Porträt - „Lappig geht gar nicht“

Bald ist die Wand voll – Wolfgang Harm auf der Erfolgsleiter © Anna Mutter

01.12.2017

Porträt 

„Lappig geht gar nicht“

Frauke Eichenauer

Wenn Wolfgang Harm sich engagiert, dann leidenschaftlich. Für seine Stadt, seinen Rotary Club, seine Druckerei und Adventskalender für Serviceclubs.


Zur Person

Wolfgang Harm (RC Schleswig) machte nach dem Abitur eine Tischlerlehre und ging auf die Walz, die ihn bis nach Südamerika führte. Nach seiner Rückkehr 1985 übernahm er als Quereinsteiger von Freunden die Firma Sterndruck in Schleswig. Seit 2003 ist er Vorsitzender des dortigen Gewerbevereins St. Jürgen. Wenn Wolfgang Harm ein bißchen Zeit übrig hat, spielt er in einer Ska-Band Saxophon oder – ganz neu – Golf.


 

Wenn man den umtriebigen Schleswiger mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es „Macher“. Wolfgang Harm kann nämlich eines gar nicht leiden: „Langes Gesabbel ohne Ergebnis. Das macht mich verrückt, für heiße Luft ist mir die Zeit zu schade.“ Tatsächlich weiß er die besser zu nutzen. Zum Beispiel, um an der Optimierung seines Lieblingsprojekts zu feilen, der Produktion sogenannter „Türchenkalender“ für den Advent, bei dem sich hinter jedem von 24 Pappkläppchen ein oder mehrere Gewinne von zumeist lokalen Sponsoren des jeweiligen Auftraggebers verbergen.

Komplexe Produktion
Wolfgang Harm ist seit 30 Jahren Inhaber einer Druckerei, die vor allem in den Jahren nach 2008 mit dem durch das Internet eingeleiteten Strukturwandel in der Branche sehr zu kämpfen hatte. Als ein befreundeter Rotarier ihn beauftragte, für den RC Schleswig/Gottorf einen Gewinnspiel-Adventskalender herzustellen, sagte er deshalb sofort zu. Allerdings ahnte er damals weder, dass er damit eine seine Firma rettende Marktlücke auftat, noch, wie komplex die Produktion dieser Art Kalender ist. „Allein herauszufinden, welches Papier sich am besten eignet, hat ewig gedauert, denn es muss weich sein, aber gleichzeitig ein hohes Volumen aufweisen“, erklärt er. Das sei wichtiger, als man zunächst glaubt, denn „die Kalenderkäufer müssen den Eindruck bekommen, sie halten für ihre fünf, sieben oder zehn Euro richtig was in der Hand – lappiger Kram geht gar nicht“.
Wichtig ist auch die Art und Weise des Stanzens der Türchen, sodass diese nicht von allein aufspringen, schließlich soll ja nicht zu früh verraten werden, was es wann zu gewinnen gibt. Fündig wurde Harm übrigens bei einem chinesischen Papiererzeuger, 70 Tonnen Spezialpapier lässt er sich nun jedes Jahr auf den Hof liefern. Aber auch die nötigen Maschinen sind ein Thema für sich, schließlich wird nicht einfach gedruckt und gestanzt, sondern auch geklebt, nummeriert und im letzten Arbeitsgang ein Loch für die Aufhängung gestochen – und das für mehrere Kalenderproduktionen parallel.

Lions haben die Nase vorn
Das viele Herzblut, das er und seine sechs Festangestellten – darunter auch seine Frau Eike – in die Entwicklung der Kalenderproduktion gesteckt haben, zahlt sich mittlerweile aus. 83 verschiedene Kalender mit einer Gesamtauflage von 300.000 Stück hat ihre Firma Sterndruck für den diesjährigen Advent hergestellt, die
Auftraggeber sind vor allem Kirchengemeinden, Vereine und Serviceclubs aus Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz. Neben dem RC Schleswig/Gottorf, der 7000 Stück herstellen lässt, sind weitere 14 Rotary Clubs hinzugekommen.
Aber vor allem die Lions scheinen das Potenzial für Fundraising erkannt zu haben. „Ich habe viel mehr Lions als Rotary Clubs als Kunden, der LC Flensburg zum Beispiel ordert seit Jahren 13.000 Stück. Die verkaufen die Kalender innerhalb kürzester Zeit“, erzählt Harm und schiebt mit einem Grinsen hinterher: „Einige Clubs bestellen leider auch bei der Konkurrenz, auf rotary.de habe ich im letzten Jahr einige mir unbekannte Kalender entdeckt. Aber ob die genauso gut sind wie unsere...?“

