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Distrikt

Altehrwürdig - und doch jung

Distrikt - Altehrwürdig - und doch jung
DG Gerhard Hellmann ehrte Gründungspräsident Heinz Höllriegl (li.) vom RC Klosterneuburg, der mit einer großartigen Rede begeisterte. © Hubert Nowak

Governor Gerhard Hellmann zieht knapp vor Ende seiner Amtszeit eine überwiegend positive Bilanz seines Jahres, in dem gleich mehrere Clubs runde Jubiläen gefeiert haben.

Hubert Nowak01.06.2016

Rotary kommt in die Jahre. Sind wir ein altehrwürdiger Club?

Wir sind ein altehrwürdiger Club. Klosterneuburg und Wien-Nordost etwa wurden 50 Jahre alt, Liezen-Rottenmann 60 und Wien gar 90 Jahre. Die Feier von Wien war im dortigen Grandhotel in dem Saal, wo vor 90 Jahren die Charter erfolgte. Der Saal ist drei Etagen tief im Keller und war vom Kriegsgeschehen nicht betroffen.

Wie dieser Saal sind die Clubs großteils in einem sehr guten Zustand, mit viel Wissen über Rotary und mit tollen Projekten, Hut ab! Wir bringen im Distrikt alle gemeinsam einige Millionen Euro im Jahr auf, das ist beachtlich. Natürlich gibt es auch Clubs, die gerade in einer Umstrukturierung sind, die gerade interne Probleme haben und im Moment nicht ganz so rund laufen, aber das sind nur wenige.

Heißt altehrwürdig auch alt?

Nein, denn der Schwerpunkt in diesem Jahr lag in der Jugendarbeit. Ich habe immer gesagt, mein Jahr gehört der Jugend und dafür habe ich auch tolle Mitstreiter gefunden. Wir werden bis zum Ende des Clubjahres insgesamt 10 Jugendclubs, Interact und Rotaract, gechartert haben, das ist schon ein Erfolgserlebnis. Besonders erfreulich ist der Jugendzuwachs in Bosnien, da haben wir mittlerweile ein Verhältnis 13 zu 17, d.h. wir haben 13 Rotary-Clubs und 17 Jugendclubs, das gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal.

Bei Rotary ist auch immer Wachstum ein Thema. Ist Wachstum per se ein Ziel oder ist es nicht besser, auf qualitätsvolle Mitglieder und das Engagement der Clubs zu setzen?

Man muss beides miteinander verbinden. Man muss die Clubs motivieren zu wachsen, um dem Alterungsprozess zu begegnen. Mein Ziel war, um 3,5 Prozent auf 4.400 Rotarier im Distrikt zu wachsen, das dürfte fast erreicht werden. Mit Graz-Süd wurde auch ein neuer Club gechartert, das sind voll motivierte Damen und Herren, ein toller Club, in einem wunderbaren Clublokal.

Ist der Besuch des Weltpräsidenten ein besonderes Zeichen der Anerkennung für den Distrikt oder ist es Routine?

Für mich ist es ein Zeichen der Anerkennung. Ich hab ihn bei der Assembly in Amerika persönlich kennengelernt, er ist ein Businessman, der weiß, wovon er spricht, der erstmals mit seinen Governors auch ganz konkrete Ziele ausgearbeitet und vereinbart hat. Er ist auf einer Road Tour von Tschechien über Ungarn nach Österreich unterwegs und fährt dann weiter nach Deutschland. Für mich ist es eine Ehre, wenn er uns besucht.

Die Besonderheit des Distrikts 1910 ist, auch Bosnien mit dabei zu haben. Ist das für den Governor eine zusätzliche Belastung oder eine Chance, auf den Pfaden der österreichisch-ungarischen Monarchie zu wandeln?

Ich sehe das schon auch in einem historischen Bezug. Früher haben wir ja auch noch Slowenien, Kroatien und Ungarn mit betreut. Diese Länder sind inzwischen selbständig. Rotary in Bosnien hat sich aufgrund der Kleinheit des Landes mit 3,7 Mio. Einwohnern entschieden, bei Österreich zu bleiben. Für uns ist das toll, wir können dort weiter gute Aufbauarbeit leisten. Bosnien hat derzeit 13 Clubs, zumeist gemischte Clubs, einer ist ein Herrenclub, einer hat nur Damen. Dort ist rotarische Arbeit auch echte Friedensarbeit. Wir trachten danach, dass immer alle drei Ethnien in den Clubs vertreten sind, also Bosniaken, Serben und Kroaten, und es ist wichtig, dass die alle miteinander reden und gemeinsam Projekte in ihrem Land umsetzen.

Wann wird Bosnien ein selbständiger Distrikt sein?

Das wird wahrscheinlich noch lange nicht der Fall sein können. Das wäre mit derzeit 13 Clubs und annähernd 200 Rotariern auch gar nicht möglich. Natürlich könnte Rotary International entscheiden, Bosnien-Herzegowina einem anderen Distrikt zur Betreuung anzuschießen, aber wir Österreicher trachten nicht danach. Wir wollen unsere Verbindung da weiter aufrecht halten. Unsere Clubs unterstützen ja auch viele Sozialprojekte in Bosnien.

Dein Nachfolger als Governor wird jetzt nicht, wie ursprünglich vorgesehen, Jörg Nairz, sondern Paul Jankowitsch. Das war intern eine schwierige Phase, ist das völlig überwunden?

Das ist für mich jetzt völlig überwunden. Nach dem Rücktritt von Jörg Nairz haben wir mit Paul Jankowitsch einen sehr erfahrenen Rotarier an der Spitze im Distrikt, er war 2011/12 schon einmal Governor. Die Situation hat sich also beruhigt, wir sind schon wieder in einer unaufgeregten Phase.

Apropos Ruhe. Was wird Du mit der vielen Zeit machen, wenn Du nicht mehr Governor bist?

Erstens werde ich meinen Amtsnachfolger unterstützen, der ja noch beruflich tätig ist. Wenn er mich darum bittet, werde ich - soweit es mir möglich ist - auch für ihn Termine wahrnehmen. Zweitens werde ich das Amt des Distrikt Trainers übernehmen. Weiters möchte ich mich besonders engagieren bei den Special Olympics, die ja das internationale Großereignis 2017 sein werden. Und auch mein eigener Club fordert mich, wir wollen einen Rotaract Club gründen. Es gibt also weiterhin genug zu tun.

Hubert Nowak
Dr. Hubert Nowak, Jahrgang 1954, ist Buchautor und Medienberater. Er war 40 Jahre lang als Journalist und Manager in verschiedenen Funktionen im ORF tätig, darunter als Moderator und stellvertretender Chefredakteur der „Zeit im Bild“, als Landesdirektor des ORF Salzburg, als Projektleiter für die ORF TVthek und als Redaktionsleiter des ORF für 3sat. Er ist Gründungsmitglied des RC Perchtoldsdorf.