Die Brötchentaste

Eine Geschichte von Heinz-Gerd Dreehsen (RC Oberhausen)
Im Rotary Club Oberhausen galt bis Ende April eine heilige Regel: Wer am Meetingtag erschien, parkte kostenlos. Man sprach ehrfürchtig vom „rotarischen Asphaltprivileg“. Doch dann schlug die Stadtkämmerei der Stadt Oberhausen gnadenlos zu. Wegen klammer Kassen kostete das Parken plötzlich 1,50 Euro pro Stunde. Bei den üblichen 90 Minuten Meeting summierte sich das auf Beträge, bei denen selbst langjährige Rotarier nervös an ihrem Mineralwasser nippten. Eine Anfrage an den ehemaligen Bürgermeister – ebenfalls Rotarier –, sich dafür einzusetzen, dass Rotarier von den Gebühren befreit werden, verlief im Sande.
Daher bat der Club mehrfach die Schlossgastronomie um Erstattung der Gebühren oder wenigstens um einen günstigeren Preis für das rotarische Essen. Die Gastronomie blieb hart wie ein verkochter Semmelknödel. „Die Preise sind kalkuliert“, erklärte man mit der Wärme eines Strafzettels.
Da trat Schatzmeister Herbert Knauser auf den Plan. Herbert war ein Mann, der gebrauchte Briefmarken beidseitig ableckte, um Porto zu sparen. Nach einer schlaflosen Nacht entwickelte er einen revolutionären Rettungsplan: die „Brötchentasten-Rotation“. Alle 15 Minuten marschierte ein Mitglied zur Parkuhr, zog kostenlose 15-Minuten-Tickets und verteilte diese an sämtliche Fahrzeuge der Clubfreunde.
Der Präsident ließ sofort eine Einsatzliste erstellen. Vom Zahnarzt bis zum Landtagsabgeordneten musste nun jedes Mitglied einmal pro Meeting den „Gang der Gnade“ zur Parkuhr antreten. Manche trugen dabei Warnwesten und sprachen vom „Parkdienst“.
Die Idee sparte dem Club Hunderte Euro. Herbert erhielt dafür unter Ovationen den Paul-Harris-Fellow. Seitdem gilt er in Oberhausen nicht mehr nur als Schatzmeister, sondern wird als Schutzpatron des kostenlosen Kurzzeitparkens gefeiert.
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