Uta Meyding-Lamadé, RC Saalburg-Taunus - Visite per Telemedizin

Prof. Dr. med. Uta Meyding-Lamadé © Matthias Schütt

15.10.2013

Uta Meyding-Lamadé, RC Saalburg-Taunus 

Visite per Telemedizin

Matthias Schütt

Wenn Chefärztin Uta Meyding-Lamadé ihre Patientin Dhania sehen will, geht sie in das eigens eingerichtete Telemedizinzentrum der Neurologischen Klinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main. Obwohl Dhania 12.000 Kilometer entfernt im ostasiatischen Sultanat Brunei lebt, wird sie optimal betreut. Über eine Internet-Standleitung gelang es der Frankfurter Neurologin und ihrem Team, gemeinsam mit den Kollegen am südchinesischen Meer die lebensbedrohliche Lupus-Erkrankung der Zwölfjährigen zu heilen.

Telemedizin ist nicht neu, in der Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten nutzt man sie schon länger. Was die Verbindung nach Brunei – das weltweit größte Telemedizin-Projekt – so einzigartig macht, ist ein geschlossenes Rechnernetz zwischen beiden Kliniken. Auf diesem Weg finden täglich gemeinsame Fallkonferenzen statt. Über die telemedizinische Brücke werden Patienten aus Brunei im Krankenhaus Nordwest vorgestellt, befragt und untersucht. Die nötigen Diagnoseinstrumente sind im dortigen Zentrum vorhanden. Sobald die Untersuchungsbefunde über den elektronischen Kanal verschickt sind, können sie auch in Frankfurt ausgewertet werden.

Uta Meyding-Lamadé ist promoviert, habilitiert, sogar geadelt – und doch vor allem eines: Ärztin aus Leidenschaft. So kümmerte sie sich persönlich wie um jeden anderen ihrer Patienten auch um den VIP, der 2009 mit einer Virusentzündung im Hirn eingeliefert wurde. In der Frankfurter Klinik kam der Patient aus Brunei in nur drei Wochen wieder auf die Beine, was in seinem Heimatland nicht möglich gewesen wäre. Akut-Neurologie war dort trotz guter medizinischer Versorgung bis dato unbekannt.

Sein Dank erfolgte in Form einer Einladung des Sultans, der aufmerksam zuhörte, was ihm die charmante Dame aus dem fernen Europa über ihr Fachgebiet erzählte. Und da Geld in dem Öl-Sultanat nicht die entscheidende Rolle spielt, war der Monarch sofort entflammt: Bauen Sie mir eine neurologische Klinik!

Anerkennung durch Adelstitel
Am liebsten hätte er sie gleich dabehalten, aber Frankfurt verlassen kam für die Mutter zweier Töchter nicht infrage. Und so entstand die Idee, via Telemedizin auch in Brunei präsent zu sein. Seit Mitte 2010 läuft der Klinikbetrieb dort, zunächst mit acht Betten, heute sind es 40. Parallel zum Klinikbetrieb hat Meyding-Lamadé mit einem internationalen Komitee ein Curriculum für die neurologische Facharztausbildung entwickelt und inzwischen auch eine Professur an der Universität in Brunei. Alle zwei Monate fliegt sie für eine Woche dorthin. Die Verleihung des höchsten Adelstitels, der durch Leistung erworben wird, zeigt die Wertschätzung für die außergewöhnliche Aufbauhilfe.

Die Träger-Stiftung des Frankfurter Krankenhauses Nordwest freut sich über eine medizinisch wie wirtschaftlich interessante Kooperation. Meyding-Lamadé schaut bereits darüber hinaus: „Das Brunei-Projekt zeigt, dass Deutschland nicht nur Autos verkaufen kann, sondern auch Wissen. In Asien ist ein riesiger Gesundheits-Wirtschaftsmarkt im Entstehen, Indien allein benötigt mindestens 2000 Kliniken für Akutneurologie.“ Doch Marktchancen interessieren sie eigentlich nur am Rande. Sie sieht ihre oft älteren Patienten und was die Telemedizin für sie tun kann. In einer Gesellschaft mit dynamisch wachsendem Pflegebedarf könnte die persönliche, interaktive Betreuung aus Praxis oder Klinik über den Fernseher vielen Patienten ermöglichen, länger selbstständig zu bleiben. Das hätte sie auch ihrer Mutter gewünscht, die sie in den letzten Lebensjahren bei sich zu Hause gepflegt hat.


 

Zur Person

 Uta Meyding-Lamadé:

  • geboren am 10.11.1961, wuchs in Stuttgart und Karlsruhe auf. Sie ist verheiratet mit dem Chirurgen Prof. Dr. Wolfram Lamadé, RC Überlingen; zwei Töchter, 17 und 19 Jahre alt.
  • Schon das Abitur war preiswürdig: Scheffelpreis für Literatur 1981. Nach einem Semester Literaturstudium, Wechsel zur Medizin nach Heidelberg; 1988 Ärztliche Prüfung, 1991 Promotion und Approbation.
  • Fachärztin für Neurologie 1999, Habilitation 2000, Professorin 2005. Im selben Jahr Ernennung zur Chefärztin der Neurologie im Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Seit 11/2012 Geschäftsführende Direktorin in Brunei. Seit Juli 2013 Ärztliche Direktorin in Frankfurt. Außerdem Leiterin eines Neuroinfektiologischen Forschungslabors an der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg.
  • Mit ihrem Ehemann Inhaberin eines Patents für einen Lamadétubus.

  • 2011 verlieh ihr der Sultan von Brunei den Adelstitel Datin Seri Laila Jasa.

 

Erschienen in Rotary Magazin 10/2013

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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