Bröckedde

Rotarische Nutzung von KI

von Alexander Hoffmann |
| Lesezeit: 3 Minuten

Bröckedde liegt im Herzen Deutschlands – dort, wo Rhein und Donau in den schönen Bröckeddesee münden. Hier trifft sich im Bröckedder Hof der RC Bröckedde zum Meeting – jeden Mittwoch um 13 Uhr im Salon Hindenburg.

Rotary ist ja richtig Arbeit“, stöhnte Clubsekretär Sauerpfote, als er sich wieder mal mit dem Wochenbericht mühte. Ähnlich ging es den Freundinnen und Freunden, die über ihren Vorträgen brüteten.

Da kam Freund Hutzelwurm, ein Experte für künstliche Intelligenz (KI) an der Uni Bröckedde, gerade recht. Er hatte das Programm ChatGPT als Textgenerator weiterentwickelt, hin zu einer Sonderedition für den RC Bröckedde.

Sein Vorschlag, KI rotarisch zu nutzen, wurde begeistert aufgenommen. Fortan glänzten die Wochenberichte, zumal Hutzelwurm eine automatische „Optimierungskomponente“ integriert hatte. Aus acht Meetingteilnehmern wurden 80, höfliches Klatschen für einen dürftigen Vortrag wurde zum „Beifallsorkan“, ein grottenödes Gartenfest wurde zum „Highlight des Jahres“.

Auch das Niveau mancher Vorträge stieg, was den Clubintellektuellen Dr. Krümelein nicht überraschte. Aber wehmütig meinte er: „Eine Maschine bestimmt unser Clubleben.“ Zuspruch fand er nur bei Kassierer Knödler, der seine Beiträge weiter ohne Textroboter schrieb.

Dann gab Altpräsident Papke im Meeting einen Rückblick auf sein Leben. Im KI-gestützten Wochenbericht wurde er mit der bewegenden Passage zitiert, „wie ich bei der Fußball-WM 1954 das Tor zum 3:2 schoss“. Kurz darauf wurde der Silvestergruß von Präsident Pröpke publiziert, der Wort für Wort der letzten Silvesteransprache von Olaf Scholz glich.

Hutzelwurm erklärte das Malheur: „Diese Sprachmodelle erfinden gelegentlich etwas dazu, in der Fachwelt heißt das Halluzination. Sind halt Kinderkrankheiten.“

Dr. Krümelein witterte seine Chance. Er betreute für die Webseite des Clubs die Kurzporträts aller Mitglieder. Ganz ohne KI veränderte er Hutzelwurms Profil. Dabei halfen ihm seine natürliche Intelligenz und etwas, worüber der Textroboter nicht verfügte: ein Schuss Hinterhältigkeit.

Bald konnte man auf der Webseite lesen, dass Hutzelwurms Dissertation wegen massiver Plagiate unter Verdacht stand. Und dass er beim letzten Bröckedde-Marathon eine unerlaubte Abkürzung genommen haben soll. Der KI-Experte geriet in einen Shitstorm, wagte sich nicht mehr auf die Straße, geschweige denn in Meetings.

Entsetzt rief er Dr. Krümelein an: „Meine Abschlüsse an der Uni habe ich alle mit Auszeichnung und ohne jedes Plagiat erzielt. Und Marathon? Ich schaffe nicht mal einen 60-Meter-Lauf.“

Krümelein spendete treuherzig Trost: „Das ist ja furchtbar, lieber Freund, den Text werde ich sofort löschen. Wirklich schlimm, dass Ihr Programm wieder mal halluziniert hat.“ Hutzelwurm zog seine KI à la Bröckedde zurück und floh für eine Auszeit auf eine griechische Insel.

Im nächsten Meeting trafen sich Knödler und Dr. Krümelein. Der Kassierer flüsterte: „Will lieber nicht wissen, wie Sie das hingekriegt haben. Aber großes Lob, noch sind wir dieser Maschine über.“

Dr. Krümelein wiegte den Kopf: „Noch.“

Alexander Hoffmann

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