10.10.2013

Ernährung 

Immer mehr Clubs setzen auf Prävention

Matthias Schütt

Die Aufregung um den „Veggie Day “ hat es wieder einmal gezeigt: Ernährung ist ein heikles Thema. Wenn es um lieb gewordene Gewohnheiten wie regelmäßigen Fleischgenuss geht, reagieren die Deutschen empfindlich. Immer mehr Rotary Clubs setzen auf Prävention. So hat etwa der Distrikt 1820 das Projekt „gesundekids“ ins Leben gerufen, für das sich inzwischen Rotary Clubs im gesamten Bundesgebiet engagieren

Mit Empörung stürzten sich die Kritiker auf den Vorschlag der Grünen, dass öffentliche Kantinen einmal in der Woche nur vegetarische Gerichte anbieten sollen. Während die politischen Gegner die „Bevormundung“ geißelten, stieß die Idee in der Bevölkerung durchaus auf Zustimmung, wie der Focus berichtet. Die Verbraucher zeigen sich damit problembewusster als manche Politiker. Dabei wäre das Parlament der richtige Ort, um aus den bekannten Fakten Schlüsse zu ziehen. Es muss ja nicht gleich ein neues Gesetz sein, aber eine fraktionsübergreifende Kampagne wäre nicht schlecht.

Die Fakten: Abgesehen von einem Anstieg im Verbrauch von Gemüse registriert der jüngste Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.?V. (DGE) keine Veränderungen im Ernährungsverhalten. Insbesondere der Fleischkonsum stagniert seit Jahren auf hohem Niveau: „Mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche sollten es nicht sein“, empfiehlt die DGE. Mit 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf/Jahr liegt der tatsächliche Verbrauch aber weit darüber. Und auch bei anderen Lebensmitteln wird das empfohlene Maß vielfach ignoriert.

Da einseitige Ernährung oft mit Bewegungsmangel einhergeht, gibt es neben Krankheitsrisiken auch sichtbare Folgen, nämlich Übergewicht. Laut DGE sind 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig, jeder Vierte gilt als adipös. Die Folgen: „Adipositas und die Begleitkrankheiten kosteten das Gesundheitssystem in Deutschland im Jahr 2010 schätzungsweise 17 Milliarden Euro“.

Problem: Übergewicht

Und das betrifft keineswegs nur Erwachsene. Inzwischen gilt jedes sechste Kind zwischen drei und 17 Jahren als übergewichtig, insgesamt fast zwei Millionen Kinder in Deutschland. Verglichen mit den Referenzwerten von 1985 bis 1999 ist das ein Anstieg um 50 Prozent, so Adipositas-Forscher der Universität Leipzig. Die letzte Zahl zeigt den Sprengstoff, der in dieser Fehlentwicklung liegt. Wenn es nicht gelingt, Kinder frühzeitig für eine gesunde Lebensweise zu interessieren, stehen uns massive volkswirtschaftliche Auswirkungen ins Haus. Andererseits sind Kinder und Jugendliche traditionell eine Hauptzielgruppe rotarischer Arbeit, und so gibt es viele Clubprojekte zu dieser Thematik, die entweder bei der richtigen Ernährung oder sportlichen Aktivitäten ansetzen.

gesundekids

Beide Programmelemente verfolgt seit 2005 der Distrikt 1820, der mit „gesundekids“ eine Marke geschaffen hat, unter der sich bundesweit inzwischen zahlreiche Rotary Clubs engagieren.
Sie profitieren davon, dass die Initiatoren eine Vielzahl unterschiedlicher Projektideen für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren entwickelt haben und in Form von „Baukästen“ anbieten. Sie sind leicht zu übernehmen und erfordern oft nur wenig Zeit und/oder Geld.

Zum Beispiel die „BrotGesichter“: Vollkornbrot, Frischkäse und Gemüse werden einer Schulklasse von Rotary gestellt und die Kinder schmieren sich ihr Pausenbrot selbst, wobei der kreative Einsatz von Tomaten und Gurkenscheiben lustige Gesichter auf den Teller zaubert. Eine andere Idee ist die Lieferung von Obstkisten an Schulklassen. Wer mehr Geld einsetzen kann, stiftet einen Trinkbrunnen und lenkt von den gefährlichen Softdrinks ab. Die sind nämlich bei Kindern der Dickmacher Nummer eins. Sinnvolle Projekte im Bewegungsbereich sind die Installation von Sportgeräten, Radtouren, Laufwettbewerbe und Fußballturniere.

