Arbeitsbilanz mit Sorgenfalten - Wo Großprojekte wenig bringen

Past-Gov. Fricke inmitten der Kinder im Heim Kabar Danga © Privat

15.02.2011

Arbeitsbilanz mit Sorgenfalten

Wo Großprojekte wenig bringen

Matthias Schütt

Nach Lage der Dinge werden wir uns demnächst von einem Kernelement rotarischer Projektarbeit verabschieden müssen: Matching Grants sind nicht mehr vorgesehen in dem ab 2013 verbindlichen Future Vision Plan. Bei allem Verständnis für Reformen bei der Rotary Foundation – für Past-Gov. Reinhard Fricke (RC Münster-St. Mauritz), der seit 25 Jahren Projekte für Indien organisiert, ist das keine gute Nachricht: Er befürchtet, dass dann Projekte mit mittlerem Budget (bis 30.000 US-Dollar) stark zurückgehen werden, weil die Rotary Foundation dafür keine Aufstockung mehr vorsieht (s. Interview). Gerade diese Projekte haben aber in vielen Dörfern Indiens grundlegende Investitionen ermöglicht. Auf über eine Million Euro summieren sich die von bzw. über Fricke organisierten Projekte, dazu kommen noch über 30 Matching Grants im Volumen von etwa 400.000 US-Dollar. Das bislang letzte ist die Ausstattung eines Ambulanzbootes im Ganges-Delta, wo Tausende noch keinen Zugang zu medizinischen Diensten haben.  
Motor der deutsch-indischen Zusammenarbeit ist der Länderausschuss, dem Fricke bis Juni 2010 vorstand, vor allem aber die Clubpartnerschaft seines RC Münster-St. Mauritz mit dem RC Budge Budge in West-Bengalen. Der ehemalige Chefarzt für Rheumatologie konnte auf der Pionierarbeit seines Clubfreundes Peter Berghaus aufbauen, der seit Ende der 1970er Jahre in Indien aktiv war, später den Länderausschuss gründete und die Partnerschaft mit Budge Budge einfädelte.

Kleine Projekte als Erfolgsmodell

Wie produktiv die Unterstützung umgesetzt wird, zeigt das „Rotary Eye Hospital“ südwestlich von Kolkata, das der indische Partnerclub auf eigene Rechnung betreibt. Nachdem der Club die heruntergekommene Einrichtung übernommen hatte, wurde sie systematisch aufgebaut: Heute arbeiten die 20 Mitarbeiter, darunter vier Ärzte, mit schwarzen Zahlen, obwohl jede zweite Operation (vor allem grauer Star) kostenfrei durchgeführt wird. Das Distriktprojekt seines Governorjahres 2006/07 widmete Fricke einem Heim für 200 Straßenkinder in Kabar Danga bei Kolkata: Für rund 30.000 Euro konnten ein Reisfeld, ein Gemüsegarten und ein Fischteich erworben werden. Eine besondere Herausforderung stellte der Tsunami Ende 2004 dar, als in Nagapattinam im südöstlichen Bundesstaat Tamil Nadu 6000 Menschen ums Leben kamen und 36.000 Behausungen zerstört wurden. Nur wenige Wochen später übergab Fricke 100.000 Euro aus Spenden für den Bau von insgesamt 70 neuen Häusern und zwei Schulen.  Solche Großprojekte sind jedoch die Ausnahme, im Vordergrund stehen dezentrale Projekte wie die Wasserpumpen, mit denen 220 Dörfer ausgestattet wurden. Dem Arzt aus dem Münsterland ist nicht weniger eine hygienische Entsorgung wichtig. So sind heute dank Rotary um die 1000 Wohnhäuser mit sogenannten „sanitary latrines“ ausgestattet. Vor allem in Schulen hat Fricke immer wieder den Bau von Toiletten angemahnt.  Kleine Projekte – große Wirkung: In Bau und Ausstattung von Schulen, in der Förderung von Bildung überhaupt, liegt die große Chance, dass auch die ländlichen Gebiete allmählich Anschluss finden. Dazu sind Schulpatenschaften besonders sinnvoll. 75 Patenkinder werden über den Past-Governor finanziert, sechs fördert Familie Fricke selbst. Schon 300 Euro im Jahr sichern einem Kind die gesamte Schullaufbahn.

Erschienen in Rotary Magazin 2/2011

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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