Convention-Tagebuch - Atlanta: Furioser Start

Sieben Länder sind die aktuellen Polio-Großspender, darunter Deutschland. Insgesamt geben sie 150 Mio. Dollar für die Ausrottung der Krankheit. Bill Gates verdreifachte die Summe mit seiner Stiftung. © Rotary Magazin

09.06.2017

Convention-Tagebuch 

Atlanta: Furioser Start

Sabine Meinert

Die große Convention mit den Feiern zum 100. Geburtstag der Foundation in Atlanta ist gestartet. Ein große Eröffnungsfeier hat die Rotarier in die richtige Stimmung gebracht und neugierig auf die nächsten Tage gemacht


 12.6.2017, 8.30 Uhr

Heute treffen sich die Rotarier, um über Polio zu sprechen. Zunächst gibt es ein kleines Vortreffen – Special Guest: Bill Gates. Sein Engagement im Kampf gegen Polio ist kein Geheimnis mehr.  Zusammen mit Vertretern aus sieben Ländern präsentiert er neue Spenden für den Kampf gegen Kinderlähmung. 

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Wrestler und Schauspieler John Cena präsentierte den Rotariern den hohen Gast – Bill Gates im Gespräch mit CNN- Moderatorin Ashleigh Benfield und RI-President John F. Germ

11.6.2017

Der Rest des Tages ist dem House of Friendship gewidmet. Zwischen den Ständen drängen sich tausende Rotarier aus mehr als 190 Staaten, um neue Arbeitsgruppen, Fellowships, Projekte oder einfach Rotarier kennenzulernen. Ein schwirrender Bienenkorb! Und eine große Ideenbörse...

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BILDERSERIE – WERFEN SIE EINEN BLICK INS HOUSE OF FRIENDSHIP IN ATLANTA!

11.6.2017, 10 Uhr

Wir sind schon in Rotary-Stimmung!
Wir sind schon in Rotary-Stimmung – sieht man doch, oder?

Die U-Bahnen in Atlanta sind für einen Sonntagmorgen ungewöhnlich voll. Die Angestellten der U-Bahn-Gesellschaft Marta haben sich drauf eingestellt: "Rotarier bitte direkt dort rüber gehen!" "Zur Rotary-Convention bitte direkt in die nächste Bahn einsteigen – eine Station bis zum Georgia World Congress Center!" Rufen Sie den Wartenden zu - 99 Prozent von ihnen sind tatsächlich Rotarier. Auch vor dem Convention Center sind Police Officer im Einsatz, um die Rotarier schnell und sicherüber die anliegenden Straßen zu bringen.

Auf den Gängen herrscht drangvolle Enge. Keiner will zu spät kommen. Spannend sieht die Mischung der Gäste aus: prachtvoll gekleidete Frauen aus dem Süden Afrikas, Männer mit indischen Turbanen, eine Gruppe deutscher Rotarier

Zum Auftakt erklingen ungewöhnliche Töne – eine Glocke wird übergeben, extra gegossen in Italien für Rotary. Eine indische Rotarierin erzählt von ihrem Leben als Polio-Erkrankte und wie sich alles änderte – mit der Hilfe von Rotary. Das versucht sie nun zurückzugeben. Beeindruckend. John F. Germ, RI-Präsident 2016/17, übergibt ihr eine Ehrung für ihren langjährigen Einsatz und wehrt ihren Dank ab: "Don't say we honor you – you honored us."

Im weiteren Verlauf können die Rotarier das Leben und die Familie von John F. Germ kennenlernen. Und eines seiner Kinder macht ganz deutlich: Sie sind ein Team und teilen die Vision von Rotary als gut funktionierender Organisation. John und Judy seien da einfach nur die Superstars inmitten der anderen. Germ selbst stellt noch einige seiner Herzensprojekte aus den letzten Jahren vor, bevor er die Convention eröffnet: "Welcome to Atlanta – let's celebrate."

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Jon F. Germ bei deer Eröffnung

Den Abschlusspunkt setzt fett und eindrücklich das Atlanta Pops Orchestra mit musikalischen Leckerbissen, hochklassigen Gesangseinlagen und einem Dirigenten, der jede Kneipe zum Super-Musikensemble formen könnte. Ein Klasse-Auftakt!

