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» Locker, locker, locker «

Die rotarische Gemeinschaft findet nach der deutschen Wiedervereinigung schnell zusammen, allerdings auf sehr unterschiedlichen Wegen.

Matthias Schütt01.10.2015

Gedanken eines Club­gründers

Peter Kellerhof, RC Berlin-Süd, war 1991 Gründungsbeauftragter des RC Potsdam und 1992 des
RC Brandenburg-Havel

„Für den Aufbau Rotarys in Ostdeutschland gelten drei Grundsätze: 1) Locker 2) locker
3) locker! Damit meine ich, dass wir nach einer möglichst zwang­losen Form suchen müssen, in der sich die neue rotarische Gemeinschaft zusammenfindet. Gravitä­tische Auswahlprinzipien mit sechs- und neunmonatigen Aufnahmeverfahren durch irgendeinen klugen Ausschuss haben hier nichts verloren. Und einige heilige rotarische Kühe wie die ‚Präsenzpflicht‘ oder das ‚Berufsklassenprinzip‘ sollte man zwar nicht schlachten, aber man sollte ihnen einen Ring durch die Nase ziehen und sie an einen Platz führen, an dem sie keinen Schaden anrichten.“

 

Schiff der Einheit


Ihre Feier zur 25. Wiederkehr der Wiedervereinigung haben die Clubs Kühlungsborn-Bad Doberan, Lübbecke/Westfalen, Neustadt-Ostsee und Quedlinburg schon hinter sich: 129 Mitglieder der vier Clubs, jeweils „Mutter und Tochter“, trafen sich Anfang August zur Hanse-Sail in Rostock und etikettierten die Barkentine „Thalassa“ kurzerhand zum „Rotary-Schiff der Einheit“ um.


Die Initiative zu dem Treffen kam vom Neustädter Präsidenten Georg Heerten. Er hatte persönliche Beziehungen in die DDR, war Anfang der 1990-er Jahre als Lübbecker Jung-Rotarier dabei, als Kontakte nach Quedlinburg aufgenommen wurde und freut sich in seinem zweiten Club Neustadt (seit 2011) über den lebhaften Austausch mit dem Partnerclub Kühlungsborn-Bad Doberan. Der Austausch, der damals in beiden Clubpaaren begann, habe, so Heerten, vielleicht seine Dringlichkeit verloren, sei aber nach wie vor ein gern angenommener Gewinn für alle Beteiligten.

 

Sonderfall Eichsfeld


Im Reigen der Clubgründungen nach dem Mauerfall sticht der RC Duderstadt-Eichsfeld hervor. Er überlappt zwei Bundesländer (Niedersachsen und Thüringen), zwei Distrikte (1800 und 1950) und ist seit der Gründung 1990 immer ein gemeinsamer Ost-West-Club gewesen. Der Hintergrund ist die Zugehörigkeit der Mitglieder zum Eichsfeld, einer katholischen Enklave, die jahrhundertelang zum Fürstbistum Mainz gehörte und bei der deutschen Teilung auseinandergerissen wurde. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eichsfelder, so der Gründungsbeauftragte Thomas Rössing-Schmalbach, war aber stärker als jegliche Entfremdung durch die Teilung, sodass sich der Club von Anfang an auf landsmannschaftlich fundierten Grundgemeinsamkeiten entwickeln konnte. „Das einzig Trennende, an das ich mich erinnere“, so Rössing-Schmalbach, „war die Frage, wann ein Mittagsmeeting stattzufinden habe: Für die Bewohner der ehemaligen DDR ging die Mittagszeit von 12 bis 13 Uhr, im Westen von 13 bis 14 Uhr.“

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.