Distrikt 1950

Hospizarbeit im Distrikt - Helfen über den Tod hinaus

© Deutscher Kinderhospizverein

01.06.2017

Hospizarbeit im Distrikt 

Helfen über den Tod hinaus

Patrick Shaw

Niemand redet gern übers Sterben. Hospizarbeit hat es deshalb schwer, wahrgenommen zu werden. Dabei kann Rotary helfen.

Die kleine Amelie (Name geändert) wird sterben. Das wissen ihre Eltern. Anfangs entwickelte sich die Fünfjährige nur etwas langsamer. Dann kamen Greif- und Sprechstörungen hinzu, Schlaflosigkeit und ständige Unruhe. Die Diagnose: eine schwere Stoffwechselerkrankung. Amelie wird ihr 20. Lebensjahr nicht erleben, vielleicht nicht einmal ihre Einschulung.

 

Was eine solche Nachricht bedeutet, kann wohl nur die Familie selbst ermessen. Geschulte Begleiter können jedoch helfen, mit dem Schicksal umzugehen, den Alltag zu bewältigen und den Trauerprozess zu durchstehen – oft lange über den Tod des Kindes hinaus. Sie entlasten und schaffen Freiräume, sind Vertrauensperson und sorgen dafür, dass auch die gesunden Geschwister nicht zu kurz kommen.

 

Amelie steht beispielhaft für ein Projekt des RC Miltenberg und des RAC Churfranken. Sie haben mit viel Netzwerkarbeit, Hands-On und rund 17.000 Euro (davon 4500 Euro aus Distriktmitteln) sowie Sachspenden im Wert von 3000 Euro geholfen, einen neuen Standort des Deutschen Kinderhospizvereins aufzubauen. 26 davon gibt es in Deutschland. Die Helfer begleiten Familien von „lebensverkürzend erkrankten Kindern“ – kostenlos und ehrenamtlich, denn staatlich finanzierte ambulante Dienste gibt nicht.

 

Freiwilliges Engagement bei einem so belastenden und zeitintensiven Thema – geht das überhaupt? „Ja“, sagt Tanja Munzinger-Rust, Koordinatorin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Aschaffenburg-Miltenberg. Mit sterbenden Kindern zu arbeiten klinge unglaublich traurig, es werde aber auch „viel gelebt und gelacht“. Es gehe darum, „Zeit zu schenken, zu stärken und nicht wegzusehen, wenn es schwierig wird“. Dafür suche der Hospizdienst dringend weitere Ehrenamtliche, die „mit den Kindern oft noch einen langen Weg gehen und viel erleben“.

 

Der RC Miltenberg war der Koordinatorin zufolge „so begeistert von unserer Arbeit, dass er ganz viele weitere Unterstützer aufgetan hat“, sag Tanja Munzinger-Rust. Genau das ist es, was Rotary auch über die Anschubfinanzierung hinaus beim Thema Hospiz leisten kann: Netzwerkarbeit, um die Projekte bekannt zu machen und am Laufen zu halten. 

Etliche weitere Clubs im Distrikt haben sich 2016/17 ebenfalls für die Hospizarbeit stark gemacht – mal im Kinder-, mal im Erwachsenenbereich. So unterstützte der RC Obereichsfeld-Heilbad Heiligenstadt den Aufbau eines „Trauerlands“ für Kinder und Jugendliche in Worbis, der RC Bad Salzungen den örtlichen Förderverein für ambulante Hospizarbeit und der RC Jena den Bau einer Hospizstation in Lobeda. Schon seit zehn Jahren engagiert sich der RC Aschaffenburg-Schönbusch für die Palliativmedizin im Klinikum Aschaffenburg. Und auch die Clubs in Saalfeld, Schmalkalden und Suhl sowie der E-Club Rhein-Main haben Hospiz-Projekte.

Erschienen in Rotary Magazin 6/2017

Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Sanitätsoffizieranwärter der deutschen Luftwaffe und ist seit 2003 Redakteur der Nürnberger Nachrichten in den Landkreisen Roth und Weißenburg-Gunzenhausen. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.

Rotary Magazin 11/2017

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