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Distrikt

Kaltes Land, warme Herzen

Distrikt - Kaltes Land, warme Herzen
Austausch mit Freunden: Acht fränkische und thüringische Rotarier bereisten zwölf Tage lang das winterliche Sibirien © Christine Büring

Rotary Friendship Exchange: Kalter Krieg oder Kapitalismus, Putin oder Paul Harris. Wie es ist, Rotarier in Russland zu sein

Patrick Shaw01.05.2019

Sibirien hat einen magischen Klang: Einsamkeit und Weite, Gulag und Doktor Schiwago. Doch wie sieht Sibirien wirklich aus? Und wie ist es, dort Rotarier zu sein? Das erlebten Pastgovernorin Christine Büring und sieben weitere Reisende aus dem Distrikt 1950 beim Rotary Friendship Exchange (RFE) mit dem Distrikt 2225. Mitten im Winter ging es zwölf Tage lang von Moskau nach Omsk und von dort mit der Transsibirischen Eisenbahn 2500 Kilometer nach Osten über Nowosibirsk nach Krasnojarsk und Irkutsk.

Vielfalt und Freundschaft
Dort trafen die Rotarier aus den Clubs Aschaffenburg-Schönbusch, Alzenau, Arnstadt, Erfurt und Altenburg Mitglieder aus sieben sibirischen Rotary und drei Rotaract Clubs. Sie lebten mit Gastfamilien in neuen und historischen Häusern, in Plattenbauten und einst verbotenen Wissenschaftsstädten. „Jeder Umzug war eine Überraschung und ein Einblick in ein anderes Leben“, so Büring. Das Programm führte zu rotarischen Projekten, in Firmen, Schulen und Kulturstätten, aufs Land, über Bergpfade und auf den gefrorenen Baikalsee. „Besonders berührend war, wie viel Zeit sich die oft jungen und meist selbstständigen Mitglieder der russischen Clubs für uns nahmen“, blickt die RFE-Koordinatorin zurück. „Es wurde gefragt, diskutiert, getanzt, gelacht und viel gegessen. Nur der Wodka war knapp, trinken die neuen Russen doch entgegen der deutschen Vorstellung dem Beispiel ihres Präsidenten folgend vor allem Tee.“

Den Charakter der vielen Begegnungen fasst Büring mit einem Wort zusammen: Freundschaft. „Wie viele Toasts wir darauf tranken! Wir sprachen über den schmerzvollen Krieg, über das harte Schicksal der ethnisch Deutschen in Sibirien, über Putin, Merkel, Trump und China, über Deutschlands Rolle, über die Ukraine und die Krim.“ Diese Offenheit mache auch in Russland den Reichtum Rotarys aus.

Mutiges Engagement und wenig Anerkennung
Für ihr Gemeinwesen bauen die rund 1400 sibirischen Rotarier beispielsweise Pfade um den Baikalsee, finanzieren Spielplätze für behinderte Kinder oder helfen einer Kunstschule. „Ein wenig scheint es, als würden sie Rotary im Sinne des Gründers Paul Harris neu erfinden“, beschreibt Büring. „Sie diskutieren über Werte und teilen die Erfolge und Probleme ihres Lebens.“ Rotarier seien in Sibirien „nicht das Establishment, sondern junge, ambitionierte, weltoffene und verantwortungsvolle Menschen, die voneinander lernen und miteinander wachsen“. Es sei in Russland keine Auszeichnung, Rotarier zu sein. Vielmehr brauche es „den Mut, einer internationalen Gemeinschaft anzugehören, die von staatlichen Stellen nach wie vor als amerikanische Organisation angesehen wird“. Umso wichtiger seien die Kontakte nach Europa.

Der Gegenbesuch der sibirischen Rotarier um deren RFE-Koordinatorin Ekaterina Tashlykova ist vom 7. bis 17. Juni geplant. Und auch über eine weitere Reise sprechen die Organisatoren schon. Sibirien sei „ein hartes, reiches und dynamisches Land, das eine sehr eigene, stolze Identität hat“, wirbt Christine Büring für den Austausch mit dem Distrikt 2225.

Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Offizieranwärter der Bundeswehr, von 2001 bis 2016 Volontär und Redakteur der Nürnberger Nachrichten und ist seit 2017 Redakteur des NN-Heimatverlags Treuchtlinger Kurier. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.