KI ein neues Wesen erschaffen kann, das die Kontrolle über die Menschheit nicht nur übernimmt, sondern diese domestiziert und überflüssig macht.

Der Wettbewerb um die neuen Technologien wird weltweit mit hoher Intensität und Wucht betrieben – außer in Deutschland. Unsere Technikfeindlichkeit und unser Nichtverstehen der Folgen der Nutzung neuer Technologien hat dazu geführt, dass wir aus Angst viele Regelungen treffen, ohne zu verstehen, welche Entwicklungen uns nutzen und welche uns schaden.

Dabei hat inzwischen fast jeder begriffen, dass KI der Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung ist und großen Nutzen bieten kann. Aber es gibt auch Risiken. Der Einsatz von KI etwa bei Social Media führt zu fehlender Erkennbarkeit von Fake News. Dies kann in einer Demokratie verheerende Auswirkungen haben. Die Jugendlichen und unter 30-Jährigen beziehen nämlich im Wesentlichen ihre Informationen über soziale Netzwerke. Auch für die Arbeitsplätze hat der Einsatz von KI Konsequenzen. In allen Feldern, in denen eine KI Aufgaben von Menschen übernimmt, haben diese weniger und am Ende eventuell keine Arbeit mehr. Alle, die diese Veränderungen nicht verstehen, werden an den neuen Rahmenbedingungen scheitern.

Schon die Tiefen des Internets hat unsere Gesellschaft nie durchdrungen, insbesondere was die sogenannten sozialen Medien angeht. Hier wird nicht nur Meinung gemacht, hier werden auch personenbezogene Daten abgezogen. Jeder, der dieses Vorgehen hinterfragt, wird als „technikfeindlich“ abgestempelt.

Angst bekommen in Deutschland mittlerweile viele, weil sie die Gefahren von Social Media bei ihren Kindern beobachten. Denn im digitalen Raum braucht man eben genauso Regeln wie im analogen Raum. Es ist bequemer und einfacher, andere für die Social-Media-Kompetenz verantwortlich zu machen, zum Beispiel Lehrer, als selbst die Kinder zu erziehen. Dabei zeigt kaum ein Erwachsener Vorbildcharakter im Umgang damit. Auch die Erwachsenen müssen lernen, digital souverän zu handeln, und dies in der Erziehung zum wichtigen Thema machen.

Es geht um nichts als Geld

Mittlerweile hat aber auch der Letzte eingesehen, dass die Webkonzerne nur ein Interesse haben: Geld. Während unsere privaten, nationalen und regionalen Medien wirtschaftlich an den Rand gedrängt werden, fließt das Gros der deutschen Werbeetats in die Kassen der Webgiganten. Ganz zu schweigen davon, dass diese US-Konzerne unsere Infrastruktur nutzen und keine Steuern zahlen. Den Webkraken ist letzten Endes jedes Mittel recht. Nachdem sie uns systematisch unserer Daten beraubt haben, machen sie uns jetzt zu Opfern der künstlichen Dummheit der Maschinen. Mit unseren persönlichen Informationen werden Computer gefüttert zum Training. Dies hat nur einen einzigen Sinn: Die großen Plattformbetreiber wollen noch besser verstehen, wie der Mensch tickt, und die KI soll so lernen, menschlicher zu erscheinen und mehr Nähe zu zeigen. Und mehr Geld scheffeln.

Wir befinden uns in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite benötigen wir KI für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Auf der anderen Seite verlieren wir den sozialen Zusammenhalt und die freie Meinungsbildung dank der asozialen Medien. Wie sollen wir damit umgehen? In der ach so leichten digitalen Scheinwelt selbstständig und eigenverantwortlich zu bleiben, ein denkender Mensch, ist nicht einfach. Aber ist dies nicht eine Verantwortung, der wir uns alle stellen müssen?

Auf dem Weg dorthin sollten wir unsere Technikfeindlichkeit ablegen und lernen, was digitale Sys-teme können, aber auch, was sie mit uns machen. Ein selbstbewusster Umgang und eine private digitale Souveränität sind hierfür Voraussetzungen.

Noch können wir unsere digitale Zukunft gestalten. Noch ist es nicht zu spät.

Frank Meik

(RC München-Harlaching) ist promovierter Jurist und seit 2005 geschäftsführender Gesellschafter des MW Verlags. Zuvor war er unter anderem Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH und Verlagsgeschäftsführer des Münchner Zeitungsverlages

Foto: Privat

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