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30.000 km für die Kunst – und für Menschen, die Hilfe brauchen

 |  Lesezeit: 5 Minuten

228 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Nationen, 256 Auktionslose und ein Netzwerk, das Grenzen überwindet: Michael Schmidt-Ott bringt für eine Auktion Menschen und Kunst zusammen

Für die Benefizauktion des Rotary Clubs Wien-West hat Michael Schmidt-Ott über zwei Jahre hinweg Künstler besucht, sie vom Sinn der Auktion überzeugt, Kunstwerke gesichtet und gesammelt. Vom 1. bis 15. Dezember 2026 wird nun beim Dorotheum online geboten. Die Erlöse kommen vor allem dem CS Hospiz Wien zugute; drei ausgewählte Werke unterstützen das CS-Angebot „Nordlicht” für Menschen mit ME/CFS.

Große Reise

Ein kleiner roter Ford, immer neue Ateliertüren und mehr als 30.000 Kilometer im Auto durch Europa: Hinter dieser Auktion liegt eine Reise, deren wichtigste Stationen Begegnungen sind. Initiator und Kurator Michael Schmidt-Ott wollte die Kunstschaffenden kennenlernen, ihre Arbeitsräume sehen und die Werke gemeinsam mit ihnen auswählen. „Jeder Besuch ist ein bisschen wie Weihnachten“, beschreibt er die Vorfreude auf diese Treffen. Manchmal wartet eine bereits vereinbarte Arbeit auf ihre Abholung. Manchmal verändert das Gespräch den Blick auf die Kunst – und damit auch die Auswahl.

Allein in Berlin besuchte Schmidt-Ott 45 Ateliers in neun Tagen. Bei Ryo Kato nahe Berlin wurde aus einem Termin ein rund sechsstündiges Gespräch über Leben und Kunst. Zwischen Tee, Bildern und Erzählungen verging die Zeit. Immer wieder kamen die beiden auf eine Arbeit zurück: „Baum V“. Am Ende stand die gemeinsame Entscheidung für dieses Werk – und für den Kurator ein tieferes Verständnis der Malerei und des Menschen dahinter.

Dass selbst sechs Stunden noch zu übertreffen waren, zeigte der Besuch bei Andrea Damp. Schmidt-Ott hatte gefragt, ob er eine Stunde früher kommen könne. Die Hoffnung: einmal früher Feierabend. Im Atelier fiel ihm zunächst der auffallend saubere, frisch gestrichene Boden auf. Gerade die Farbspritzer und Arbeitsspuren auf Atelierböden interessieren ihn sonst besonders. Damp hatte den Fußboden jedoch eigens zu seinen Ehren gestrichen – für den „hohen Besuch“, wie sie ihm erklärte.

Nähe zu den Künstlern

Gemeinsam betrachteten sie mehrere Arbeiten und entschieden sich schließlich für „Abditory“. Später kam Damps Mann dazu, es gab Essen, und das Gespräch ging weiter: über Kunst, ihre Arbeit und die Idee der Auktion. Als sie wieder auf die Uhr schauten, war es ein Uhr nachts. Rund acht Stunden hatte die Begegnung gedauert, länger noch als bei Ryo Kato. Der frühe Feierabend war dahin. Geblieben war ein Abend, der zeigt, wie aus einem zunächst vereinbarten Kunsttermin persönliche Nähe entstehen kann.

Ganz anders die Abholung von Ryan Schneiders Onyx-Skulptur „Chameleon Complex“ in Brüssel. Das Werk war längst ausgesucht. Persönliche Gespräche mit Schneider in Brüssel und der Austausch per E-Mail waren vorausgegangen. Als Schmidt-Ott später von Wuppertal nach Brüssel fuhr, ging es ausschließlich um die Abholung. Übergabe und Verladen von Skulptur und Sockel dauerten nach seiner Erinnerung ungefähr sieben Minuten. Hinter diesem kurzen Moment lagen also längst die Gespräche und die Entscheidung für die Arbeit. Danach beanspruchte das Werk einen beträchtlichen Teil des Platzes im Auto.

