Im Gespräch - Nadel als  Bekenntnis

Nahlah Saimeh trägt selbstverständlich ihre Rotary-Nadel in der Öffentlichkeit

05.10.2011

Im Gespräch

Nadel als Bekenntnis

Matthias Schütt

In einem Nachrichtenmagazin wurde kürzlich Dr. Nahlah Saimeh als Ärztliche Direktorin des Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt-Eickelborn zu Täterprofilen in Missbrauchsfällen befragt. Auf dem Foto war das Rotary-Rad an ihrem Revers nicht zu übersehen. Wir haben sie nach ihren Beweggründen befragt

Die Rotary-Nadel wird von nicht wenigen Rotariern eher nachlässig behandelt. Manche haben geradezu eine Scheu vor dem öffentlichen Bekenntnis. Bei Ihnen ist das anders, warum?

Nahlah Saimeh: Für mich ist es seit neun Jahren eine große Ehre und Freude, Rotarierin sein zu dürfen. Ich unterstütze damit den Gedanken einer weltumspannenden Service-Organisation, die überkonfessionell und überparteilich ist. Vor allem kommt alle Unterstützung maximal effizient bei den Hilfebedürftigen an.

 

Wie erklären Sie sich die erwähnte Scheu mancher Rotarier?

Wir haben es mit zwei unterschiedlichen Problemen zu tun: Das eine ist, dass das weltweite soziale Engagement von Rotary in der Öffentlichkeit nicht wirklich bekannt ist. Das liegt sicher auch an einer vornehmen Zurückhaltung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Das zweite Problem: Sofern Nicht-Rotarier etwas über Rotary gehört haben, entsteht oft das Bild eines kungelnden, elitären Geheimzirkels. Beide Probleme laufen dort zusammen, wo ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit diese Klischees begünstigt. Wenn man als Unkundiger die Ziele von Rotary liest und dann der erste Satz lautet „Durch Pflege der Freundschaft als einer Gelegenheit, sich anderen nützlich zu erweisen“, so kann man dies je nach eigenem Wertesystem durchaus gezielt missverstehen.

 

Das Rad ist ein Symbol für ein bestimmtes Wertesystem. Dazu gehört zum Beispiel ein vorbildliches berufsethisches Verhalten, Stichwort Vier-Fragen-Probe. Wie gehen Sie damit in Ihrem Aufgabengebiet um?

Fairness ist eine unverzichtbare Eigenschaft und ein stets neu zu erstrebendes Ziel, wenn man Führungskraft ist, andere Menschen zu beurteilen hat und sie motivieren will. Auch den guten Willen zu fördern ist Aufgabe einer Führungskraft, aber im Grunde ja auch Aufgabe eines therapeutisch tätigen Menschen. Mir sind diese Eigenschaften sehr wichtig, da ich letztlich der festen Ansicht bin, dass nur integere Führung und Verlässlichkeit als Mensch und Vorgesetzter auch zur engagierten Leistungsbereitschaft und Loyalität der Mitarbeiter führt. Als Gutachterin muss ich stets unparteiisch sein und ohne Ansehen von Person, Schicksal oder Tat und auch ohne persönliche Perspektive tätig sein.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2011

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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