Und: Die Convention ist nun eröffnet!

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Bild mit Fahnen - für viele Rotarier zum Auftakt der Convention ein Muss!

10.6.2017, 21.30 Uhr

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Mahnwache im Kerzenschein

Nach einem Bluegrass-Konzert hat Rotary zu einer Art Mahn-Veranstaltung bei Kerzenlicht geladen. Als die Sonne untergeht, versammeln sich einige Tausend Rotarier im Centennial Olympic Parc. Dort hören Sie Geschichten von sexuellem Missbrauch, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Alle sehr berührend und keine länger als ein paar Jahre her.

Was kann man dagegen tun? Zumindest schon mal darauf aufmerksam machen, mit dem Finger drauf zeigen, sagen die Rotarier. Und entzünden für die Opfer viele Kerzen.


10.6.2017, 14 Uhr

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Holger Knaack leiete die Worksession zum Thema "Kontakthalten mit Alumnis".

Wie können wir besser mit den rotarischen Alumni in Verbindung bleiben? Wie können wir sie stärker interessieren und als Rotarier gewinnen? Holger Knaack, Vice Chair of the Convention Committee und deutscher Rotarier (RC Herzogtum Lauenburg-Mölln), wollte in einer der Sessions mehr wissen und vor allem eine Diskussion anstoßen. Dazu hatte er einige Rotarier um ihre Erfahrungsberichte gebeten. Dabei lief es häufig auf Kommunikation, Integration und Identifikation hinaus.

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Rotexer aus dem Distrikt 1860 gaben in der Session ihre Erfahrungen wider.

Jennifer Jones, RI-Vice-President, machte indes klar, dass den jungen Leuten auch der besondere Status von Rotary nähergebracht werden müsse. "If you wanna join a network - join Facebook. If you wanna join a quality network - join Rotary." Zudem müsse eines bei den Älteren ankommen: dass die Erfahrung der älteren Generation für die Zukunft gebraucht werde. Die Jüngeren allerdings seien nahezu unschlagbar in Aktionsmanagement. Künftig biete rotary.org zudem eine neue Datenbank für die Erfassung von Daten der Rotexer.


10.6.2017, 10.30 Uhr

Das House of Friendship wird eröffnet - eine Südstaaten-Sause, die die "Avenues" in der Halle mehr als füllte.

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"... declare the House of Friendship open!"

10.6.2017, 9 Uhr

Auf der Presidential Peace Conference wird ein hoher Gast erwartet: Amina J. Mohammed, Deputy Secretary General der Vereinten Nationen will die Rotarier motivieren, weiter für ihre Ziele einzutreten. Nachhaltigkeit und gleichwertige Lebensbedingungen für jedermann und überall seien wichtige Ziele und gleichzeitig Verpflichtung. Außerdem macht sie deutlich: "A world of peace is not possibible, if we leave somebody behind." Die Rotarier gehörten jedoch zu den besten Friedensbotschafter weltweit. Das mache ihre Arbeit so wichtig und verändere das Leben vieler Menschen.

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Amina J. Mohammed von den Vereinten Nationen mahnte die Rotarier, nicht nachzulassen in ihren Anstrengungen.

Mohammed rief dazu auf, weiter Verantwortung zu übernehmen und viele andere zu mobilisieren, über die Probleme in der Welt nachzudenken - Frieden, Menschenrechte, soziale Entwicklungen. Als weiteres Beispiel führte sie die Verunreinigung der Meere durch Plastik an. Zudem gehe es darum, die Jugend nicht länger der Arbeitslosigkeit zu überlassen, sondern jeden einzelnen aufzufangen. Auch Terroristen würden nicht als solche geboren, mahnte sie.

Rotarians seien für all das die richtigen Ansprechpartner endete sie, sie seien diejenigen, "to make a difference in anyones life".

Die UN-Vertreterin erhielt im Anschluss einen Paul-Harris-Fellow.


10.6.2017, 7 Uhr

Der Morgen zeigt sich von seiner glänzenden Seite – vor allem im Centennial Olympic Park, gleich hinter dem Convention Center. Beste Voraussetzungen für die Läufer des End-Polio-Now-Runs, ebenso für die Walker. Mehr als 800 haben sich aus dem Bett gemacht, darunter auch Masie aus Californien, die vor lauter Freude am Event ihren pinkfarbenen Tütü mitgebracht hat. Laurie aus Virginia macht das nichts – schließlich geht es um die gute Sache: End Polio Now.

