Distrikt 1820

Werte, Rituale und Gemeinschaft

von Christian Kaiser | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Rotarisch intellektuelles Vergnügen im Rahmen der Vortragsreihe "1820 – Frühlingserwachen": Diesmal ein Vergleich von Rotary und Religion

"Sieben Mal rotarisch intellektuelles Vergnügen in einer Woche" hatte DG Henning von Vieregge versprochen - und die damit geweckten hohen Erwartungen wurden von allen rotarischen Referentinnen und Referenten übererfüllt. Angesichts der insgesamt dreieinhalb Stunden Vortragszeit mit einer Fülle von gehaltvollen Gedanken, Impulsen, Anregungen - auch in den sich anschließenden Diskussionen - können die Distriktreporter hier nur einzelne Eindrücke widergeben. Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und können über die Distrikt-Homepage abgerufen werden.


Das Thema: Werte, Rituale und Gemeinschaft: voneinander lernen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Rotary und Religion - am Beispiel des jüdischen Glaubens.

Die Referentin Elisa Klapheck (RC Frankfurt am Main - Städel) ist liberale Rabbinerin in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. sowie Professorin für Jüdische Studien an der Universität Paderborn. Sie tritt ein für eine neue Wertschätzung der politischen Tradition des Judentums und damit für eine neue Verhältnisbestimmung zwischen Politik und Religion. An den Anfang ihres Vortrages stellt Elisa Klapheck einige grundlegenden Worte zu ihrer
Position und zum Judentum: Als liberale Rabbinerin gehört sie nicht dem Mainstream an und wird von deutschen Juden teilweise kritisch gesehen. Als in Deutschland lebende Jüdin fühlt sie sich einerseits häufig als Projektionsfläche für Schuldgefühle – andererseits wird sie mit der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern konfrontiert.

Im jüdischen Glauben kommt den Pflichten eine große Bedeutung zu. So gibt es 613 Gebote, die zum großen Teil allerdings nicht mehr in Kraft sind. Pluralismus und Emanzipation sind in der jüdischen Tradition vorgeprägt. Als Minderheit erhebt man nicht den Anspruch, im Besitz der ganzen Wahrheit zu sein. Als "auserwähltes" Volk sieht man sich allerdings als "Elite" und fühlt sich damit den durch die Gebote definierten Werten verpflichtet.

Das Zelebrieren von Ritualen ist insbesondere bei jungen Menschen häufig mit "Schamhaftigkeit" verbunden; das gilt auch für die Lithurgie in hebräischer Sprache. Gastgeber Dietrich Neuhaus, protestantischer Pfarrer und Dekan i.R., berichtet von entsprechenden Erfahrungen in den christlichen Kirchen und leitet damit über zur Diskussion über Rituale bei Rotary. Überwiegende Meinung der Diskutanten – auch in den Breaksessions - war, dass Rotary Rituale braucht. Rituale entfalten eine Integrationskraft, schaffen Sicherheit, geben "Heimat" – gerade auch in Clubs, die sich – wie gewünscht - durch Pluralität auszeichnen. Über Art und Umfang dieser Rituale sollte in den einzelnen Clubs entschieden werden.


Mehr aus der Veranstaltungsreihe auch unter: www.rotary.de/a17795, www.rotary.de/a17807, www.rotary.de/a17808, www.rotary.de/a17810, www.rotary.de/a17811, www.rotary.de/a17812

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