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Clubleben im Distrikt

Geldbeutel oder Hands-on?

Clubleben im Distrikt - Geldbeutel oder Hands-on?
Über Parallelen und Unterschiede im Clubleben tauschten sich die Präsidenten des Distrikts 1950 bei ihrem Halbjahrestreffen in Ilmenau aus. © Patrick Shaw

Rotary ist Vielfalt. Wie unterschiedlich die Clubs „ticken“ und wie wichtig dennoch gemeinsame Werte und Ziele sind, zeigte das Halbjahrestreffen der Präsidenten im Distrikt 1950.

Patrick Shaw01.03.2017

Beispiel Projektfinanzierung: In diesem Workshop saßen anfangs wohl zufällig fast nur Präsidenten von Traditionsclubs, in denen aktives Wirtschaften mittels Benefizveranstaltungen kaum eine Rolle spielt. Stattdessen haben diese Clubs eine starke interne Spendenkultur. Beides hat Vor- und Nachteile: Veranstaltungen schweißen zusammen, sind öffentlichkeitswirksam und erzielen oft hohe Erlöse. Allerdings kosten sie viel Zeit, die nicht alle Freunde/innen mitbringen. Interne Spenden sind dagegen effizient, unkompliziert und fordern alle Mitglieder. Sie passen aber nicht zu jüngeren Clubs mit weniger Spitzenverdienern und größeren Unterschieden in den finanziellen Möglichkeiten. Nötig ist folglich eine Mischung aus „Geldbeutel zücken“ und „Hands-on“.

Wie macht man es richtig? - Den Workshop zur Mitgliedergewinnung leitete Michaela Fischer. © Patrick Shaw

Beispiel Mitgliedergewinnung: Einerseits wissen selbst konservative Clubs, dass sie sich verjüngen müssen, um gesellschaftlich am Ball zu bleiben und nicht „auszusterben“. Andererseits haben gerade junge Berufstätige und frischgebackene Eltern am wenigsten Zeit, um am Clubleben teilzunehmen. Einige Clubs wünschen sich deshalb eher mehr „aktive Frührentner“. Ideale Voraussetzungen bringen ehemalige Rotaracter mit. Sie sind jung, engagiert und die Führungskräfte von morgen, kennen aber die rotarischen Werte und Regeln und wissen, wozu sie sich verpflichten. Dass dies auch und gerade für Frauen gilt, sollte längst selbstverständlich sein.

Noch Luft nach oben gibt es nach Ansicht der Präsidenten beim Zusammenhalt in und dem Austausch zwischen den Clubs, der Bekanntheit Rotarys und der Nutzung rotarischer Programme. Stichworte sind hier zum Beispiel Plauder- und Frühstücksmeetings, Mitgliederbefragungen, Starthilfen für Neu-Rotarier, kopierbare Projektideen, Jugendaustausch, Friendship Exchange, Grants, Pressearbeit sowie die Kooperation mit Rotaract, Interact und Inner Wheel.

Gesellschaftliches Engagement und Entwicklungshilfe

Vor welchen gemeinsamen Herausforderungen Rotary steht, machten schließlich zwei Vorträge deutlich. So befinden sich die Medien laut Karlheinz Brandenburg vom RC Ilmenau gerade erst am Anfang einer tiefgreifenden Veränderung. Die „postfaktische Gesellschaft“ ermögliche es Menschen, sich mit ihren eigenen „Wahrheiten“ aus dem gesellschaftlichen Miteinander zu verabschieden. Es sei Aufgabe Rotarys, dem entgegenzuwirken.

Auch im Workshop zur Projektfinanzierung - geleitet von incoming Governor Helmut Lanfermann (rechts) - wurden viele Fragen am konkreten Beispiel geklärt. © Patrick Shaw

„Lohnt sich Entwicklungshilfe?“ fragte schließlich DG Friedel Eggelmeyer vom Distrikt 1800 und antwortete mit einem klaren Ja. Angesichts der Flüchtlingszahlen sei sie Humanität und Eigennutz zugleich. Flucht und Elend müssten aber nicht sein, wenn die starken fair mit den schwächeren Ländern umgehen würden. Dies scheitere jedoch ohne Frieden. Diesen zu schaffen und zu bewahren, sei Rotarys vordringlichste Aufgabe.

Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Sanitätsoffizieranwärter der deutschen Luftwaffe und ist seit 2003 Redakteur der Nürnberger Nachrichten in den Landkreisen Roth und Weißenburg-Gunzenhausen. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.