Distrikt 1940

Ratzeburg/Oswiecim - Wenn die Zeugen verstummen

Das Dokumentationszentrum belegt zwei Räume in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim, dem früheren Auschwitz. Kleines Foto: Zofia Posmysz bei der Eröffnung des Zentrums © Bild: Richard Pyritz

01.10.2016

Ratzeburg/Oswiecim 

Wenn die Zeugen verstummen

Matthias Schütt

Die Überlebenden des KZ Auschwitz halten die Erinnerung an das Grauen wach. Der Global Grant einer internationalen Clubgemeinschaft sichert ihr Vermächtnis.

Wer könnte in Worte fassen, was Auschwitz bedeutet? Es ist nur noch eine kleine Gruppe Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, die authentisch berichten kann und das bereitwillig immer wieder tut: in Schulen, Hochschulen, Kirchen und ganz besonders am Ort des Grauens selbst – in Oswiecim, dem ehemaligen Auschwitz, wo die Internationale Jugendbegegnungsstätte (IJBS) zur Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Teil der deutschen Geschichte einlädt.

Die jüngsten Zeitzeugen sind bereits hoch in den Achtzigern. Wie ihr Vermächtnis auf Dauer gesichert werden könnte, treibt Richard Pyritz seit einigen Jahren um. Der Ratzeburger Rotarier, der zahllose Projekt in Polen organisiert hat und auch im Stiftungsrat der IJBS sitzt, hat dafür ein Konzept entwickelt und mit acht Clubs umgesetzt: den Aufbau eines Dokumentationszentrums mit dem vorläufigen Namen „Zeugen“, das innerhalb der IJBS in zwei Räumen eingerichtet wurde.

Die Investition besteht aus Archivschränken mit 380 laufenden Metern Stellfläche, einem vollständigen Arbeitsplatz für einen Archivar, zwei Plätzen für wissenschaftliche Studien und einem Seminarraum mit 30 Plätzen sowie verschiedenen elektronischen Geräten, darunter eine komplette Filmausrüstung.

dabei: der RC Chicago
Das Konzept wurde genau eingepasst in die Infrastruktur der IJBS, die seit 1986 jedes Jahr über 150 Studiengruppen beherbergt. „Unser Global Grant ist ein Beitrag zur pädagogischen Arbeit der IJBS, die mit dem fortschreitenden Lebensalter der Zeitzeugen ihre Konzeption neu ausrichten muss“, umreißt Pyritz die Bedeutung des Projekts. An der Finanzierung mit einem Volumen von 63.466 Dollar hat Pyritz rund drei Jahre gearbeitet.

Neben den deutschen Clubs Cloppenburg-Quakenbrück, Hamburg-Steintor, Hannover, Herzogtum Lauenburg-Mölln und Ratzeburg-Alte Salzstraße beteiligten sich die polnischen Clubs Oswiecim und Warschau-City sowie der erste Rotary Club der Geschichte, der RC Chicago. Auch vier Distrikte stellten Fördermittel bereit. Im Mai wurde das Dokumentationszentrum übergeben. In der Feierstunde betonte die Schriftstellerin Zofia Posmysz (93), Häftlingsnummer 7566, wie sehr sie sich freue, dass die Botschaft der Zeitzeugen weitergetragen werden wird.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2016

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

Rotary Magazin 1/2017

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