In London wurde sogar die Straße zum Ort einer Kunstübergabe. David Hanley reiste eigens aus Manchester an; verabredet waren Künstler und Kurator an einer Bahnstation. Sie kamen von gegenüberliegenden Straßenseiten und trafen sich in der Mitte – Hanley mit dem Werk in der Hand. Er hatte es erst am Vorabend gemalt, die Farbe war noch feucht. Die Schutzfolie war mit Löchern versehen, damit das Bild atmen konnte. Nach der Übergabe gingen die beiden Burger essen. „Rehearsed: The Loverboy Study I“ heißt Hanleys Arbeit im Auktionskatalog. Hinter dem Eintrag steht die Erinnerung an eine Begegnung mitten in London.

Nicht allein

Dabei reicht das Projekt weit über die Reisen seines Kurators hinaus. Freunde bringen Werke aus anderen Ländern mit, Kontakte helfen bei Übergaben und Transporten, und das Rotary-Netzwerk trägt die Idee weiter. Wo eine Strecke nicht persönlich zu bewältigen ist, entsteht eine Lösung durch Zusammenarbeit. Kunstschaffende, private Spender, Galerien und Unterstützer tragen jeweils etwas bei: ein Werk, Zeit, eine Verbindung oder einen freien Platz auf einer Reise. Der Rotary Club Wien-West führt diese Beiträge in einer gemeinsamen Benefizaktion zusammen.

So wird „Service Above Self“ konkret. Internationale Freundschaft zeigt sich darin, dass Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Möglichkeiten für andere einsetzen. Die Auktion verbindet das Wissen und die Kontakte eines Kunstberaters mit der Bereitschaft vieler, mitzuhelfen. Auch die Künstlerinnen und Künstler geben etwas sehr Persönliches: Arbeiten, in denen ihre Zeit, ihre Gedanken und ihr Können stecken.

Der Hauptbegünstigte ist das CS Hospiz Wien. Unterstützt wird die Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung der Räume: Aus Doppelzimmern sollen Familienzimmer werden, in denen Angehörige übernachten können. Die Erlöse aus drei ausgewählten Werken von Gerardhi Mesía, Shoplifter und Tania Marmolejo sind für „Nordlicht” bestimmt, das Pflege- und Betreuungsangebot der CS Caritas Socialis für Menschen mit ME/CFS.

Viele verschiedene Werke

Die Auswahl umfasst Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und textile Arbeiten. Robert Böschs Bergfotografie „Jungfrau“ steht neben Bouke de Vries’ fragmentierter Skulptur „Disjointed satyr“, Gerardhi Mesías Handstickerei und Shoplifters Arbeit aus Kunsthaar. Unterschiedliche Materialien und Ausdrucksformen eröffnen ganz unterschiedliche Wege zur Kunst.

Für das Publikum öffnet sich damit ein doppelter Zugang: zu internationaler Kunst und zu den Menschen hinter den Spenden. Wer ein Werk ersteigert, nimmt eine Arbeit mit eigener Geschichte mit nach Hause – und ermöglicht zugleich Hilfe. Die vielen Wege durch Europa und über Ländergrenzen hinweg führen so zu einem gemeinsamen Ziel in Wien.


Auktion und Ausstellung

- Onlineauktion beim Dorotheum: 1. Dezember 2026, 10 Uhr, bis 15. Dezember 2026, 17 Uhr (Wiener Zeit)-
- Bundesrealgymnasium Hegelgasse, Eingang Schellinggasse 13, 1010 Wien
- Auktionszugang:
www.dorotheum.com/cshospiz
- Ausstellung: 17. November bis 2. Dezember 2026, täglich 12–19 Uhr
- Vernissage: 16. November 2026, 18–21 Uhr
- Informationen und Führungen:
www.fund-art.com
- Kontakt: Michael Schmidt-Ott –
michael@fund-art.com, +43 676 4217320

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