Rotarys Peace Fellows - Vier Antworten auf ein globales Drama

Rotary Peace Fellows helfen Flüchtlingen, ein neues Leben zu beginnen. © Flo Smith/NurPhoto/Corbis

25.03.2015

Rotarys Peace Fellows 

Vier Antworten auf ein globales Drama

Matthias Schütt

Nahezu 900 Akademiker und junge Berufstätige haben seit 2002 das Studium für Friedensforschung und Konfliktlösung in einem der Rotary Peace Centers absolviert, mit denen Rotary dem Bekenntnis zur Völkerverständigung ein konkretes humanitäres Fundament gegeben hat. Ein Arbeitsgebiet, das immer mehr Peace Fellows beschäftigt, sind die weltweiten Flüchtlingsströme. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg, so schreibt Brad Webber in seinem Bericht für den Rotarian (2/2015), stieg jetzt die Gesamtzahl der Flüchtlinge weltweit auf über 50 Millionen. Was die Wanderungsbewegungen besonders schwierig macht, ist die Tatsache, dass immer mehr Vertriebene sich auf unbestimmte Dauer in Lagern in fremden Ländern einrichten müssen. Umso wichtiger die Arbeit der Rotarys Peace Fellows. Webber hat vier von ihnen getroffen, die sich an unterschiedlichen Stellen bemühen, die Lage der Flüchtlinge zu verbessern.

„Wir sind Rebellen schutzlos ausgeliefert. Ich habe mir Malaria eingehandelt. Die Risiken hier sind nicht zu zählen“, beschreibt Mahmoud Ahmad, Mitarbeiter des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC) seinen Arbeitsalltag in Äthiopien. NRC ist eine weltweit tätige Nichtregierungsorganisation, die in dem jungen Somali einen Mitarbeiter mit vielfältiger Erfahrung gefunden hat. Als Zehnjähriger musste er 1988 seine Heimat im Bürgerkrieg verlassen, er kennt also aus eigener Erfahrung die Nöte und Traumen von Flüchtlingen. Seit dem Abschluss 2010 am Rotary Peace Center der Universität Bradford in England ist er für NRC tätig. Die Organisation kümmerte sich 2013 allein am Horn von Afrika und im Jemen um mehr als 100.000 Flüchtlinge. Ahmads Aufgabe ist u.a. die Entwicklung von Ausbildungskonzepten für Jugendliche aus Eritrea, Kenia, Somalia, Sudan und Südsudan, die Elektriker, Schweißer oder auch Schneider werden wollen. „Mit der Ausbildung gibst du ihnen Hoffnung, einmal auf eigenen Füßen zu stehen.“

Auch Noelle DePape aus Winnipeg/Kanada sah nach ihrem Abschluss 2005 an der Universität von Queensland/Australien ihre berufliche Zukunft in Flüchtlingslagern rund um die Welt, doch sie folgte dem Ruf nach Hause. Denn auch in Winnipeg, der Hauptstadt der Provinz Manitoba, stellt sich das Problem, immer neue Minderheiten zu integrieren. Neben indigenen Gruppen – Winnipeg hat die größte städtische indianische Bevölkerung in Kanada – sind dies Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak und anderen Ländern. DePape arbeitet für das Flüchtlingsbüro der Provinzverwaltung und kümmert sich präventiv um die Verständigung der Jugendlichen untereinander. „Wir hatten Gangs von Afrikanern und anderen Gruppen, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen wollten“, berichtet 35-Jährige. Ihre Antwort: Sommercamps mit Jugendlichen aller Ethnien, in denen Sport und Spiel, aber auch interkulturelle Themen auf dem Programm stehen. „Wenn Jugendliche erkennen, dass ihnen gleichermaßen kaputte Familien oder Schulprobleme zu schaffen machen, finden sich ganz schnell neue Freunde, jenseits von Rasse und Herkunft“, hat DePape erkannt.

Viele Flüchtlinge werden nicht nach Hause zurückkehren können, viele in Camps geborene Kinder nie eine andere Heimat kennenlernen, ist die Erfahrung der US-Amerikanerin Langan Curtney, die diesen Gestrandeten etwas Hoffnung bringt. Sie arbeitet in Malaysia für die US-Organisation International Rescue Committee, die ein Einwanderungscenter unterhält und jedes Jahr mehr als 10.000 Vertriebenen den dauerhaften Aufenthalt in den USA ermöglicht. „Allerdings erreichen nur weniger als ein Prozent aller Flüchtlinge die Aufnahme in einem Drittland“, schränkt Courtney ein, die 2012 das Rotary Peace Center an Chulalongkorn Universität in Thailand absolvierte. Weil sie selbst bei einem Unglücksfall fast die gesamte Familie verloren hat, sieht sie sich am richtigen Platz: „Ich kann mein Schicksal nicht mit dem der Vertriebenen vergleichen. Aber ich habe gelernt, dass Glück und Hoffnung doch möglich sind, auch wenn man Phasen durchlebt, in denen alle Hoffnung vergeblich erscheint.“

Von Japan nach Kenia hat es Etsuko Teranishi verschlagen, die nach dem Studium am Rotary Peace Center der Universität Queensland (2005-2007) heute für die International Organisation for Migration (IOM) in Nairobi arbeitet. Sie ist Ansprechpartnerin für traumatisierte Flüchtlinge, aber auch für Opfer von Naturkatastrophen aus dem Kongo, aus Äthiopien, Ruanda, Somalia und dem Südsudan. Unterricht und Arbeit zu geben und ebenso Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten, sind die Hauptaufgaben dort. Die Hauptzielgruppe der in Genf ansässigen IOM ins die Opfer von Menschenhandel. So kümmerte sich Teranishi in Nepal um eine Gruppe verschleppter Frauen, die nach ihrer Rückkehr von den Familien verstoßen wurden. Sie erhielten Hilfen, um kleine Gewerbe zu gründen und damit für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Am Ende gelang dann oft auch die Wiedereingliederung in Familien und Gemeinden.

Dies sind vier Geschichten aus einer Vielzahl weiterer, die die Rotary Peace Fellows erzählen können. Sie werden mit ihrer Arbeit vielleicht nicht die Welt verändern, aber für viele Flüchtlinge sind sie wichtige Helfer auf dem Weg in eine sichere Zukunft.

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

Rotary Magazin 9/2016

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