Markus Hengstschläger / RC Wien-West - Den Jahren Leben geben

Markus Hengstschläger:»?Naturwissenschaft ist mein Talent, ich habe nicht wirklich andere?« © Martin Vukovits/ Edition-O Wien

16.06.2014

Markus Hengstschläger / RC Wien-West

Den Jahren Leben geben

Heinrich Marchetti-Venier

Schon heute, mit Mitte vierzig, gilt er als genialer, aber auch konservativer Genetiker. Wie passt dies zusammen? Wichtig ist ihm der beste Fortschritt, aber mit dem richtigen Maß an Vernunft! Dafür tritt Hengstschläger als erfolgreicher Forscher ein, der sich stark an die Öffentlichkeit wendet. Liest man seine inzwischen fünf Bücher, übt er sowohl soziale Kritik als er zugleich Einsichten aufzeigt, um Lösungen zu setzen. Das bedeutet, dass ihm Gleichmacherei fremd ist wie er das Individuum als wesentlich erachtet – mit Hinwendung zu sozialer Kompetenz und Empathie, die sonst verloren geht. Nicht im stillen Kämmerlein sitzen, sondern seine Ansichten als Vordenker vehement zu kommunizieren ist seine Stärke. Die Studenten halten ihn für den besten Rhetoriker, der verständlich zur Sache kommt.

Humankapital im Überfluss
Seine Antworten: die Zeit nicht vertrödeln, den Kindern bereits von Beginn richtige Chancen weisen, ihre Talente erkennen, Berufswege mit Freude zu beschreiten und laufend auf seinen Körper zu achten – so schafft man es, „glücklich“ und alt zu werden. Und er weiß, dass „jedes zweite Kind heute einmal 100 Jahre wird. Wir wissen nichts über die Zukunft, aber es wird talentierter Menschen bedürfen, anstehende Probleme innovativ zu meistern, denn jeder ist auf seine Weise einzig und Elite. Humankapital ist es, was wir im Überfluss haben. Doch dieses Humankapital wird viel zu wenig gefördert. Es gilt vor allem diejenigen, die in der Lage sind, etwas Einzigartiges, Kreatives, nie Dagewesenes zu schaffen, nicht zu vernachlässigen.“

Begonnen hat alles im oberösterreichischen Mühlviertel, die Eltern Lehrer, der Vater bei seiner Geburt noch auf der halben Strecke zur Promotion und späterem Rechtsgelehrten an der Linzer Universität. Dieses Umfeld ist prägend. „Wenig zufriedenstellend“ die Betragsnote an der Mittelschule, weil bereits geistig umtriebig. Als Kind will er die Natur verstehen und macht seinen Weg, verlässt 1986 das Elternhaus und studiert im Railjet-Tempo das damals verpönte Fach Genetik. Er sagt von sich: „Naturwissenschaft ist mein Talent, ich habe nicht wirklich andere!“ Mit 24 Doktor und mit 29 außerordentlicher Universitätsprofessor, ein lebender Beweis, wie man die Zeit nutzen kann. Viele Branchen und Länder haben nun Interesse an Genetikern.

Geistige Mitstreiter gesucht

Er bleibt Österreich treu und verzichtet auf das hohe Einkommen. Er will die freie, universitäre Wissenschaft und die Arbeit mit den Patienten in Wien. Das menschliche Leben in jeder Form, von der Zelle bis zum Tod, wird sein Forschungsfeld. 2003 dann der Shootingstar aller Medien: Er hat die Stammzellen im humanen Fruchtwasser entdeckt, mit denen im Körper allerorten Regeneration möglich wird und gesundes Altern neue Bedeutung erhält. Stets kommt für ihn die Familie an erster Stelle. Mit ihr lebt er seit 1997 zu viert am Tirolerhof, in den Weinbergen um Perch­toldsdorf. Auch bei Reisen ist die Familie mit von der Partie. Ja, er kocht, fährt im Winter Ski, segelt im Sommer am Attersee, läuft zweimal die Woche, um sich fit zu halten. Rotary ist für ihn eine Schiene unter Freunden, um bei ihnen in Konferenzen oder Auftritten in Clubs geistige Mitstreiter zu finden. Zwischen der Arbeit geht er gerne ins Café Française und sagt, wenn er sich im Job auch vierteln muss: „Ich darf jeden Tag das machen, was mich am meisten freut!“

Zur Person:

Markus Hengstschläger wird am 28.4.1968 in Linz geboren. Verheiratet mit Frau Elke, Kinder Anna (14) und Max (17)

  • Beruf: Matura 1986 in Linz, Studium der Genetik in Salzburg und Wien, Magister 1990, Doktorat 1992. 1993/94 Forschung an der Yale Universität, 1995 Rückkehr nach Wien, Assistent und 1997 Habilitation. 2003 Professur an der Medizin-Universität Wien, 2009 Vorstand des Institutes für medizinische Genetik
  • Auszeichnungen: u.a. Erwin Schrödinger Stipendium für Yale 1993, Amersham Pharmacia-Preis/ Uppasala 1997, Clexo-(Krebsforschungs-)Preis/ Wien 2003
  • Öffentliche Tätigkeit: TV- und Radiomoderator sowie Verfasser von fünf Büchern wie "Die Macht der Gene" 2006, "Endlich-Unendlich" 2008, "Die Durchschnittsfalle" 2012, Vorträge im In- und Ausland
  • Forschungsgebiete: Grundlagenwissenschaft und Routinediagnostik im Bereich der medizinischen Genetik, monogenetische Erkrankungen, Reproduktionsgenetik, Stammzellenforschung, dabei wesentlich 2003 die Entdeckung der Stammzellen aus humanem Fruchtwasser, Bioethik.


 

Erschienen in Rotary Magazin 6/2014

Heinrich Marchetti-Venier

DDr. Heinrich Marchetti-Venier wurde in Oberösterreich geboren. Nach dem Abitur nahm er ein Studium des Lehramtes sowie der Geistes- und Naturwissenschaften an den Universitäten Salzburg auf, es folgten die Stationen, Wien, München, Bochum, Turin, Strasbourg und Washington. Anfangs Tätigkeit in der Raumordnung, später als Historiker und Privat-Gutachter sowie Autor. Er hatte lange Zeit das Amt des Distriktberichters für die österreichischen Distrikte D 1910 und 1920 inne. Heinrich Marchetti-Venier starb im November 2015.

Rotary Magazin 9/2016

Rotary Magazin Heft 9/2016

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