Neben dem überschaubaren Aufwand ist die Nachhaltigkeit relativ leicht herzustellen, wie Reinhild Link (RC Wiesbaden-Nassau) berichtet. Sie ist als Ökotrophologin die Fachfrau bei „gesundekids“ und nennt als entscheidenden Schritt, Schulleitung und Lehrer für die Aktionen zu gewinnen. Denn Ziel muss sein, dass die Ideen von Rotary in den Schulen selbstständig weitergeführt werden.

Das scheint zu klappen, wie die Rückmeldungen aus den über 50 Clubs nahelegen, die im Distrikt 1820 bei „gesundekids“ mitmachen. Genauso wichtig findet Link, die Eltern mitzuziehen: „Wenn wir Kinder mit den BrotGesichtern begeistern, laufen sie nach Hause und verlangen von ihren Eltern, dass sie das auch machen.“ Eltern sind vielleicht nicht direkt für Ernährungstipps zu gewinnen, aber immer interessiert, wenn es um den Lernerfolg ihrer Kinder geht. „Wenn wir ihnen klarmachen, dass ohne gesunde Ernährung keine Leistung zu erwarten ist, werden sie hellhörig. Zum Beispiel durch das Argument, dass das Gehirn nur drei Prozent Anteil am Körpergewicht hat, aber 20 Prozent der Energie verbraucht.“

Sensibilisierung ist wichtig

Sechs, sieben Distrikte, schätzt der Vorsitzende der „gesundekids“ e.G., Past-Gov. Dieter Kampe, RC Hanau, sind bereits mit im Boot. Aktionen werden aus 1860, 1880, 1940 und 1950 gemeldet, wobei die Berliner Clubs ihren diesjährigen Kindertag an diesem Thema ausrichten und dazu ein eigenes Ideenhandbuch entwickelt haben. Zur Verbreitung der Idee hat auch beigetragen, dass die Rotaracter ihre Bundessozialaktion 2012/13 den Kids gewidmet haben. Einen weiteren Popularitätsschub erwartet sich Kampe von der geplanten Kooperation mit einer Krankenkasse, die einen besonderen Stellenwert auf sportliche Bewegung legt.

Für den Einstieg in den Schulen hat Rotary in einigen Distrikten schon gute Vorarbeit geleistet. Wo Buchspenden im Rahmen des Leseprojekts „Lesen lernen – Leben lernen“ übergeben wurden, sind Rotarier als seriöse Partner bereits bekannt. Dort dürften auch die Ideen der „gesundenkids“ gute Aufnahme finden.

Eine Fotostrecke vom Rotary-Kindertag in Berlin, auf dem die kleinen Besucher auch etwas über Ernährung lernten, finden Sie hier.


Der 1. Fachkongress des Projektes gesundekids unter dem  Titel  „Kinder fit fürs Lernen und Leben machen“  findet am 8.April 2014 im „Haus am Dom“ in Frankfurt statt. Er wendet sich an Rotarier und diejenigen, die mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben.
Kontakt:  Rot. Reinhild Link, Tel. 0611 5329718 


5 Prozent der Schüler der achten Klassen zeigen beim alljährlich präventiv durchgeführten Diabetes-Screening des RC Bargteheide auffällige Blutzuckerwerte.


Im Rahmen der Rotar­act-Bundessozialaktion 2012/13 zugunsten von „gesundekids“ hat der RAC Berlin seine Betreuung im Kinderwohnprojekt „Casablanca“ um das Thema Ernährung erweitert: Mit den Kindern wurden Gerichte ausprobiert. Aus den Rezepten wurde ein Kochbuch erstellt.   


Erschienen in Rotary Magazin 10/2013

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

Rotary Magazin 12/2016

Rotary Magazin Heft 12/2016

Titelthema

Aufstand gegen die Globalisierung

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA kann schon jetzt als historisch gelten. Im Rotary Magazin werden die Ursachen der Entscheidung hinterfragt – und was der Ausgang der US-Präsidentenwahl…

Newsletter abonnieren



load   ...lade Newsletter Formular

Was ist Rotary?

Lokal verankert -
global vernetzt

Rotary International ist die älteste Serviceclub-Organisation der Welt. Seit der Gründung des ersten Clubs durch vier Freunde vor 105 Jahren hat sich Rotary zu einem weltumspannenden Netzwerk entwickelt.

Clubsuche

Finden Sie den Club in Ihrer Nähe

Kontakt

Treten Sie mit uns in Kontakt

Anschrift:
Rotary Verlags GmbH
Raboisen 30
20095 Hamburg

Telefon: +49 40 34 99 97 0
Telefax: +49 40 34 99 97 17

Termine

Rotary-Meetings, Festspiele und Messen

...wird geladen