Governor Frank Sonntag (D 1890) ließ es sich nicht nehmen, nicht nur dem Aufruf von RI-Präsident John F. Germ für den frühen Termin zu folgen, sondern auch eine ordentliche  sportliche Leistung hinzulegen: Er beendete das Rennen im Spitzenfeld.

Sehen Sie hier, wie die Läufer Atlanta in den neuen Tag schickten.

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EINFACH AUF DAS FOTO KLICKEN - BILDERSERIE VOM POLIO-RUN IN ATLANTA.

9.6.2017, 18.30 Uhr

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© Rotary International

Im House of Friendship wird noch fleißig gewerkelt. Dort, wo die offizielle Eröffnung und die General Sessions stattfinden sollen, müssen noch Stühle gestellt werden. Es gibt also noch einiges zu tun für die Gastgeber. Doch jetzt wird es langsam ruhiger im Georgia World Congress Center...

Die Convention-Teilnehmer verstreuen sich in ihre Quartiere oder auf den nahe gelegenen Food Court im CNN-Gebäude. Auch eine Gruppe Philippinos trifft sich dort und ist schon gespannt, wie es wird, wenn 2019 Hamburg die Gastgeber-Stadt für die RI-Convention sein wird. Die philippinischen Gastgeber sind schon fast überzeugt, noch einmal auf eine so lange Reise zu gehen ... 


9.6.21017, 14.30 Uhr

RI-Präsident Germ hat zur Peace Conference geladen. Mit dabei ist auch Bernice King, die Tochter von Martin Luther King. Was sie den Rotariern mit auf den Weg gibt, sorgt auch danach noch in kleinen Gruppen und weiter in den Workshops für Diskussionen: "Wir können nicht aufhören, um den Frieden zu kämpfen. Es reicht nicht, ein Land zu befrieden. Solange noch auf einem einzigen Landstrich in der Welt Krieg herrscht, gibt es keinen Frieden. Und schon gar nicht dauerhaft. Es gilt: Ganz oder gar nicht." Die Rotarier, die ich nach der Conference befrage, sind beeindruckt. Und wollen in ihren Heimatclubs künftig mehr für den Frieden tun - im Kleinen wie im Großen. Auch wenn sie im Moment noch gar nicht sagen können, wie.


9.6.2017, 11.30 Uhr

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"Ihr seid die Zukunft", machte Ian Riseley den Rotaractern deutlich.

Ian H. S. Riseley, der kommende RI-Präsident, besucht die Rotaracter. Er will die Zusammenarbeit forcieren. Der Übergang müsse zudem einfacher werden – und dürfe nicht länger anderen Service-Clubs zugute kommen: "I am urging you: If one club does not want to invite you -  look around and go to another club. By the way: You are needed." Er werde seinerseits für die stärkere und einfachere Aufnahme der jungen, aktiven rotarischen Familienmitglieder werben.

Riseley will auch die Interacter stärker an Rotary und Rotaract binden. Gleichzeitig sieht er Rotary weiterhin als nicht-politische Organisation. "Wir stehen auf keiner Seite, nur so konnten wir bisher das Meiste und Beste erreichen." 

Die Jungen in der rotarischen Familie lud Rotarier Bruce Goldsen später zur Presidential Peace Conference. Auch er war der Meinung: Rotaract rocks! Und das könne Rotary für alle seine Aktionen gebrauchen – gerade auch für die Zukunft.

Zum Schluss war noch Gelegenheit, in die Zukunft zu blicken: So luden die RACs aus Taiwan zur Interrota im Herbst ein und der Rotaract Club aus Toronto warb für die Pre-Convention 2018 in Kanada. 


9.6.2017, 10.45 Uhr

Wie bereitet man sich eigentlich als Rotaract-Amtsträger auf seine Aufgabe vor und was gilt es zu beachten? In den Workshops der Pre-Convention gab es hilfreiche Workshops. Manuj Mittal aus Indien, Jane Kwon aus den USA, Luma Karling Moreschi aus Brasilien und Jasmin Nimar aus Deutschland gaben Einblicke in ihre Arbeit: "Helfen, koordinieren, informieren, besser machen", fassen sie ihre Aufgabe als DRR, als Representatives für Rotaract, zusammen.

