Manfred Bockelmann, RC Klagenfurt-Wörthersee - Ein Künstler der Augen-BlickeFotostrecke: Ein Künstler der Augen-Blicke – Manfred Bockelmann im Porträt

Manfred Bockelmann während dem Aufstellungsaufbau seiner Kinderbilder zum "Zeichen gegen das Vergessen" im Frühjahr 2013 im Leopoldmuseum © Leopoldmuseum/ Manfred Bockelmann, VBK (Verwertungsgesellschaft für Bildende Kunst, Fotografie und Choreografie Gmbh), Wien

13.09.2013

Manfred Bockelmann, RC Klagenfurt-Wörthersee 

Ein Künstler der Augen-Blicke

Heinrich Marchetti-Venier

"Es gibt für mich keinen Wertunterschied zwischen Malerei und Fotografie. Die Fotografie ist für mich die Bewältigung des Augen-Blicks, die Malerei die Bewältigung vieler Augen-Blicke. Ich male gegenstandslos, während ich als Fotograf das Gegenständliche festhalte",sagt Manfred Bockelmann.

Er meint, dass die Fotografie ein wesentlicher Bestandteil seines künstlerischen Schaffens ist. Begonnen hat Bockelmann mit der Fotografie. Auf einem Kärntner Gut mit drei Brüdern, der mittlere ist Udo Jürgens, aufgewachsen, wird die Mutter als dilettierende Fotografin zum Vorbild. Und als es um den Beruf geht, studiert er Fotografie. „Der Fotoapparat wird zum Skizzenblock meiner Malerei“, erkennt er später nach einer dreimonatigen Safari durch Ostafrika. Manfred Bockelmann ist vielseitig, denn auch die Audiovision, Film, Buchkunst oder Bildhauerei nehmen ihn in ihren Bann.

1966 ist Bockelmann nach dem Studium nach Schwabing aufgebrochen. „Irgendwie ein 68er war ich schon“, aber „ich musste auch Geld verdienen. Es hat niemand auf einen Maler aus Österreich gewartet!“ Bockelmann arbeitet daher als erfolgreicher Fotograf und Herausgeber von Kunstbänden, begibt sich als Pressefotograf auf Reisen und sammelt Eindrücke. Einer Einzelausstellung 1970 in München folgen Ausstellungen auf allen Kontinenten. Bis in die Siebziger reist er und fotografiert für Magazine, bis sich das Gefühl einschlich, „dass ich ja eigentlich etwas anderes wollte“. Einschneidendes Erlebnis wird die Begegnung mit Friedensreich Hundertwasser, er begleitet den Maler und tritt in einen fotografischen Dialog mit ihm. Daraus entsteht ein tolles Buch, und Bockelmann widmete sich fortan der Malerei. „Die landschaftliche Umgebung Kärntens weckte schon früh mein elementares Empfinden für die Natur“, erzählt der Künstler, in dessen Arbeiten die assoziative Fantasie des Betrachters eine wichtige Rolle spielt. Der (Stadt-)Landschaft und ihrer Reflexion bleibt Manfred Bockelmann fest verbunden. Als „Malerei der Stille“ entsteht eine Synthese zwischen gemalten und fotografierten Landschaften. Mit seinen abstrakten Ölbildern ist er auf den wichtigsten Kunstmessen vertreten, die Nachfrage der Kunden und Galeristen ist groß. Doch irgendwann „kam ich an einen Punkt, an dem ich glaubte, mich zu wiederholen.“

Kunst im öffentlichen Raum

Die Schönheit sieht er heute in kleinen Dingen wie einer Baumwurzel. Fotos dienen ihm dabei als Skizzen. Er zeichnet auch New York, Menschen, viel Natur oder „Kohle auf Leinwand“, so heißt schlicht eine Wiener Ausstellung. Die stilistische Wende geschieht vor acht Jahren.

Vom Schaffen harmonisch-abstrakter Landschaftsbilder erfolgt die Wende zum figurativen Zeichner und Chronisten des Alltags. Beim Gestalten wird Holz zum Ausgangsmaterial seiner bildhauerischen Arbeit. Er nähert sich durch detailgenaue Wiedergabe dem Material. Sein blauer Wald aus feingliedrigen jungen Bäumen ohne Blattwerk ziert einen Schlosspark. Nach einer Reise in Florida erwecken Muscheln sein Interesse in Richtung Architektur, weil ihre Konstruktionen Archebautypen sind. Er liefert mit „Ruheräumen“ Kunst im öffentlichen Raum. Aufenthalte in New York haben ihn bereits früh mit Migranten aus Österreich ins Gespräch gebracht, aber erst jetzt sind daraus eine Aufarbeitung seiner Familiengeschichte und damit ein neuer Teil seiner Arbeit erwachsen. Mit der Ausstellung  „Zeichen gegen das Vergessen“, die die letzten Monate im Wiener Leopoldmuseum zu sehen war, bringt er Kinder aus KZs in die Gegenwart zurück. Mittels zeichnerisch perfekter, großformatiger Porträts will er die Identitäten ermordeter jüdischer Kinder bewahren, will seine Elterngeneration damit kritisieren und er meint es ehrlich: „Diese Arbeit wird für mich nie zu Ende sein!“

Erschienen in Rotary Magazin 9/2013

Heinrich Marchetti-Venier

DDr. Heinrich Marchetti-Venier wurde in Oberösterreich geboren. Nach dem Abitur nahm er ein Studium des Lehramtes sowie der Geistes- und Naturwissenschaften an den Universitäten Salzburg auf, es folgten die Stationen, Wien, München, Bochum, Turin, Strasbourg und Washington. Anfangs Tätigkeit in der Raumordnung, später als Historiker und Privat-Gutachter sowie Autor. Er hatte lange Zeit das Amt des Distriktberichters für die österreichischen Distrikte D 1910 und 1920 inne. Heinrich Marchetti-Venier starb im November 2015.

Rotary Magazin 12/2016

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