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Schwerpunktbereiche

Grant-Modell mit Bestnoten

Schwerpunktbereiche - Grant-Modell mit Bestnoten
Das aktuelle Grant-Modell kommt laut Umfrage gut an. Die große Ansicht der Grafik sehen Sie unten. © Rotary Magazin

Global Grants und District Grants die Förderinstrumente der Rotary Foundation werden immer beliebter.

Matthias Schütt01.04.2020

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Als 2013 der Future Vision Plan mit neuen Regeln für die Vergabe von Fördermitteln durch die Rotary Foundation (TRF) in Kraft trat, waren viele projekterfahrene Rotarier betrübt, dass die beliebten Matching Grants eingestellt wurden. Doch die Enttäuschung hat sich schnell gelegt. Inzwischen sind 93 Prozent der Befragten einer Auswertung zur Grant-Struktur der Meinung, das neue Modell sei besser als das alte. Für die umfangreiche Erhebung, die von den Technischen Beratern sowie Mitarbeitern der TRF durchgeführt wurde, waren 2800 Personen aus 128 Ländern befragt worden. 138 Rotarier brachten in „Global Focus Groups“ ihre Erfahrungen ein. Außerdem überprüften Technische Berater an 59 Standorten die Nachhaltigkeit von Global Grant-Projekten und sammelten an 38 Standorten ein Feedback der Anwohner über den erzielten Nutzen ein.

Fragenkatalog

Im Einzelnen ging es um folgende Fragen: Wie zufrieden sind Rotarier mit der Grant-Struktur? Für wie sinnvoll halten sie die Begrenzung auf sechs Schwerpunktbereiche? Sind sie mit den Kriterien zur Genehmigung von Global Grants vertraut? Und wie steht es jeweils mit der Nachhaltigkeit?

Bereits 2015/16 hatte TRF nach der dreijährigen Pilotphase eine derartige Erhebung durchgeführt. Bei den jetzt erhobenen Daten fällt auf, dass die anfängliche Euphorie mit 90 Prozent Zustimmung bis 2015 um vier Prozent zurückgegangen war, jetzt aber mit 93 Prozent wieder deutlich im Plus liegt. Den „Einbruch“ führt TRF auf die Eingewöhnung an das anspruchsvolle Antragsverfahren zurück. Inzwischen hat man sich an das Prozedere gewöhnt, was sich auch daran ablesen lässt, dass die Zahl der genehmigten Global Grants seit 2013 um 50 Prozent gestiegen ist (auf insgesamt 7000) und auch die durchschnittliche Fördersumme um 21 Prozent höher liegt als zu Beginn.

Nachhaltigkeit wird allgemein ein hoher Stellenwert zuerkannt. 73 Prozent der Befragten halten es für wichtig, dass Rotary diesen Aspekt herausstellt. 62 Prozent sehen im Prinzip kein Problem darin, ihre Konzepte entsprechend auszurichten. Allerdings bestätigten nur 29 Prozent, dass der Anspruch in ihrem konkreten Projekt auch einfach umzusetzen war.

Bei den „Areas of Focus“ sind 96 Prozent der Befragten überzeugt, dass Rotary die richtigen Schwerpunktbereiche ausgewählt hat. Allerdings ist ein Drittel dieser Gruppe der Meinung, dass sie thematisch breiter gefasst werden sollten. Eine größere Gruppe, vor allem Rotaracter, zeigten zudem großes Interesse daran, „Umwelt“ als Schwerpunktbereich hinzuzuwählen. Die Notwendigkeit, Projekte regelmäßig zu kontrollieren und evaluieren, erkennen viele Befragte an, allerdings werden wiederholt Schwierigkeiten erwähnt, dafür auch eine Methodik zu entwickeln. Die Technischen Berater berichten immer wieder, dass fehlende Rückmeldeverfahren die Umsetzung von Konzepten beeinträchtigen können.

Nachhaltigkeit

Zu den einzelnen Schwerpunkten gibt es verschiedene Anmerkungen: Elementarbildung, Lesen und Schreiben hat zwar für viele Rotarier Priorität, zeigt aber in punkto Nachhaltigkeit das schwächste Ergebnis. TRF vermutet einen Grund in dem hohen Materialbedarf für Projekte. Krankheitsprävention und –behandlung ist der Schwerpunktbereich mit den meisten genehmigten Global Grants. Kommunale Wirtschaftsentwicklung steht an zweiter Stelle in der Prioritätenliste. Die Werte für Nachhaltigkeit haben sich hier seit 2015/16 leicht verbessert und liegen höher als der Durchschnitt aller Global Grants. Gesundheit von Mutter und Kind ist der Bereich, in dem deutlich häufiger als in anderen Vocational Training Teams zum Einsatz kommen. Friedensförderung und Konfliktprävention steht an letzter Stelle bei den Global Grant-Anträgen, die zumeist auf Stipendien abzielen. Hier vermutet TRF, dass viele Rotarier unsicher sind, wie ein sinnvolles Projekt aussehen kann. Bei Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene liegt der Schwerpunkt in den Projektbereichen Wasserversorgung (hohe Nachhaltigkeit) und Hygienetraining in Schulen. Die Idee, Vocational Training Teams die Projektumsetzung zu übertragen, trifft auf große Zustimmung der Befragten (92 Prozent).

Kriterienliste erweitert

Die Trustees der Rotary Foundation haben inzwischen bereits festgelegt, dass die Liste der sechs Schwerpunkt nicht verändert wird. Allerdings wurden die Kriterienlisten jeweils um Umweltaspekte erweitert. Die Trustees beschlossen auch, dass derartige Erhebungen von nun an alle fünf Jahre durchgeführt werden sollen.


Die Rotary Foundation hat sechs Schwerpunktbereiche definiert, in denen Club- und Distriktprojekte finanziell gefördert werden können. Damit soll das Serviceprofil der Organisation geschärft werden – auch zur Vereinfachung der Suche nach internationalen Partnerorganisationen: Friedensförderung und Konfliktprävention, Krankheitsprävention und -behandlung, Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene, Gesundheit von Mutter und Kind, Elementarbildung, Lesen und Schreiben, kommunale Wirtschaftsentwicklung.

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.