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Erfurt

Als Jüngster im Altclub

Erfurt - Als Jüngster im Altclub
Paul-Philipp Braun ist mit 22 Jahre derzeit Deutschlands jüngster Rotarier. © Elena Kaufmann

Rotary muss jünger werden. Der RC Erfurt hat das erkannt: Sein neuestes Mitglied ist zugleich der derzeit jüngste Rotarier Deutschlands

Patrick Shaw01.11.2018

Die Öffnung Rotarys für Nachwuchs ist keine Frage der Befindlichkeit, sondern des Fortbestehens. Und die drängt, liegt das Durchschnittsalter vieler (gerade europäischer) Clubs doch bereits über 70. Dabei integriert Rotary noch viel zu wenig die veränderten, für Altmitglieder oft fremden Lebens- und Arbeitswelten der Generation „U40“ sowie die natürlichen Partner Rotaract und Rotex. Wie das gelingen kann, zeigt der RC Erfurt. Das aktuell jüngste Mitglied des ältesten Clubs im Distrikt 1950 ist Paul-Philipp Braun. Der studierte Religionswissenschaftler und freie Journalist ist gerade einmal 22.

Herr Braun, wie sind Sie auf Rotary und der RC Erfurt auf Sie aufmerksam geworden?

Paul-Philipp Braun: Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr Teil der rotarischen Familie, in die mich damals der Rotaract Club meiner Heimatstadt Eisenach aufgenommen hat. Aus persönlichen und beruflichen Gründen wechselte ich später zum RAC Erfurt, wo ich wiederum mit den Erfurter Rotariern in Kontakt kam. Ich spürte aber, dass Rotaract für mich keine dauerhafte Heimat sein würde. Als mich dann der RC Erfurt fragte, ob ich mir vorstellen könne, in den Club zu kommen, war dies für mich eine Ehre und Chance.

Fühlen Sie sich zu jung für Rotary? Gibt es da Vorbehalte?

Braun: Offen gestanden ist es nicht immer leicht, jüngstes Mitglied im ältesten Club der Stadt zu sein. Ich denke aber, dass Rotary vor allem die Vielfalt der Berufe, des Alters und der Erfahrungen ausmacht. So kommt man ins Gespräch, pflegt die Freundschaft und arbeitet konstruktiv mit- und füreinander.

Warum sind Sie gern Rotarier?

Braun: Rotary ist mehr als ein Club oder Verein: Es ist eine Familie. Wo ich auch hinkomme, irgendwo trägt immer ein Freund oder eine Freundin die Rotary-Nadel, und sofort entstehen ein Gespräch und eine besondere Ebene des Miteinander.

Welche Impulse können junge Rotarier in die rotarische Gemeinschaft einbringen?

Braun: Ich denke, dass wir Jungen – und manchmal noch etwas Wilden – die Zukunft Rotarys aktiv mitgestalten können und müssen. Unsere Impulse müssen es sein, die Rotary langfristig prägen und auch in 20 Jahren noch wirken.

Paul-Philipp Braun, Erfurt
Paul-Philipp Braun in Aktion... © Michael Kremer/SnapArt

Sollte sich Rotary noch mehr für die Generation U40 oder sogar U30 öffnen – insbesondere in Partnerschaft mit Rotaract und Rotex?

Braun: Rotary sollte sich weiterhin durch seine Einzigartigkeit auszeichnen. Ob der Nachwuchs dabei aus der rotarischen Familie oder von außerhalb kommt, ist mir gleich. Zum einen sollten wir auch künftig versuchen, eine gewisse Exklusivität zu wahren, uns dabei aber vielleicht von neuen Kriterien leiten lassen. Ich glaube zum Beispiel, dass persönliches Potenzial und Freundschaft wichtiger sind als Geld und Verbindungen. Zum anderen denke ich, dass Engagement und die bewusste Umsetzung rotarischer Werte nicht nur für Rotarier attraktiv sind. Wenn wir es schaffen, dies nach außen zu transportieren, können wir auch die U40-Generation erreichen und Rotary gut in die Zukunft führen.

Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Offizieranwärter der Bundeswehr, von 2001 bis 2016 Volontär und Redakteur der Nürnberger Nachrichten und ist seit 2017 Redakteur des NN-Heimatverlags Treuchtlinger Kurier. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.