Digitale Medien und ihre Auswirkungen auf Kinder

Neurowissenschaftler gab im Kornhaus Kempten Auskunft

Der renommierte Neurowissenschaftler und Psychiater Prof. Manfred Spitzer, der über viele Jahre die Psychiatrische Universitätsklinik Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) leitete, sorgte für einen voll besetzten Saal und gespannte Aufmerksamkeit beim Benefiz-Vortragsabend des Rotary Club Kempten. Er widmete sich einem hochaktuellen Thema: den Auswirkungen digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche.
In seinem Vortrag zeichnete Spitzer ein eindringliches Bild der Veränderungen, die digitale Medien im Alltag junger Menschen bewirken. „Digitale Medien sind nicht harmlos“, betonte er. „Sie beeinflussen maßgeblich, wie Kinder denken, lernen und sich emotional entwickeln.“ Dabei stützte er sich auf zahlreiche aktuelle Studien. Ein Bericht der OECD aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 15-jährige Jugendliche in Deutschland durchschnittlich nahezu sieben Stunden täglich digitale Medien nutzen. Gleichzeitig gehe das Lesen von Büchern deutlich zurück – mit negativen Folgen für Sprachvermögen, Konzentration und geistige Entwicklung.

Auch körperliche Auswirkungen seien sichtbar. Spitzer verwies auf die deutliche Zunahme von Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen, die mit intensiver Bildschirmnutzung in Verbindung gebracht wird und langfristig das Risiko schwerer Sehschäden erhöhen kann.
Darüber hinaus bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen intensivem Social-Media-Konsum und psychischen Belastungen wie Angst, Depressionen, Aggressionen und sinkender Lebenszufriedenheit. „Social Media macht nicht glücklich“, stellte Spitzer fest.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er der frühen Kindheit. Studien zeigen, dass erhöhte Bildschirmzeit bei Kleinkindern im Alter von 24, 36 und 60 Monaten mit messbaren Nachteilen in der kognitiven Entwicklung einhergeht. Auch im schulischen Alltag seien die Folgen deutlich: Smartphones führten zu Ablenkung, geringerer Aufmerksamkeit und schlechteren Leistungen. Schulen mit konsequenten Smartphone-Verboten hingegen verzeichneten nachweislich bessere schulische Ergebnisse.
Spitzer, dessen Bestseller Digitale Demenz eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst hat, formulierte seine Botschaft eindringlich: „Digitale Medien schaden in jeder Altersstufe – nur auf unterschiedliche Weise.“ Seine Ausführungen lösten im Publikum Nachdenklichkeit, aber auch lebhafte Zustimmung und wiederholten Applaus aus.

Der Reinerlös durch Kartenverkauf und Spendensammlung in Höhe von 4000 Euro kommt Projekten der Kinder- und Jugendpsychiatrie zugute. Der Club setzt damit ein konkretes Zeichen für die Unterstützung junger Menschen in einer zunehmend digital geprägten Welt.



