Als Löwe geehrt
Dank der Erfolgsgeschichte von Sterndruck und seiner sympathisch-direkten und zupackenden Art ist Wolfgang Harm vor zwei Jahren als „Löwe von Schleswig“ ausgezeichnet worden. Mit diesem Wirtschaftspreis werden Unternehmer geehrt, die sich mutig, vorbildlich, sozial und nachhaltig für die Stadt und die Region einsetzen – typisch rotarisch eben. In seiner Rolle als Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins hält er denn auch regelmäßig seine Clubfreunde über die Befindlichkeiten des Schleswiger Wirtschaft auf dem Laufenden, „wir haben im Club ja jede Menge Ärzte, Juristen und andere Akademiker, ich dagegen bin eher ein Held der Arbeiterklasse. Meine Clubfreunde in den Praxen und Kanzleien kriegen sonst gar nicht richtig mit, wo wirtschaftlich gesehen der Schuh drückt. Wolfgang Harm fühlt sich aber nicht nur Schleswigs Wirtschaft, sondern auch den Wikingern verbunden. Das geht auch gar nicht anders, wenn man in unmittelbarer Nähe zur berühmten Wikingersiedlung Haithabu lebt und mit dem Thema aufgewachsen ist. „Mittlerweile hat die Stadt Schleswig endlich auch den Begriff „Wikingerstadt“ im offiziellen Logo – nachdem man zig Jahre darüber nur gesabbelt hat“, moniert Harm. Hätte er allein darüber befunden, wäre die Entscheidung bestimmt deutlich schneller gefallen.

Einige der älteren Maschinen wurden umgerüstet und eignen sich nun perfekt
fürs Stanzen, Bohren & Co. Foto: Rotary Verlag

 

So geht Adventskalender
Jeder Kalender erhält eine individuelle Nummer – bei einer Auflage von 3000 Stück also eine Zahl zwischen 0000 und 3000 –, sodass zur Ermittlung der Gewinner schon im Vorfeld Nummern aus diesem  Zahlenkreis  definiert werden können. Diese werden dann an den jeweiligen Tagen im Internet veröffentlicht.   Natürlich ist es jedem Auftraggeber selbst überlassen, was er hinter den Türchen versteckt, es können auch kleine Bilder oder Zitate sein. Letzteres ist weniger aufwändig, aber auch weniger einträglich, denn je höher der Gesamtwert der Preise ist, desto eher werden sie gekauft.
Für die Akquise bieten sich neben den Clubfreunden die Einzelhändler in der Region an, diese könnten dann auch beim Verkauf der Kalender mitwirken. Manchmal ist die lokale Presse ebenfalls an einer Kooperation  interessiert.
Mit Türchenkalendern kann man übrigens auch die Wartezeit bis zum Frühlingsanfang oder einem anderen „Stichtag“ verschönern – die Kalender-Konkurrenz liegt dann im Winterschlaf.


 

Gewinnen Sie 1000 Adventskalender für 2018
Haben Sie oder Ihr Club auch schon mal über Adventskalender als effizientes Instrument zum Spendensammeln diskutiert? Mit etwas Glück können Sie es im Advent 2018 kostenlos ausprobieren – wir verlosen zusammen mit Sterndruck unter allen Teilnehmern unseres diesjährigen Online-Adventskalenders auf rotary.de die Produktion und den Druck von 1000 Adventskalendern.
Der Gewinnerclub wäre nur für die Organisation des Motivs, die Akquise von Preisen und für den Verkauf zuständig.
rotary.de/adventskalender

Erschienen in Rotary Magazin 12/2017

Rotary Magazin 12/2017

Rotary Magazin Heft 12/2017

Titelthema

Heilige Räume

Jetzt ist wieder die Zeit der Adventskonzerte, Krippenspiele, Fest-Gottesdienste. Doch auch sonst erfreuen sich Kirchen zunehmenden Interesses – als Stätten prachtvoller Kunst und als Orte der Einkehr.

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