Jasmin Nimar, Nimar, Rotaract, Convention, AtlantaSie leiteten die Diskussion und kleinere Gesprächsrunden. Letztlich half aber auch mancher Zwischen-Einwurf von Rotariern: "Sucht Euch Mentoren in den Rotary Clubs, fragt sie, welche Zukunftsoptionen und Möglichkeiten sie Euch offerieren können und geht die Clubs um Unterstützung an." Auch die Governors könnten dabei Unterstützung geben.

Wichtiger Hinweis aus den Rotaracter-Reihen: "Start small – just as big as you can." Denn viele RACs haben nur eine Handvoll Mitglieder – und derzeit nur wenige Chancen, die eigenen Reihen zu verstärken.


9.6.2017, 10 Uhr

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Haben Frauen bei Rotary schlechtere Chancen? – Brittany vom RAC Berlin in der Fragerunde

Vor der Rotary Convention treffen sich jedes Jahr auch die Rotaracter. Als ich kurz bei ihnen vorbeischaue, spricht gerade RI-Präsident John F. Germ. Er will dass sich Rotaract und Rotary weiterentwickeln und viel stärker zusammenarbeiten als bisher. Vor allem aber sollten Rotary-Clubs ganz selbstverständlich Rotarier aufnehmen. Fragen der Rotaracter beantwortet er klar: "Ihr seid erwünscht in unseren Reihen." Brittany Arthur vom RAC Berlin wünscht sich mehr Frauen in den Clubs, damit es auch für weibliche Rotaracter attraktiver wird, einem RC beizutreten. Und Germ bekräftigt: "Sollte es tatsächlich Clubs und Rotarier geben, die Frauen in unseren Reihen bekämpfen, ich würde sie rauswerfen." Am Schluss berührt der scheidende RI-Präsident die jungen Leute noch mit seiner Antwort auf die Frage, was ihn jeden Tag von Neuem antreibt: "Das Leben mindestens einer Person zum Besseren zu verändern."

RI-Präsident John F. Germ berührte die Rotaracter mit seiner Art und verabschiedete sich herzlich.
RI-Präsident John F. Germ berührte die Rotaracter mit seiner Art und verabschiedete sich herzlich.

 9. 8. 2017, 9.15 Uhr

Am Convention Center ist alles ruhig - der Run kommt erst noch. Den Weg zum Georgia World Congress Center, der Convention-Location, habe ich zwischen all den Hochhäusern im Zentrum Atlantas allerdings nur gefunden, weil vor mir einige lokaler Rotarier ganz zielstrebig darauf zusteuerten. Ihre Outfits und das Rotary-Rad waren weithin sichtbar.Ein Gruppe ungarischer Rotarier machte es genauso: "Die wissen offenbar, wo es hingeht. Wir laufen einfach hinterher", lachen die Budapester.


9. 8. 2017, 8 Uhr

Das Frühstück im Hotel endet mit einer Überraschung: Obwohl ich nur noch ein Zimmer am Nordrand von Atlanta bekommen habe, bin ich nicht allein. Eine Gruppe aus Nigeria logiert hier auch, dazu ein philippinisches Rotarier-Paar. Und einige Briten haben sich auch dazu gesellt. Wir werden uns außer am Brötchenkorb und der Kaffeekanne auch im Convention-Center wiedersehen.

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Erste Convention-Bekanntschaften: Rotarier aus Abuja, Nigeria, und von den Philippinen

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Sabine Meinert
Die Journalistin Sabine Meinert arbeitet als Redakteurin für www.rotary.de. Sie war zuvor jahrelang im privaten und öffentlichen Rundfunk tätig, außerdem als Multimedia- und Online-Redakteurin für die Financial Times Deutschland.

Rotary Magazin 6/2017

Rotary Magazin Heft 6/2017

Titelthema

Tradition

Die Debatten um das Traditionsverständnis der Bundeswehr und über die Notwendigkeit einer deutschen Leitkultur werfen die Frage auf, auf welchem Fundament unsere Gesellschaft steht.

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